Damals fällte der Stadtrat die ersten Entscheide im Hinblick auf den knapp drei Wochen später stattfindenden Rutenzug: Auf Antrag von Lehrer Gottlieb Müller engagierte er die Kurkapelle von Bad Schinznach für die musikalische Umrahmung der Morgenfeier.

Für die Zugs- und Tanzmusik setzte man wieder auf die Stadtmusik – «zu den letztjährigen Bedingungen» – das heisst, gegen eine Entschädigung von 100 Franken.

Erhöhung des Betrags erwünscht

Damit war die Stadtmusik allerdings nicht einverstanden. Sie wünschte den Betrag auf 150 Franken zu erhöhen. Zur Begründung führte sie aus, dass die Stadtmusik aktuell «36 Mann stark sei und dass jedem Mitglied wenigstens ein Taglohn vergütet werden müsse.»

Darauf stieg der Stadtrat jedoch nicht ein, sondern führte aus, wie der Verein daneben durch die Stadt unterstützt werde.

Die Ausschreibung der Festwirtschaft, der Brötchen- und Wurstlieferung brachte keine grosse Überraschung: Für die Festwirtschaft traf nur die Bewerbung vom Wirt des Roten Hauses ein, der eine Entschädigung von 205 Franken anbot, was deutlich weniger als noch im Jahr zuvor.

Der Brugger Bäckereiverband offerierte die 500 Gramm schweren Brote für 20 und die 150 Gramm schweren Brötchen für 9 Rappen pro Stück, worauf der Stadtrat einstieg.

Die Wurst für 29,5 Rappen

Einzig bei Lieferung der 130 Gramm schweren Jugendfestwürste konnte der Stadtrat aus mehreren Bewerbern auswählen. Zwei Metzger offerierten die Wurst zu 30 Rappen das Stück.

Das Rennen machte schliesslich Jakob Bolliger – er verlangte nur 29,5 Rappen pro Wurst. Das Rettungskorps der Feuerwehr erklärte sich bereit, wie schon in den Vorjahren gegen eine Entschädigung von 1 Franken pro Mann beim Aufhängen der Kränze und am Heimzug mitzuwirken.

Vor 100 Jahren machte das Wetter einen Strich durch die Festhoffnungen von Gross und Klein: Die ganze Landschaft war in dichten Nebel gehüllt, als um fünf Uhr in der Früh Kanonendonner ertönte und die Tambouren mit Trommelwirbel die Bevölkerung der Stadt weckten.

Um neun Uhr setzte sich der Umzug in Bewegung und bereits eine halbe Stunde später konnte in der geschmückten Stadtkirche die Morgenfeier beginnen – eröffnet durch den Allgemeinen Gesang «Grosser Gott, wir loben dich».

Es folgten Liedvorträge der Kurkapelle Bad Schinznach und der Brugger Männerchöre «Frohsinn» und «Liederkranz». Von Vorträgen der Schülerchöre umrahmt, hielt Paul Haller seine Ansprache, die ganz auf die junge Zuhörerschaft ausgerichtet war (siehe Box).

So schön die Erinnerungen an die Morgenfeier waren, so schlecht waren sie für den restlichen Tag. Als die Menschen aus der Kirche ins Freie traten, setzte ein Landregen ein, der den ganzen Tag über andauern sollte.

Das Kadettengefecht musste auf die ersten Schultage nach den Sommerferien verschoben werden und anstatt auf der Schützenmatt, fanden die Tänze in diversen Lokalen statt. Das Wetter war so schlecht, dass der Stadtrat dem Festwirt eine Reduktion der Entschädigung gewährte.

*Titus J. Meier ist Historiker und lebt in Brugg.