Brugg

Rolf Niederhauser: «Das KV ist nach wie vor der beliebteste Lehrberuf»

Im Schulzimmer: Schulleiter Rolf Niederhauser (sitzend) und Schulvorstandspräsident Max Zeier.Alex Spichale

Im Schulzimmer: Schulleiter Rolf Niederhauser (sitzend) und Schulvorstandspräsident Max Zeier.Alex Spichale

Rolf Niederhauser und Max Zeier vom Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg (BWZ) sagen, wo sie das Potenzial für den Bildungsstandort Brugg sehen.

Für Hunderte Berufslernende hat ein neues Lehrjahr begonnen. Egal, ob es sich bei den jungen Leuten um angehende Elektroinstallateure, Netzelektriker, Forstwarte, Floristinnen oder Kaufleute handelt: An den beiden Standorten des Berufs- und Weiterbildungszentrums Brugg (BWZ) im «Flex-Gebäude» an der Industriestrasse 19 und an der Annerstrasse 12 in Brugg herrscht seit ein paar Tagen wieder Hochbetrieb.

Das moderne Schulgebäude an der Industriestrasse ist nur wenige Schritte vom Bahnhof und vom Campus-Neubau entfernt. Hier drücken KV-Lernende zweimal pro Woche die Schulbank. Die Aargauer Zeitung hat sich mit Gesamtschulleiter Rolf Niederhauser und Schulvorstandspräsident Max Zeier über die Berufslehre, die Qualität des Bildungsstandorts Brugg und die Einbindung des BWZ, Wirtschaft (KV) in ein Bildungsnetzwerk mit der Fachhochschule, dem Technopark, dem Hightech-Zentrum und SwissUpStart unterhalten.

Herr Niederhauser, Sie sind Gesamtschulleiter und Leiter Wirtschaft (KV) am BWZ. Wie gross ist die Nachfrage nach KV-Lehrstellen?

Rolf Niederhauser: Das KV ist nach wie vor der beliebteste Lehrberuf. Die Schülerzahlen sind sehr stabil. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es genügend Stellen. Lehrabgänger brauchen zum Teil ein bisschen Geduld, um ein passendes Angebot zu finden.

Die Einführung der verschiedenen KV-Profile vor ein paar Jahren führte teilweise zur Verwirrung. Haben diese Profile noch Zukunft?

Niederhauser: Ja, auf jeden Fall. Bezirks- und gute Sekundarschüler absolvieren in der Regel das M-Profil mit Berufsmaturität, was ihnen den prüfungsfreien Übertritt an die Fachhochschule ermöglicht. Die anderen wählen zum grössten Teil das E-Profil. In beiden Profilen bilden wir je 150 Lernende aus. Am wenigsten gefragt ist die Basisbildung im B-Profil, weil da die Jobaussichten nicht so gut sind. In einer zweijährigen Attestausbildung bilden wir zudem rund 40 Büroassistenten aus.

Durchs Schulzimmerfenster sehen wir eine grosse Baustelle gleich neben den Gleisen. Bekommen Sie bald einen eigenen Bahnanschluss?

Niederhauser: Ja, das ist tatsächlich so. Mit der neuen Personenunterführung Mitte und dem neuen Busterminal Süd, die im Herbst 2014 fertig sein sollten, haben wir einen direkten Zugang zum Bahnhof und Busbetrieb. Darüber dürften sich einerseits unsere M-Profil-Lernenden freuen, die aus dem ganzen Fricktal nach Brugg reisen. Andererseits profitieren auch unsere Teilnehmer in der Erwachsenenbildung vom direkten Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Abteilung Wirtschaft (KV) des BWZ ist dann die mit öV am besten erschlossene Berufsschule im Kanton. In der Erwachsenenbildung sind wir übrigens noch die einzigen Anbieter auf dem Platz Brugg mit einem so breiten Kursangebot.

Gleich um die Ecke befindet sich die FHNW. Wissen Sie, wie viele der BWZ-Absolventen mit KV-Berufsmatur später dort weiterstudieren?

Niederhauser: Viele legen nach der KV-Lehre ein Zwischenjahr ein. Sie absolvieren die Rekrutenschule oder einen Sprachaufenthalt. Rund die Hälfte der Lernenden studiert später an der Fachhochschule. Wer sich gezielt spezialisieren will, bereitet sich eher auf eine Berufsprüfung vor.

Herr Zeier, mit der Campus-Mensa gibt es in unmittelbare Nähe neue Verpflegungsmöglichkeiten. Wird das auch von den Lernenden genutzt?

