Brugg/Remigen
Rücktritt als Salzhaus-Präsident: «Wichtig ist, das System Brugg zu kennen»

Beat Vögeli tritt als Präsident des Vereins Salzhaus zurück und übergibt an Hanspeter Stamm. Warum er geht? «Es ist Zeit für mich», so der 66-Jährige.

Ursula Burgherr
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Heute tritt Beat Vögeli das letzte Mal als Präsident des Vereins Salzhaus durch dieses altehrwürdige Portal. UBU

Heute tritt Beat Vögeli das letzte Mal als Präsident des Vereins Salzhaus durch dieses altehrwürdige Portal. UBU

Ursula Burgherr

«Es isch eifach e geili Hütte», sagt Beat Vögeli und strahlt. Er sitzt zum Interview an der Bar im leeren Brugger Salzhaus.

Sein Blick schweift durch den altehrwürdigen, von zwölf massiven Säulen getragenen Raum zur Bühne. Wen hat er dort nicht schon alles in Action sehen?

Patent Ochsner, Bligg, Stephan Eicher, Jazzkantine, Sophie Hunger u. v. m. sind schon ein- oder mehrere Male im Salzhaus aufgetreten. Das Ambiente in der einstigen Salzlagerstätte ist beliebt.

Vor allem aber schwärmen Künstler von der guten und professionellen Betreuung durch die verschiedenen Teams. «Sowohl Polo Hofer als auch Büne Huber sind mittlerweile zu Freunden geworden», erzählt Vögeli.

In Kürze übergibt er das Zepter als Präsident des Salzhaus-Vereins seinem Nachfolger Hanspeter Stamm.

Warum? «Es ist einfach Zeit für mich», meint er pragmatisch. Ein Drittel des Jahres verbringt er mit seiner Frau Annelies im Zweitdomizil in Frankreich, segelt und macht Motorradtouren. «Ich geniesse das Leben», sagt der 66-Jährige, «und ich schaue immer vorwärts, niemals retour.»

Einen kleinen Exkurs in die Vergangenheit muss er aber doch gewähren. Denn der gebürtige Bülacher (ZH), der seit über 40 Jahren in Remigen wohnt, gehört zu den Initianten der ersten Stunde, die sich für die Umnutzung des Salzhauses zum öffentlichen Kulturbetrieb stark machten.

Alle arbeiten ehrenamtlich

Nach zwei gescheiterten Vorstössen gründeten ehemalige Arcus-Mitglieder die Gruppierung KiS (Kultur im Salzhaus).

Darunter Beat Vögeli: «Wir präsentierten den Meinungsführern in Brugg ein neues, kostengünstiges Umbauprojekt für 250 000 Franken, bei dem wir selber Hand anlegen wollten», erinnert sich Vögeli.

«Die Politiker hiessen den Vorschlag gut, und die Brugger Bevölkerung sagte 1995 klar Ja zum Kulturbetrieb im Salzhaus.»

Mit rund 1200 Mann-Stunden gestaltete ein kleines, engagiertes Team den Innenbereich praktisch in Eigenregie um.

Wochenende für Wochenende verbrachte auch Vögeli auf der Baustelle und legte kräftig Hand an beim Abbruch und Einbau von Bar, Küche, Sanitärräumen, Bühne, Licht etc. An den Werktagen war er derweil für seine eigene Firma irgendwo in der Welt unterwegs.

1997 konnte der frisch gegründete Salzhaus-Verein – mit dem heutigen Stadtammann Daniel Moser als Präsident – das grosse Eröffnungsfest des neuen Brugger Kulturtempels feiern.

Vögeli leitete fortan gemeinsam mit seiner Frau 12 Jahre die Konzertgruppe. «Wir haben die Celebrities immer ganz normal behandelt, egal ob es sich um die Wailers, Albert Lee oder jemand anderen handelte. Das schätzen sie enorm», berichtet er.

Während dieser Zeit entwickelte sich das Haus kulturell weiter. Es bildeten sich zusätzlich die Kunst-, Jazz- und Singer-Songwriter-Gruppe. Vor 8 Jahren übernahm Vögeli dann die vakante Stelle des Vereinspräsidenten als Nachfolger von Markus Kistler.

«Wichtig an diesem Amt ist, dass man das System in Brugg kennt», verrät er, «denn das Haus gehört der Stadt. Wir betreiben darin die Kultur. Aber es läuft auch noch viel anderes hier. Die Situation ist komplex.»

Oberstes Credo war: Jede Veranstaltung im Salzhaus muss öffentlich sein. Ein weiteres wichtiges Prinzip des Salzhaus-Vereins, das gemäss Vögeli bis heute erstaunlich gut funktioniert: «Alle die sich engagieren, arbeiten ehrenamtlich.» Mittlerweile sind das 80 Leute, welche für reibungslose professionelle Abläufe sorgen. «Jeder weiss, was er zu tun hat. Wir sind zwar alles ehrenamtliche Amateure, aber extrem professionell aufgestellt», betont er stolz.

Bis jetzt keine roten Zahlen

Finanzielle Probleme hat Vögeli während seines Präsidiums nie erlebt. «Natürlich ist die Leitung eines Kulturbetriebs ein stetiger Kampf, und es wird immer schwieriger, Sponsoren zu generieren», meint er.

«Der Betrieb ist in guten Händen, und ich bin überzeugt, dass er weiterfunktioniert – ganz wie es dem Geist und der Seele dieses Hauses entspricht», ist der abtretende Präsident überzeugt.

Das macht ihm den Abschied relativ leicht. Plus sein Lebensmotto: Niemals zurückschauen, immer nach vorne blicken.

Mitgliederversammlung des Vereins Salzhaus Brugg heute um 19 Uhr. Um 20.30 Uhr öffentliche Show «3 für 2».

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