Jeder, der in Brugg die Schule besucht hat, kennt ihn: den Rutenzug. Alle Mädchen marschieren in blütenweissen Kleidern und alle Buben in Weissen Oberteilen und dunkelblauen Hosen durch die Stadt. Dieser schöne Anblick ist für viele Eltern jedes Jahr mit Stress verbunden: Die Kleider vom letzten Jahr sind zu klein, haben Flecken oder gefallen den Kindern nicht mehr. Die Kinderkleiderbörse in Brugg bietet eine Lösung.

Seit zwei Monaten warten im Ladenlokal an der Hauptstrasse 48 zwei Ständer mit weissen Kinderkleidern auf Kunden. «Wir verkaufen immer wieder weisse Röcklis, aber der grosse Run kommt normalerweise kurz vor dem Jugendfest», sagt Susanna Baur, eine ehrenamtliche Verkäuferin in der Kinderkleiderbörse.

«Weiss sei auch nicht die beliebteste Farbe für Kinderkleider. Die Eltern seien froh, wenn sie die fleckenanfälligen Kleider günstig kaufen können», sagt Baur. Weiter werden die weissen Kleider oft nur an diesem einen speziellen Tag getragen. Das Jugendfest und der Rutenzug seien trotzdem eine schöne und alte Tradition in Brugg, sagt Bauer. Auch wenn die traditionellen dunkelblauen Hosen der Buben immer häufiger durch schwarze ersetzt werden.

Die Konkurrenz wird grösser

Die Auswahl in der Kinderkleiderbörse sei aber begrenzt. Viele der Kleider werden unter Freunden oder in den Familien weiter gegeben. «Die Kunden sind uns trotzdem sehr dankbar für unser Angebot. Dementsprechend ist auch die Nachfrage recht gross», sagt Baur. Die weissen Röckchen kosten zwischen 8 und 18 Franken. Sie bemerke in den letzten Jahren jedoch die Konkurrenz von andern Kleidergeschäften. Diese bieten vermehrt weisse Kleider im unteren Preissegment an.

Seit etwa zwei Jahren gibt es keinen extra Verkaufstag für die Rutenzugkleider mehr. Der Aufwand sei einfach riesig gewesen und der Ertrag ziemlich bescheiden, sagt Baur. «Vor zehn Jahren rissen sich die Mütter die Kleider am extra Verkaufstag fast noch aus den Händen», sagt Bauer nicht ohne Stolz. Die letzten Male sei es aber um einiges ruhiger zugegangen. Vor allem der Werbeaufwand sei enorm geworden. Für die Schulen etwa mussten die Handzettel für jede Klasse im Voraus von den ehrenamtlichen Helfern abgezählt werden.