Schwimmbäder
Rundschau: Wie halten es eigentlich die anderen Gemeinden mit ihrer Badi?

Trotz Nein in Schinznach-Bad: Andere Gemeinden sehen Standortvorteile in ihren Bädern - auch wenn diese selten rentieren. Ein Blick in die Region.

Claudia Meier
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Ins Schwimmbad Villigen mit Baujahr 1947/48 wurde immer wieder investiert.

Ins Schwimmbad Villigen mit Baujahr 1947/48 wurde immer wieder investiert.

Michael Hunziker

(Bade-)Plausch nicht vergessen

Kommentar von Claudia Meiern

Umsonst ist ein attraktives, funktionstüchtiges Schwimmbad mit einer gepflegten Umgebung nicht zu haben. Trotzdem betreiben einige Gemeinden alleine eine Badi, andere schliessen sich für den Betrieb zusammen.

Heikel wird es dann, wenn grössere Investitionen anstehen - wie das Beispiel in Schinznach-Bad am Wochenende gezeigt hat. Dann stellt sich schnell die Frage, ob da zusätzliche Steuergelder fliessen sollen oder nicht. Schliesslich geht es nicht um Pflichtausgaben wie für Bildung oder Werkleitungen. Gross ist die Versuchung, den Rotstift anzusetzen oder gar einen Gemeindevertrag zu kündigen.

Damit die Region aber attraktiv bleibt und sich auch neue Familien - künftige Steuerzahler - in den Gemeinden niederlassen, muss der Bevölkerung etwas geboten werden, das das Herz anspricht und Plausch macht.

Eine Badi ist eine solches Angebot. Kommt dazu, dass Kinder und Jugendliche so einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nachgehen können. Unter diesem Aspekt sollte auch die regionale Zusammenarbeit nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

claudia.meier@azmedien.ch

Bereits auf Ende 2013 hatte Schinznach-Bad den Gemeindevertrag mit den drei beteiligten Gemeinden – Scherz, Schinznach und Veltheim – gekündet. Die drei Nachbargemeinden hatten die Kostenbeteiligung für die 4,72 Mio. Franken teure Gesamtsanierung mit Attraktivitätssteigerung der Badi an der Winter-Gmeind gutgeheissen. Nach dem Nein in Schinznach-Bad soll das Projekt neu überarbeitet werden.

Wie steht es eigentlich um die anderen Schwimmbäder in der Region?

«Eine Badi ist für eine Gemeinde nie rentabel», sagt Gemeindewerkleiter Dölf Erdin aus Villigen. Zusammen mit seinem Team ist er in der 2000-Seelen-Gemeinde verantwortlich für den technischen Unterhalt, die Badewasserqualität und die Umgebungsarbeiten des Freibads. «Die Badi ist sehr beliebt – auch bei Schulkindern und Jugendlichen – und trägt zum guten Image der Gemeinde bei», betont Erdin. In den vergangenen 66 Jahren habe man immer wieder in die Anlage investiert. So auch im letzten Sommer, als für 91 000 Franken eine Solaranlage montiert wurde, um das Dusch- und Badewasser aufzuwärmen.

Zwei Steuerprozent für Badi

Auch die Gemeinde Villnachern mit über 1500 Einwohnern besitzt eine eigene Badi an der Aare. Dank dem Pächter Fernando Cassano werde das Schwimmbad sehr gut betreut, sagt Gemeindeschreiber Benjamin Plüss. «Die Badi kostet uns ungefähr zwei Steuerprozent», so Vizeammann Beat Buchle, der seit kurzem die IG Badi präsidiert. In die Anlage werde laufend investiert. Im Investitionsprogramm sind 720 000 Franken für eine Gesamtsanierung im Jahr 2019 eingeplant, sagt der Vizeammann.

Die Strandbar und die Mittwochs-Musig lockten viele Einheimische und Auswärtige in die Badi. «Die Einnahmen sind seit 2010 um über 50 Prozent gestiegen und die IG Badi konnte den Mitgliederbestand innert Jahresfrist mehr als verdoppeln», fährt Buchle fort. «Das Schwimmbad ist ein wichtiger Standortfaktor. Neuzuzüger wollen wissen, ob die Badi im Dorf bleibt, bevor sie sich entscheiden, nach Villnachern zu ziehen.» Die Gemeinde sucht noch einen Bademeister für die kommende Saison.

Die Stadt Brugg betreibt nicht nur ein Freibad, sondern auch ein Hallenbad. «Die Gebäude des Freibads müssen in den nächsten Jahren saniert respektive ersetzt werden. Im Finanzplan sind dafür 1,6 Mio. Franken vorgesehen», so Stadtschreiber Yvonne Brescianini. Das Hallenbad müsse in den nächsten Jahren hinsichtlich einer Gebäudehüllensanierung untersucht werden. Ziel sei es, mit der Sanierung den Weiterbetrieb der Anlagen für die nächsten Jahre zu gewährleisten.

«Die Entscheidungsgremien werden diese Frage im Rahmen der Genehmigung des Budgets und des notwendigen Kredits beantworten können», so Brescianini zu den anstehenden Investitionen.

Die Finanzen waren auch der Grund, warum sich die Gemeinde Scherz beim Schwimmbad Schinznach mit 300 000 Franken an der Sanierung, nicht aber an der Erweiterung beteiligen wollte, obwohl das vorgeschlagene Projekt positiv beurteilt wurde, so Ammann Hans Vogel.