Brugg/Laufenburg
Rüpelhafter Bus-Chauffeur nach wüsten Beschimpfungen gefeuert

Die Postauto Schweiz AG hat einen Bus-Chauffeur entlassen, der auf der Linie 142 zwischen Brugg und Laufenburg einen 24-jährigen Mann wiederholt beschimpft und schikaniert hatte. Der Fahrer war zuvor verwarnt worden.

Pascal Meier
Merken
Drucken
Teilen
Busterminal in Brugg:

Busterminal in Brugg:

Claudia Meier

«Du Schafseckel, kannst du nicht lesen?» Diese Worte schlugen dem 24-jährigen Serim K. (Name geändert) Anfang April am Bahnhof Brugg unerwartet entgegen, als er den Postauto-Chauffeur der Linie 142 (Brugg-Laufenburg) nach dem Fahrziel fragte. «Uhuere Tubel», schob der Fahrer nach und schüttelte den Kopf.

Das liess Serim K. nicht auf sich sitzen und beschwerte sich beim Kundendienst der Postauto Schweiz AG. «Ich erhielt darauf eine Entschuldigung», erzählt der junge Mann auf Anfrage der Aargauer Zeitung und bestätigt einen entsprechenden Bericht von «20 Minuten».

Umfrage: «Es gab auch schon Kündigungen»

«So einen krassen Fall wie in Brugg hatten wir zum Glück noch nie. Aber es gab auch schon Kündigungen, jedoch erst nach Gesprächen und Abmahnungen», sagt René Bossard, Geschäftsführer der Regionalbus Lenzburg AG (RBL). Chauffeure müssten sich ab und zu von Passagieren schon viel anhören, doch im Grundsatz gelte für Chauffeure: «Auf verbale Angriffe lieber nichts als sagen, als sich auf einen Disput einlassen.» Auch René Fasel von der BDWM Transport AG bestätigt: «Wir mussten uns auch schon von einem Mitarbeiter trennen.» Im Grundsatz gelte: «Auf eine anständige Frage eines Passagiers gibt es eine anständige Antwort – auch im Stress.» Bei einem Konflikt sei das Personal angehalten, sachlich zu bleiben. Laut Erwin Rosenast, Mediensprecher der AAR Bus+Bahn, gab es auch schon vereinzelte Reklamationen von Passagieren. «Wir haben mit dem betroffenen Personal jeweils versucht, die Situation zu reflektieren und mögliche Verbesserungsmassnahmen aufgezeigt. Im Grundsatz begegnen wir den Fahrgästen mit Respekt, erwarten dies jedoch auch von diesen.» Bei den Regionalen Verkehrsbetrieben Baden-Wettingen (RVBW) habe noch nie Personal wegen falschen Verhaltens entlassen werden müssen. «Das Fahrpersonal ist immer wieder mit Konfliktsituationen konfrontiert, deshalb muss es vorbereitet sein», sagt Marija Nikolova. So sei letztes Jahr an einem Seminar über das Thema Gewaltprävention referiert worden. (mru)

«Zudem schrieb Postauto Schweiz, dass man mit dem betreffenden Chauffeur das Gespräch suchen werde.»

Doch damit wurde alles noch schlimmer: Der Chauffeur schikanierte und beschimpfte Serim K. erneut in mehreren Fällen.

Wiederholt wurde er mit Schimpfwörtern wie «Arschloch» und «Schafseckel» eingedeckt, wegen seiner Beschwerde als «Feigling» verunglimpft – und als Serim K. Mitte April in Laufenburg einmal mehr den Bus besteigen wollte, verriegelte der Chauffeur die Türen.

In der Zwischenzeit stapelten sich bei Postauto Schweiz die Beschwerden. Bereits viermal hatte Serim K. dem Kundendienst geschrieben und diesen über die erneuten Beschimpfungen informiert.

Nun ist der Fall erledigt: Postauto Schweiz hat den Chauffeur gefeuert und sich erneut beim 24-jährigen Mann entschuldigt. «Der Fahrer hatte bereits eine Verwarnung erhalten», sagt Postauto-Sprecher Simon Glauser. Man habe zuvor die Sachlage geprüft und mit dem Fahrer das Gespräch gesucht.

Für Serim K., der dunkelhäutig ist und ursprünglich aus Sri Lanka stammt, hinterlässt der Fall einen üblen Nachgeschmack. «Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich wegen meiner Hautfarbe schikaniert wurde.»

Postauto Schweiz hat davon keine Kenntnis: «Ob die Beschimpfungen mit rassistischem Hintergrund erfolgt sind, können wir nicht beurteilen», so Simon Glauser.