Max Zeier: Ja, nicht nur die Mensa, sondern auch der Migros Take-away und der neue Coop Pronto dürften auf reges Interesse stossen.

Niederhauser: Ein Drittel der KV-Lernenden am BWZ nimmt selber etwas zum Essen mit und wärmt es in der Mikrowelle auf, ein Drittel geht in Mensa und etwa ein Drittel geht in einen Laden oder zu einem Imbissstand.

Für die KV-Lernenden gibt also keinen Grund mehr, auf die Brugger Seite zu gehen?

Niederhauser: Theoretisch nicht. Aber ich schätze, dass etwa die Hälfte der Jungen gerne über Mittag im Neumarkt «shoppen» geht.

Viele Lernende und Studierende kommen von auswärts. Fühlen Sie sich in Brugg-Windisch eigentlich wohl?

Zeier: Mit der Umsetzung der Vision Mitte und dem Campus-Neubau hat sich die Situation für die Studierenden in Brugg-Windisch massiv verbessert. Es braucht aber weiterhin Anstrengungen von beiden Standortgemeinden.

Woran denken Sie konkret?

Zeier: Im Bereich studentisches Wohnen sind attraktive Angebote gefragt. Dann sollte die Personenunterführung, das sogenannte «Mausloch», zwischen Neumarkt und Windisch attraktiver werden. Hätten sich Brugg und Windisch vor Jahren zusammengeschlossen, wären wir heute mit der Entwicklung vermutlich weiter.

Was bremst diese Entwicklung?

Zeier: Unsere Region muss ständig darauf achten, zwischen Baden und Aarau nicht erdrückt zu werden. Dazu sollte sie sich öffnen und besser kommunizieren.

Das tönt ziemlich diplomatisch. Gibt es denn noch keinen Silberstreifen am Horizont?

Zeier: Doch. Ein starkes Signal ist, dass Brugg und Windisch die Ortsplanungsrevision gemeinsam anpacken. Ich arbeite selber in einer Begleitgruppe mit, und da hat es von beiden Gemeinden sehr engagierte Leute dabei.

Welche Partner hat das BWZ?

Niederhauser: Um den Bildungsstandort weiter zu stärken, arbeiten wir mit verschiedenen Partnern – zum Beispiel der FHNW – vor Ort zusammen. Mit dem Campus können wir die Mensa, die Mediothek, Schulräume oder die Sporthalle Mülimatt nutzen. Auf der anderen Seite bereitet das BWZ, Wirtschaft (KV), Kandidaten ohne Berufsmaturität auf die Aufnahmeprüfung an der Fachhochschule vor.

Werden Sie den Campussaal auch nutzen?

Niederhauser: Ja, für unsere Abschlussfeiern und Informationsveranstaltungen ist der Campussaal ideal. Das BWZ hat den Bau des Campussaals von Anfang an unterstützt und auch eine Beteiligung an der Defizitgarantie gesprochen.

Zeier: Der Saal, das Foyer und die Lage sind ein Traum. Im ganzen Kanton gibt es keinen so schönen Saal so nahe beim Bahnhof und Busterminal.

Ihr Bildungsnetzwerk sieht auch eine Zusammenarbeit mit dem Technopark und dem Hightech-Zentrum vor. Wie sieht diese aus?

Niederhauser: Vielen Jungunternehmern fehlt etwa das Grundwissen für Buchhaltung oder Geschäftskorrespondenz. Hier kommen wir zum Zug, indem wir kostenlose Kurse oder Informationsseminare anbieten.

Welche Absicht steckt dahinter?

Zeier: Die Grundidee zur Zusammenarbeit am Bildungsstandort Brugg geht zurück auf das Jahr 2000 und 2001, als der Kanton unsere beiden Berufsschulen auflösen wollte. Dagegen haben wir erfolgreich den Kampf aufgenommen, woraus eine intensive Zusammenarbeit mit der Fachhochschule entstand. Später bot sich der Technopark an und neu ist das Hightech-Zentrum dazugekommen. Dieses Netzwerk hat unglaublich viel Potenzial. Es ermöglicht optimale Synergienutzungen auf dem Platz Brugg.

Wie geht es weiter?

Zeier: Als Nächstes kommt SwissUp-Start dazu. Ziel ist es, die Studierenden bereits während des Studiums an der Fachhochschule abzuholen und auf eine mögliche Selbstständigkeit vorzubereiten. Das BWZ, Wirtschaft (KV), bietet ihnen Unterstützung mit gezielten Schulungen.

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