Roland Frauchiger (59) politisiert für die EVP seit 2014 im Grossen Rat. Er ist Gemeindeammann von Thalheim. Bis 2018 präsidierte er vier Jahre lang die Synode der Reformierten Landeskirche Aargau.

Der diplomierte Maschinen-Ingenieur ETH war unter anderem jahrelang Delegierter des Verwaltungsrates und CEO der Amag Gruppe. Heute bietet er sein Management-Know-how in einer eigenen Firma an und leitet mit seiner Frau das Gasthaus Thalner Bär (offen jeweils am Freitagabend).

Jetzt kandidiert er für National- und Ständerat. Einen Nationalratssitz holt die EVP, wenn sie bei den Wahlen den Listenverbindungspartner BDP überholt. Aber ein Ständeratssitz für eine 3,3-Prozent-Partei? Die Chance sei nicht gross, räumt Frauchiger ein. Es gehe hier aber um eine Personenwahl. Zudem habe das einen positiven Effekt auf den Nationalratswahlkampf. Und mit einer sehr aktiven Jungen EVP hoffe man, zu wachsen, so der Co-Kantonalpräsident.

Bei Patt ist kleine Partei Zünglein an der Waage

Frauchiger ist überzeugt, dass er als Vertreter einer kleinen Partei links der Mitte in Bern lösungsorientiert arbeiten und Brücken zwischen den weit auseinanderdriftenden Polparteien bauen könnte. Zudem gebe es immer Pattsituationen, in denen eine kleine Partei das Zünglein an der Waage sei.

Frauchiger will faktenbasiert politisieren. Das vermisst er nicht nur bei manchen Politikern, sondern auch in den Medien oft, sagt er mit Seitenblick auf den Journalisten. Zu oft werde eine Studie oder Meinung als Tatsache hingestellt, gerade in den sozialen Medien. Dem will er entgegenwirken.

Für Frauchiger steht der christliche Glaube als seine Wertebasis im Vordergrund: «Das prägt mein Denken und Handeln.» Sollen gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen? Das Instrument der eingetragenen Partnerschaft sei das geeignete Mittel, sagt Frauchiger. Das könne man gewiss noch verfeinern, aber: «Die Ehe ist die Basis für eine Familie mit Kind(ern). Diese wiederum ist die Keimzelle der Gesellschaft. Sie hat eine gewisse Einmaligkeit.»

Frauchiger betont, er akzeptiere alle Menschen, wie sie sind. Die derzeit auf Bundesebene diskutierte Möglichkeit einer Samenspende für ein lesbisches Paar lehnt er aber ab.
Viele Reformierte kennen Frauchiger als früheren Synodepräsidenten, doch darüber hinaus ist seine Bekanntheit im Kanton tief.

Der politische Spider von Roland Frauchiger

Der politische Spider von Roland Frauchiger

Wettmachen will er dies mit Plakaten, mit Präsenz in den sozialen Medien und an Podien. Er ist indessen wohl derjenige Ständeratskandidat einer etablierten Partei, der mit rund 2000 Franken aus der eigenen Tasche am wenigsten Geld einsetzt. Frauchigers Chance ist klein, er setzt aber auf eine Nischenpolitik. Er empfiehlt allen, die ihn fragen, im ersten Feld ihren «Lieblingskandidaten» einzusetzen, ihm dafür die «Zweitstimme» zu geben, nach dem Motto «Erste Wahl auf zweiter Zeile».