An der Werkhofstrasse in Hausen dröhnt der Bagger, trägt den Humus ab. Lastwagen treffen ein, werden beladen und fahren das Material weg – die Arbeiten am Erweiterungsbau für das Feuerwehrmagazin haben begonnen.

In einer mit rot-weissen Latten abgesperrten, über zwei Meter tiefen Grube sind die Mitarbeiter der Kantonsarchäologie zugange, legen vorsichtig den Kontrollschacht der alten römischen/mittelalterlichen Wasserleitung frei. Dieser war zum letzten Mal 1994 geöffnet, damals für Sondierungen beim Bau des Werkhofs und des Feuerwehrmagazins. Nur für kurze Zeit ist der Schacht zu sehen, denn zu liegen kommt er dann unter dem Neubau. Ergänzt wird er aber mit einem Aufsatz, damit der Zugang zur alten Wasserleitung in Zukunft stets gewährleistet ist, sei es für Kontrollen, Kanalfernsehen oder Reparaturen.

Viel Verständnis ist vorhanden

Bei der römischen/mittelalterlichen Wasserleitung handelt es sich laut Kantonsarchäologie um eines der ältesten funktionierenden Bauwerke der Schweiz. Sie führt von Hausen auf einer Länge von rund 2,4 Kilometern nach Windisch und speist noch heute den Springbrunnen vor dem Klinikhauptgebäude von Königsfelden. Mit diesem technischen Meisterwerk beschäftigen sich die Archäologen seit Jahrzehnten, erklärt bei einem Augenschein Jürgen Trumm, wissenschaftlicher Leiter Ausgrabungen Vindonissa bei der Kantonsarchäologie. Mittlerweile seien relativ genaue Daten vorhanden darüber, auf welcher Linie und in welcher Tiefe die Leitung verläuft. «Wenn heute ein Bauprojekt ansteht, dann wissen die Bauherrschaft und die Gemeinden umgehend, ob Konfliktpotenzial besteht.»

Die Mitarbeiter der Kantonsarchäologie legen den Kontrollschacht frei. Neu wird er ergänzt mit einem Aufsatz, damit der Zugang zur alten römischen/mittelalterlichen Wasserleitung in Zukunft stets gewährleistet ist.mhu

Die Mitarbeiter der Kantonsarchäologie legen den Kontrollschacht frei. Neu wird er ergänzt mit einem Aufsatz, damit der Zugang zur alten römischen/mittelalterlichen Wasserleitung in Zukunft stets gewährleistet ist.mhu

Tatsächlich stiessen die Arbeiter am Mittwoch planmässig und wie erwartet auf den Kontrollschacht und entfernten die schwere Deckplatte, die in den Neunzigerjahren hier neu aufgelegt worden war. Hermann Huber und Mariusz Maciejczak von der Kantonsarchäologie haben den Schacht in der Folge neu vermessen und dokumentiert mit Zeichnungen und Digitalfotos. In einer nächsten Phase wird die Kantonsarchäologie zusammen mit dem Ingenieur den neuen Kontrollschacht – mit einem abschliessbaren Deckel im neuen Gebäude – planen. Abgeklärt wird ebenfalls, ob das Dachwasser des Neubaus in die römisch/mittelalterliche Leitung geleitet werden kann.

Froh ist Ausgrabungsleiter Trumm um das Verständnis und das Entgegenkommen der Bauherrschaft, also der Gemeinde Hausen, der zuständigen Ingenieurbüros Burri Studiger und Gerber & Partner sowie der ausführenden Baufirma Treier AG. «Die Gemeinde hat frühzeitig den Kontakt mit uns gesucht und uns über die Bauabsichten ins Bild gesetzt. So konnten die nötigen Absprachen getroffen werden. Das ist für uns enorm wertvoll», lobt er die Zusammenarbeit. «Mit unseren Anliegen für den neuen Zugang stiessen wir auf offene Ohren. Das ist ein Zeichen dafür, dass grosses Verständnis vorhanden ist für das historische Erbe und zu diesem auch Sorge getragen wird.»

Denn sichergestellt werden soll, dass die Leitung nicht beschädigt wird und funktionsfähig bleibt. Wobei: Jede Überbauung – von solchen sind in Hausen einige entstanden in jüngster Zeit – und damit jede Flächenversiegelung bedeute, dass der alten Leitung weniger Wasser zu Verfügung stehe, gibt Trumm zu bedenken. Zeitweise führe sie kaum noch Wasser, im letzten Sommer sei sie komplett trocken gewesen. «Das macht uns Sorgen.»

Es ist der Schacht 16

Einst versorgten zwei Leitungen die rund 5500 Soldaten im Legionslager Vindonissa mit Frischwasser. Die noch wasserführende Leitung nimmt Hang- und Grundwasser im Bereich des heutigen Hausen auf. Auf den ersten knapp 600 Metern ist sie als eine Art Drainageleitung erstellt. Danach erfolgt der Wechsel zur Transportleitung, die ein konstantes, leichtes Gefälle im Promillebereich aufweist. Für den aufwendig gemauerten, unterirdisch verlaufenden Kanal verwendeten die Legionäre einen speziellen, wasserdichten Mörtel. Die zweite, «tote» Leitung übrigens war noch etwas länger und endete bei einer Aquäduktpfeilerbrücke im Bereich der heutigen Fehlmannmatte in Windisch.

Die funktionierende Leitung verfügt über mindestens 25 Kontrollschächte, die einstmals oberirdisch mit grossen Steinen markiert waren. Zwar sind die meisten verschwunden, die Nummerierung konnte aber übernommen werden von alten Plänen, führt Trumm aus. «Wir wissen deshalb, dass der jetzt wieder geöffnete Schacht seit mehr als 250 Jahren als ‹Nr. 16› bezeichnet wurde.» Ein solches Objekt, das komplett unter der Erde liege, sei schwierig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, fügt der Ausgrabungsleiter an. Ein Wunsch wäre, daraus macht er kein Geheimnis, einmal einen längeren Bereich auch in Hausen zu haben, der inszeniert und zugänglich gemacht werden könnte.