Der Mime Rolf Simmen lässt im Veltheimer Schloss Wildenstein «Das Gespenst von Canterville» von Oscar Wilde sein Unwesen treiben. Spannend ist nicht nur die Geschichte um den bösen Geist, sondern auch ein Blick auf die Vita des 69-jährigen Schauspielers, der in seinen aktiven Berufsjahren mit nationalen und internationalen Grössen auf der Bühne und vor der Kamera stand.

Rolf Simmen lässt den Blick aus dem Wohnzimmerfenster seines Hauses in Schinznach-Dorf über die fünf Aren Reben schweifen, die er seit Jahren hegt und pflegt. «Das Leben auf dem Land war immer ein guter Ausgleich zu meinem Beruf», meint er und seine Augen leuchten. Der Fastsiebziger sieht wesentlich jünger aus, als er ist. «Ich habe heute noch dasselbe Gewicht wie in der Rekrutenschule», sagt er und lacht.

Die Neugierde bewahrt

Vor allem aber habe er sich seine Neugierde bewahrt. Schon mit 12 Jahren, als er mit den Eltern und zwei Schwestern noch in Villnachern lebte, wusste Bezirksschüler Rolf: «Ich will Schauspieler werden». Vater Arnold, ein Fabrikarbeiter, war alles andere als begeistert von den «Flausen» seines Sohnes.

«Er hatte recht», erläutert Simmen, «die Schauspielerei ist ein brotloser Beruf, wenn man nicht extrem hart arbeitet sowie ganz viel Vitamin B und Glück hat.» Doch er blieb hartnäckig und absolvierte seine Schauspiel-Ausbildung in Zürich. Festen Willens, die Welt zu erobern, zog er anschliessend nach München. Und Fortuna war ihm hold. Maximilian Schell engagierte ihn in «Hamlet». «Ich hatte nur eine winzige Rolle, aber sie war ein Türöffner», so der Mime.

Regisseur Michael Verhoeven sah in dem jungen Akteur Talent. Senta Berger verhalf ihm zu einer Künstler-Agentur, die Beziehungen zum internationalen Filmbusiness hatte. Simmen synchronisierte englische Dracula-Filme, stand mit Uwe Friedrichsen, Margrit Rainer sowie anderen Grössen auf der Bühne und ging mit Georg Thomalla und Hans-Joachim Kulenkampff auf Tournee. «Ein Star war ich nie, verdiente aber immer genug, um zu leben», schildert er rückblickend.

Dann erbte Rolf Simmen das Häuschen in Schinznach-Dorf und renovierte es. Er verlegte seine Engagements in die Schweiz, trat mehrfach im Bernhard-Theater und auf anderen Schweizer Bühnen auf, und wurde Vater. Doch als seine Tochter Ariane 6 Jahre alt war, verliess ihn seine Partnerin. Der Schauspieler war ab dato alleinerziehender Vater. «Mein Kind hatte immer oberste Priorität», betont er.

«Ich hatte ein reiches Leben»

Mit Teilzeitjobs, Radiohörspielen und Synchronisationsarbeiten ermöglichte er sich und seinem kleinen Mädchen eine bescheidene Existenz. «Wir haben bis heute ein sehr enges Verhältnis zueinander», sagt Simmen, der inzwischen Grossvater von zwei Enkelkindern ist. 1995 avancierte er zum Geschäftsleiter des Schweizerischen Bühnenkünstlerverbands und vertrat bis zu seiner Pension die Anliegen aller Schweizer Theater-, Film- und Fernsehschaffenden. Er schlug sich mit Arbeits- und Urheberrechten herum und handelte mit Persönlichkeiten wie Opernhausdirektor Alexander Pereira oder Ballettdirektor Heinz Spoerli Verträge aus. «Ich hatte ein reiches Leben», sinniert der Rentner. Noch heute erhält er Autogrammwünsche aus Deutschland. Fühlt er sich einsam seit seiner Pension? «Nein», bekundet Simmen, «nachdem ich jahrzehntelang immer von Menschen umgeben war, geniesse ich jetzt das Alleinsein. Wenn ich mich in einen Roman von Gustave Flaubert vertiefen kann und dazu eine Mahler-Sinfonie erklingt, bin ich vollkommen glücklich.»

Lesung Kultur Grund Freitag, 28. August, 20.30 Uhr, Schlosshof Wildenstein, Veltheim: «Das Gespenst von Canterville» von Oscar Wilde. Szenische Lesung mit Schauspieler Rolf Simmen.