«Der Kaib werden zwei weitere Sitze verweigert», titelte die az Anfang Monat, nachdem das Leitungsteam der Regionalkonferenz Jura Ost beschlossen hatte, den Antrag von Max Chopard abzulehnen. Dieser ist Präsident des Vereins «Kein Atommüll im Bözberg» (Kaib).

Wenn es um die Zusammensetzung des regionalen Partizipationsgremiums geht, das vom Bund für das Sachplanverfahren eingesetzt wurde, gibt es verschiedene Ansichten: Die Einen wollen mehr Einfluss und die Anderen sehen im ganzen Prozedere eh nur eine Alibiübung. So verzichtet etwa die Gemeinde Hausen bewusst auf einen Sitz in der Regionalkonferenz – aus mehreren Gründen, wie sich zeigt.

Aufwand und Nutzen hinterfragt

Seit der Gründung der Regionalkonferenz Jura Ost im Juni 2011 war die Gemeinde Hausen mit Vizeammann Stefan Obrist in diesem fast 100-köpfigen Gremium vertreten. Obrist engagierte sich zusätzlich in der Fachgruppe, die sich mit der sozioökonomischen-ökologischen Grundlagenstudie befasste. Dennoch habe er gegenüber dem Gemeinderat Hausen den Aufwand und den Nutzen dieser Arbeit immer wieder hinterfragt, erzählt Gemeindeschreiber Christian Wernli. Als sich Obrist zum Rücktritt aus der Regionalkonferenz Jura Ost entschied, war niemand vom Gemeinderat bereit, diese Lücke zu füllen.

Mit Thomas Flüeler stand aber aus Sicht des Gemeinderats ein geeigneter Kandidat für den Hausener Sitz zur Verfügung. Flüeler wohnt in Hausen und arbeitet als Bereichsleiter Kerntechnik bei der Baudirektion des Kantons Zürich. «Der Gemeinderat hatte das Gefühl, dass er das nötige Fachwissen mitbringt», so Christian Wernli weiter.

Nagra lädt zu Reise ins Ausland ein

Als Flüeler vom Leitungsteam der Regionalkonferenz Jura Ost abgelehnt wurde, habe der Gemeinderat beschlossen, auf eine Delegation zu verzichten. «Wir haben in Hausen grosse Projekte am Laufen, die Priorität haben und unsere Ressourcen voll beanspruchen», sagt Wernli. Trotzdem scheint das Thema Endlagerung von Atommüll auch hier nicht vom Tisch zu sein. Der Gemeindeschreiber erzählt, dass eine Einladung von der Nagra für Gemeinderäte und Verwaltungsangestellte eingetroffen sei. Angeboten werden zwei Informationsreisen im Mai und September nach Schweden und Deutschland. Jedoch wird die Gemeinde Hausen von diesem Angebot keinen Gebrauch machen.

Nach dem Konzept der regionalen Partizipation umfasst eine Regionalkonferenz je nach Region zwischen zirka 50 und maximal 150 Personen, sagt Co-Präsident Ueli Müller aus Riniken. Beim Aufbau hat das Startteam nach den Richtlinien des Bundesamts für Energie (BFE) definiert, welche Gemeinden, Parteien und Gruppierungen Anspruch auf Mitgliedschaft haben. So sei beispielsweise der Sitz der SP erst kürzlich besetzt worden. Neben Hausen verzichteten auch die Gemeinden Gebenstorf, Habsburg und Holderbank auf eine Delegation, so Ueli Müller weiter.

Rollenkonflikt Aargau/Zürich

Thomas Flüeler von Hausen habe sich zweimal um einen Sitz beworben. Beim ersten Mal als Privater und beim zweiten Mal als Delegierter der Gemeinde Hausen. Das erste Mal lehnte ihn das Startteam Plattform Bözberg und das zweite Mal das Leitungsteam Jura Ost aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit ab.

Als Bereichsleiter Kerntechnik für den Kanton Zürich muss Flüeler sich unter anderem um Stellungnahmen zu den Standortgebieten im Weinland («Zürich Nordost») und im Unterland («Nördlich Lägern») kümmern. Das lässt sich laut Müller nicht mit einem Engagement im Aargau vereinbaren, auf diesen Rollenkonflikt hatte auch das Bundesamt für Energie hingewiesen.