Lupfig

Rollstuhlfahrer darf im neuen Fitnessstudio nicht mittrainieren

Im Fitnessstudio The Gym im Lupfiger Industriequartier sind Ausdauer- und Kraftgeräte der neusten Generation zu finden.

Im Fitnessstudio The Gym im Lupfiger Industriequartier sind Ausdauer- und Kraftgeräte der neusten Generation zu finden.

Im neuen Fitnessstudio hätte ein 54-jähriger Rollstuhlfahrer zwar ein Probetraining absolvieren, aber kein Abo kaufen können.

Seit einem Motocross-Unfall vor 18 Jahren sitzt Markus Rauber aus Lupfig im Rollstuhl, betreibt aber dennoch weiterhin regelmässig Sport. Bei seiner Physiotherapeutin kann er trainieren. Dazu muss sich Rauber ins Auto setzen und gut 10 Kilometer zur Praxis fahren. Auch am Wochenende möchte er seine Übungen machen können, denn für Rauber ist beispielsweise eine gut trainierte Schultermuskulatur sehr wichtig.

Als im Lupfiger Industriequartier im Herbst 2016 das Fitnessstudio The Gym seinen Betrieb aufnahm, war für Rauber klar, dass er es künftig einfacher haben wird. Bereits umgezogen könnte der 54-Jährige direkt mit dem Rollstuhl von seiner Wohnung her in wenigen Minuten zum Innovation Tower fahren und dort selbstständig trainieren.

Persönlich und per Telefon arrangierten er und seine Freundin einen Termin für sein Probetraining. Bei allen drei Kontaktaufnahmen wurde erwähnt, dass er im Rollstuhl sitzt, erzählt Rauber. Doch als er zum Probetraining erschien, hiess es plötzlich, dass er dieses zwar absolvieren, aber anschliessend kein Fitness-Abo kaufen könne, weil das Studio nicht barrierefrei sei. Rauber verstand die Welt nicht mehr.

Im Fitnessstudio The Gym im Innovationtower in Lupfig sind Rollstuhlfahrer nicht willkommen.

Im Fitnessstudio The Gym im Innovationtower in Lupfig sind Rollstuhlfahrer nicht willkommen.

Unglückliche Situation

Der Übungsraum mit Ausdauer- und Kraftgeräten der neusten Generation sowie dem breiten Korridor befindet sich im ersten Stock, die Garderoben im Untergeschoss. Alle drei Etagen sind intern mit einer Treppe verbunden. Draussen gibt es einen Lift und über die Brandschutz-Türe wäre auch für Rauber im Rollstuhl der Zugang zum Übungsraum möglich gewesen. Doch darauf stieg das Personal nicht ein.

Reto Maissen von der «The Gym»-Geschäftsleitung spricht von einem Missverständnis und entschuldigt sich für diese Situation. Beim ersten Besuch des Interessenten habe «die Instruktorin leider einen voreiligen Entschluss gefällt». Es habe nach den beiden darauffolgenden Telefonaten ebenfalls keine Rücksprache mit der Geschäftsleitung gegeben. Doch das Fitnessstudio sowie die Geräte seien nicht für Rollstuhlfahrer ausgelegt und das Personal in diesem Bereich auch nicht geschult, betont Maissen.

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Er räumt allerdings ein, dass sich im «The Gym» bisher noch kein anderer Rollstuhlfahrer ausser Rauber nach Trainingsmöglichkeiten erkundigt hatte. Die Geschäftsleitung hat erst kurz vor Raubers Termin von dieser Situation erfahren. Dieser verzichtete dann auf das als Trost angebotene Probetraining. «Wir sind uns im Klaren, dass sich der Interessent auch ohne Garderobe zufriedengegeben hätte. Was machen wir aber, wenn künftig ein Kunde im Rollstuhl von der Garderobe oder Sauna Gebrauch machen möchte? Und was ist in einem Brandfall?», fragt Maissen zurück, der die unglückliche Abwicklung der Anfrage sehr bedauert.

Abschreckende Wirkung?

Markus Rauber kann diese Argumente nicht nachvollziehen. Garderobe und Dusche hätte er gar nicht beansprucht, weil er im Trainings-Outfit gekommen und gegangen wäre. Und mit den Geräten ist er vertraut und wäre nicht auf Hilfe angewiesen gewesen. «Für mich ist klar, ‹The Gym› will keine Rollstuhlfahrer. Warum wurde mir das nicht von Anfang an mitgeteilt?», fragt er. Der 54-Jährige bedauert, dass er das moderne Fitness-Angebot in einem Neubau vor der Haustüre nicht nutzen kann. «Will man den anderen Kunden im Studio einfach keine Rollstuhlfahrer zumuten, weil das etwa abschreckend wirken könnte?», fragt Rauber weiter.

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