Brugg
Romano Chiecchi ist Messerschmied mit Leib und Seele

Zentrums-Ehrenmitglied Romano Chiecchi feiert sein 50-Jahr-Geschäftsjubiläum. Für seine Messerwaren hat sich das Fachgeschäft, das Chiecchi und seine Frau Rosmarie gemeinsam betreiben, weit über die Region hinaus einen Namen gemacht.

Louis Probst
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Romano Chiecchi sagt in seiner Werkstatt zur Berufswahl: «Klick hat es erst gemacht, als ich meine ersten Messer angefertigt hatte.» LP

Romano Chiecchi sagt in seiner Werkstatt zur Berufswahl: «Klick hat es erst gemacht, als ich meine ersten Messer angefertigt hatte.» LP

«Oh, ich habe gedacht, es sei der Köderlieferant», meint Romano Chiecchi lachend und bittet den «ausserladenöffnungszeitlichen» Besuch herein. Köder? Natürlich. Fischköder!

Schliesslich gehören auch Fischereiartikel zum Angebot des Geschäfts in der Brugger Altstadt. Weit über die Region hinaus einen Namen gemacht hat sich das Fachgeschäft, das Romano Chiecchi und seine Frau Rosmarie betreiben, aber für seine Messerwaren.

Zentrum Brugg

Das Zentrum Brugg ist eine Dachorganisation, die aus Handels-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben von Brugg sowie den ihr angeschlossenen Vereinigungen besteht. Der Gewerbeverein, der sein 50-Jahr-Jubiläum feiert, setzt sich für die Wirtschaftsregion Brugg-Windisch ein, nimmt die Interessen der Wirtschaft wahr und betreibt aktives politisches Lobbying, denn: «Optimale wirtschaftliche Rahmenbedingungen ziehen Unternehmen an und fördern dadurch die Attraktivität des Standorts Brugg.» (AZ)

«Mein Vater, Bruno Chiecchi hat 1938 in Windisch mit einer Hohl- und Feinschleiferei begonnen», sagt Romano Chiecchi.

«1940 sind wir in die Brugger Altstadt umgezogen. 1950 hat mein Vater einen Laden für Stahlwaren, Bestecke und elektrische Rasierapparate eröffnet.»

Zum Stichwort Rasierapparat erzählt Romano Chiecchi: «1956 wurde in der Schützenmatt die Bruwa, die Brugger Warenausstellung, durchgeführt. Auch mein Vater hatte einen Stand. Ich durfte mithelfen. Ein Kunde fragte mich, ob er einen elektrischen Rasierapparat ausprobieren dürfe. Ich weiss nicht mehr, ob es ein Kobler oder ein Sunbeam war. Jedenfalls habe ich das Kabel eingesteckt. Und aus dem Apparat stieg ein Räuchlein auf. Man konnte bei diesen Dingern nämlich die Spannung umstellen. Mein Vater sagte bloss: ‹Nimm halt einen neuen›.»

«Kalte Dusche»

1959 erwarb Romano Chiecchis Vater das Haus, in dem sich heute noch Laden und Werkstatt befinden. «1962 verunglückte mein Vater tödlich», erzählt Romano Chiecchi.

«Obwohl ich seit 1959 bei meinem Vater arbeitete, war die Übernahme des Geschäftes für mich eine kalte Dusche. Meine Frau Rosmarie und ich waren damals gerade seit 11 Monaten verheiratet.»

Aber Romano Chiecchi verfügte über ein sehr gutes berufliches Rüstzeug. Nach der Messerschmiedlehre in Zürich waren Wanderjahre gefolgt, die ihn unter anderem nach Genf gebracht hatten.

Auf die Frage, ob Messerschmied denn von Anfang an sein Traumberuf gewesen sei, entgegnet Romano Chiecchi: «Ich habe die Lehre nicht mit Euphorie, sondern aus Vernunft angetreten. Klick hat es erst gemacht, als ich meine ersten Messer angefertigt hatte.»

Im Laufe der Zeit sei der Bekanntheitsgrad seines Geschäftes stark gestiegen, stellt Romano Chiecchi fest.

Umbau 1980

«Auch dank unserer Kundschaft konnten wir 1980 den Laden umbauen. Als Gewerbetreibender in der Brugger Altstadt habe ich viele Phasen erlebt. Bei mir lief das Geschäft aber stets gut. Berufsleute gehen eben ins Fachgeschäft. Und zu unserer Kundschaft zählen Gastgewerbe, Coiffeure, Industrie, Schulen aber auch Ärzte und Tierärzte. Auch bei der Privatkundschaft hat es wieder angezogen – durch die Kochsendungen im Fernsehen. Viele Kunden möchten auch solche Messer haben, wie etwa der Fernsehkoch Studi. Die Fachkenntnis als Berufsmann zahlt sich aus. Ich gebe mir aber wirklich alle Mühe. Ich bin eben pingelig – wie es mein Lehrmeister war.»

Romano Chiecchis Arbeit wird geschätzt, wie die vielen offenen Aufträge zeigen. «Ich habe zurzeit leider eine lädierte Schulter», erklärt er. «Ich kann seit vier Monaten nicht in der Werkstatt arbeiten. Wenn ich in die Werkstatt schaue, kommen mir beinahe die Tränen.»

Von Anfang an ist Romano Chiecchi Mitglied in der Brugger Gewerbevereinigung Zentrum und früher schon im Gewerbeverein Brugg. Seit kurzem ist er Ehrenmitglied des Zentrum Brugg.

«Wir feiern beide praktisch gleichzeitig unser 50-Jahr-Jubiläum», stellt er fest. «Es ist wichtig, dass sich die Gewerbetreibenden zusammentun und sich austauschen. Der Vorstand von Zentrum Brugg legt sich schwer ins Zeug.»

Auf die Frage, wie lange er sein Geschäft noch weiterführen werde, lacht Romano Chiecchi und sagt: «Das ist eine gute Frage. Aber ich weiss es nicht. Meine Frau und ich sind jetzt beide Mitte 70. Die Werkstatt werde ich sicher behalten. Ich habe Freude daran. Ich bin eben Messerschmied mit Leib und Seele. Einfach Daumen drehen kann ich mir nicht vorstellen.»

Einen daumendrehenden Romano Chiecchi? Den kann man sich wirklich nicht vorstellen.

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