Rückblick 2020
Fast 14'000 Diensttage in der Region Brugg – diese Aufgaben übernahm der Zivildienst am meisten

Warum es den Leiter Kommunikation des Bundesamts für Zivildienst nicht erstaunt, dass 2020 und 2019 genau gleich viele Personen im Einsatz waren und wo noch Notlageneinsätze stattfinden.

Maja Reznicek
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Ein Zivildienstleistender arbeitet in einem Aargauer Rebberg.

Ein Zivildienstleistender arbeitet in einem Aargauer Rebberg.

Bild: Sandra Ardizzone (7. Juli 2016)

Aus der ganzen Schweiz kamen sie nach Brugg: 184 Zivildienstpflichtige (Zivis) arbeiteten im letzten Jahr in der Region. Hier waren sie laut Thomas Brückner, Leiter Kommunikation beim Bundesamt für Zivildienst, in verschiedenen Bereichen tätig:

«Zivis nehmen viele Aufgaben in der Betreuung wahr. Einsätze wurden beispielsweise in Altersheimen, in der Kinder- und Jugendarbeit, in Schulen und Spitälern geleistet.»

Der Zivildienst setzte sich laut Brückner 2020 hauptsächlich im Gesundheits- und Sozialwesen ein – aber auch im Umwelt- und Naturschutz.

Der Leiter Kommunikation führt aus: «Bei diesen Einsätzen geht es vorwiegend um die Bekämpfung von Neophyten (fremdländische Pflanzen) und um Renaturierungsaufgaben (Trockenmauern, Bahndammpflege).» Zusätzlich gibt es bis heute (Stand: 27. April 2021) Notlageneinsätze im Kanton Aargau im Zuge der Coronapandemie: etwa im Kantonsspital respektive im Contact-Tracing. Diese Einsätze werden jedoch nicht in der Region Brugg geleistet.

Neophytenbekämpfung ist eine häufige Aufgabe, die Zivildienstpflichtige übernehmen.

Neophytenbekämpfung ist eine häufige Aufgabe, die Zivildienstpflichtige übernehmen.

Bild: Severin Bigler (Archiv)

Ab zweiter Welle gab es im Aargau 37 coronabedingte Einsätze

Der Zivildienst dauert 1,5-mal so lange wie ein normaler Militärdienst. Insgesamt 13'895 Diensttage sammelten die Zivis im vergangenen Jahr in der Region Brugg. Damit waren es etwas weniger Diensttage als noch 2019 (13'984), aber mit 184 exakt gleich viele Personen wie damals. Thomas Brückner sagt: «Dass diese Zahl 2020 und 2019 identisch ist, darf als Zufall bezeichnet werden, denn Zivis suchen sich freie Einsatzplätze und damit auch den Standort des Einsatzes selbst.»

Was unterscheidet Zivildienst und Zivilschutz?

Seit 1996 gibt es laut dem Bundesamt für Zivildienst den «Ersatz» für den Militärdienst: den national organisierten Zivildienst. Diesen müssen Schweizer Männer übernehmen, die militärdiensttauglich sind, diesen Dienst aber nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können.

Dabei werden «täglich Einsätze zum Wohl der ganzen Gesellschaft und zum Schutz der Umwelt» geleistet, wie der Schweizerische Zivildienstverband Civiva schreibt. Wer weder Militär- noch Zivildienst leistet – beispielsweise, weil er militärdienstuntauglich ist –, untersteht gemäss dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz der Schutzdienstpflicht.

Schutzdienstpflichtige werden auf Notlagen (wie Katastrophen) vorbereitet. Der Zivilschutz ist kantonal geregelt.

Wie häufig sich Zivildienstleistende aufgrund von Firmenschliessungen oder Ausbildungspausen durch das Coronavirus zu einem Einsatz entschlossen haben, kann das zuständige Amt nur schwer beurteilen. Thomas Brückner erklärt:

«Zivis haben in der Regel jährlich eine Einsatzpflicht und vereinbaren den Einsatz mit dem gewählten Betrieb. Aufgrund der Einsatzvereinbarung erhalten sie ein Aufgebot des Bundesamts für Zivildienst. Es erfasst dabei nicht, aus welchem Grund sich ein Zivi für einen spezifischen Einsatz und Einsatzzeitpunkt entschieden hat.»
«Tägliche Einsätze zum Wohl der Gesellschaft» soll der Zivildienst leisten.

«Tägliche Einsätze zum Wohl der Gesellschaft» soll der Zivildienst leisten.

Bild: Christian Beutler / Keystone

Laut dem Leiter Kommunikation konnte der Zivildienst während der Pandemie «bedarfsorientiert eingesetzt werden». Im Rahmen der «zweiten Welle» ab dem 26. Oktober 2020 gab es im Kanton Aargau 37 coronabedingte Einsätze (292 Diensttage Contact-Tracing und 1'361 Diensttage Coronanotlage).

Beim Rest der Einsätze bis zum 30. April 2021 – insgesamt waren es seit Ende Oktober 59'160 Diensttage im Aargau – handelte es sich um «ordentliche Einsätze». Also solche, die unabhängig von der Pandemiesituation aufgeboten worden sind.