Für einmal fiel 1919 keinem Brugger die Ehre zu, die Festansprache an der Morgenfeier zu halten. Die Schulpflege fragte den Inspektor der Bezirksschule an, den Lenzburger Pfarrer Johann Burkart. Als seine Zusage vorlag, dankte ihm die Schulpflege und erinnerte ihn zugleich daran, «dass die Rede in üblicher Weise nur etwa eine Viertelstunde dauern sollte, weil sonst die Kinder unruhig werden und stören».

Johann Burkart kam am 18. Dezember 1856 in Mühlau als Sohn des dortigen Gemeindeammanns zur Welt. In Muri besuchte er die Bezirksschule und absolvierte anschliessend in Wettingen das Lehrerseminar. Als 1870 der Papst seine Unfehlbarkeit in Glaubenssachen erklärt hatte, gründeten liberal gesinnte Katholiken in der Schweiz eine eigene, von Rom unabhängige christkatholische Kirche. Johann Burkart zählte zu den ersten Studenten, die an der 1874 gegründeten christkatholisch-theologischen Fakultät in Bern Theologie studierten. 1878 wurde er zum Pfarrer geweiht. 1891 heiratete er die Tochter seines einstigen Lehrers an der Bezirksschule Muri. Gemeinsam hatten sie einen Sohn und zwei Töchter.

Lehrer und Pfarrer in Strafanstalt

Beruflich wirkte er zunächst als Pfarrer in Laufen, später in Magden. Während dieser Zeit begann er sich wieder intensiv mit pädagogischen Fragen zu befassen und wurde vom Aargauer Regierungsrat zum Bezirksschulinspektor ernannt. Während 28 Jahren übte er das Inspektorat aus und veröffentlichte ein mehrfach aufgelegtes «Pädagogisches Album» mit Aphorismen zur Schule.

1910 wählte ihn der Regierungsrat als Lehrer und christkatholischer Pfarrer an die Strafanstalt Lenzburg. Daneben wirkte er auch in anderen kantonalen Institutionen als Seelsorger, so etwa in der Klinik Königsfelden. Elf Jahre lang diente er als Aktuar der Schulpflege Lenzburg und während fünf Jahren präsidierte er die Kulturgesellschaft des Bezirks Lenzburg. Siebzigjährig trat er von seinem Posten als Lehrer in der Strafanstalt Lenzburg zurück. 1933 starb Johann Burkart.

Ein Lob für die Brugger

Er nahm in seiner Festrede lobend Bezug auf den Entscheid der Brugger, auch während den Kriegsjahren ein Jugendfest abzuhalten, und erkannte darin ein positives Zeichen gegenüber der Jugend. Daneben äusserte er sich zu verschiedenen schulpolitischen Tagesaktualitäten und richtete Appelle an die Kinder, Eltern, Lehrer und Behörden.

Obwohl er in seinen Schriften immer wieder gefordert hatte, dass sich die Lehrer in die Kinder hineinversetzen sollten, um nicht über ihre Köpfe hinweg zu dozieren, so muss man sich fragen, inwiefern seine Rede bei den damaligen Schulkindern angekommen ist. (tm)