Neuer Roman

Romanze zwischen Mönch und Nonne in der Klosterkirche Königsfelden

Das Areal der Klosterkirche Königsfelden regte die Kreativität der Bündnerin Lea Gafner an. Nach dem Besuch schrieb sie eine Geschichte nieder, die von der Klosteraufhebung handelt.

Das Areal der Klosterkirche Königsfelden regte die Kreativität der Bündnerin Lea Gafner an. Nach dem Besuch schrieb sie eine Geschichte nieder, die von der Klosteraufhebung handelt.

Lea Gafner (21) hat in ihrem Buch die Geschichte einer verbotenen Liebe geschickt mit den Wirren während der Reformation verknüpft.

Lea Gafner ist zurück. Zurück an dem Ort, an dem alles begann. Die zierliche Studentin mit den rostbraunen langen Haaren und den Sommersprossen im Gesicht schreitet durch den Kreuzgang bei der Klosterkirche Königsfelden. In der Ferne braust der Verkehr, doch die Mauern schlucken den Lärm, verwandeln ihn in ein dumpfes Hintergrundgeräusch. Die Sonne scheint warm auf die massiven Holzbalken. So wie damals, als Lea Gafner im Frühling 2014 zum ersten Mal über das Areal streifte.

Die junge Bündnerin reiste vor gut dreieinhalb Jahren zu Recherchezwecken an. Ihr Ziel: ein Buch zu schreiben über eine junge Nonne. Dies im Rahmen ihrer Maturaarbeit. Denn schon als Kind hatte sie gerne Geschichten erfunden, diese aber nie aufgeschrieben. Und Kirchen mit den alten Gemäuern faszinierten sie schon immer. Und so erfüllte sie sich mit ihrer Maturaarbeit einen grossen Wunsch.

«Die junge Agnes von Mülinen lernt einen Mönch kennen und muss sich entscheiden»

«Die junge Agnes von Mülinen lernt einen Mönch kennen und muss sich entscheiden»

Lea Gafner über ihren Debütroman, die Spur, die sie auf die Idee gebracht hat, Wahrheit und Fiktion.

Als Inspiration diente ihr die unvollendete Novelle «Die sanfte Klosteraufhebung» von Conrad Ferdinand Meyer über das Kloster Königsfelden. «Ich fand das Setting, den Ort und die Figuren perfekt für mein Buch», sagt Lea Gafner (21). «Die historischen Umbrüche während der Reformation boten zudem den idealen Rahmen. In der Geschichte kommt heraus, welche Auswirkungen diese grossen Veränderungen auf das Kleine, auf das einzelne Kloster, auf jede einzelne Nonne hatten.»

Eine verbotene Liebe

Um die historischen Fakten rund um die Klosterauflösung zusammenzutragen, klapperte sie eine Bibliothek nach der anderen ab. Und sogar im Shop der Klosterkirche Königsfelden fand sie ein Buch, das ihr weiterhalf. Am Ende bildeten Briefe zwischen dem Kloster und dem Rat von Bern sowie Informationen aus der Sekundärliteratur die historischen Eckpunkte ihres Romans. Die Hauptthematik ist allerdings eine Liebesgeschichte zwischen der jungen Nonne Agnes von Mülinen und dem Mönch Heinrich Sinner, die Lea Gafner nicht von Grund auf frei erfinden musste. Denn damals hätten Frauen und Männer im gleichen Kloster gewohnt. Zudem hätten eine Nonne und ein Mönch später tatsächlich geheiratet.

Der Besuch der Klosterkirche sei damals wichtig gewesen für die Kreativität, sagt Lea Gafner. «Wenn ich heute wieder hier bin, sehe ich einzelne Szenen aus dem Buch vor meinem inneren Auge.» Als sie im Frühling 2014 zum ersten Mal hier war, spielte sich gleich eine der Anfangsszenen des Buches in ihrem Kopf ab. So klar und deutlich, dass sie sogleich mit dem Schreiben beginnen konnte. Innerhalb eines Monats schrieb Lea Gafner in den Sommerferien 2014 die Geschichte nieder. Es sei ihr manchmal schwergefallen, aus dieser Welt wieder aufzutauchen.

Hilfe holte sie sich auch bei Schriftsteller Lukas Hartmann. «Ich fragte ihn an, ob er Zeit für ein Gespräch hätte», erinnert sie sich. «Daraus hat sich ein Treffen ergeben. Das hat mir sehr geholfen. Es gab mir die Bestätigung, dass meine Methode aufgehen kann.»

Sie ging auf. Lea Gafners Maturaarbeit-Betreuer waren von ihrer Geschichte derart begeistert, dass sie ihr vorschlugen, das Buch zu veröffentlichen. Etwas, das Lea Gafner ursprünglich gar nicht vorgehabt hatte. Doch die Zeitung «reformiert» berichtete über die junge Frau aus Zizers. Daraufhin meldete sich ein Verleger. Im Jahr 2015 erschien dann der Roman.

Buch wird zum Theaterstück

Mittlerweile ist das Buch «Die Nonne tanzt» beim Cosmos Verlag erhältlich. Durch die 500-Jahr-Reformations-Feierlichkeiten bekommt Lea Gafner, beziehungsweise ihr Buch, in diesem Jahr wieder mehr Aufmerksamkeit. In Chur wurde Anfang September «Die Nonne tanzt» als Theaterstück aufgeführt. Lea Gafner zeigt sich begeistert, wie ihre Geschichte umgesetzt wurde. «Es ist schön, dass ich mit meiner Maturaarbeit etwas Nachhaltiges geschaffen habe. Und es freut mich, wenn die Menschen auf mich zukommen und sagen, dass ihnen das Buch gefallen hat.» Zurzeit wird sie wieder vermehrt zu Lesungen eingeladen. «Obwohl das anstrengend ist, geniesse ich es sehr», sagt sie. «Ich kann mir so ein grosses Netzwerk aufbauen.» Und nebenbei kann sich die Studentin auch noch etwas dazuverdienen.

Lea Gafner studiert nun im 5. Semester Slawistik im Hauptfach, Geschichte und Allgemeine Sprachwissenschaft im Nebenfach an der Universität Zürich. Eine Zeit lang konnte sie sich vorstellen, Theologie zu studieren. «Allerdings merkte ich, dass mich eigentlich vor allem die Religion im historischen Kontext interessierte und weniger die Theologie als Wissenschaft», sagt Lea Gafner.

Weil das Studium viel Zeit beansprucht, hat Lea Gafner zurzeit kein neues Buchprojekt in Arbeit. Ideen hätte sie aber und sie sagt auch: «Ich würde extrem gerne wieder ein Buch schreiben.»

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