Windisch
Roboter reinigt römische Wasserleitung zwischen Hausen und Windisch

Im Auftrag und unter Begleitung der Kantonsarchäologen wird die römische Wasserleitung von Wurzeln, Schlamm und Verkalkungen befreit.

Edgar Zimmermann
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Werner Umbricht steuert im Materialwagen die Arbeiten des Fräsroboters in der unterirdischen Römerleitung.

Werner Umbricht steuert im Materialwagen die Arbeiten des Fräsroboters in der unterirdischen Römerleitung.

Edgar Zimmermann

Die Firma Kanal Service Boswil musste noch nie ein so altes Bauwerk reinigen. Es gilt, die römische Wasserleitung, die von Hausen nach Windisch führt, zu entstopfen und vom Wurzelwerk von Bäumen, das in den Kanal eingedrungen ist, zu befreien. Ausserdem sollen Versinterungen, Schlamm und Geschwemmsel entfernt werden. Hiezu setzt sie den neu angeschafften, 1,4 m langen und 32 cm breiten Fräsroboter HF200 ein. An den Einstiegsschächten wird der Roboter in die Wasserleitung abgesenkt, dann kann er sich bis zu 80 Meter weit nach vorn bewegen und die Arbeit ausführen.

Feinfühlig gesteuert wird er im Materialwagen von Werner Umbricht, Leiter des Roboterbereiches, wobei Rücksicht zu nehmen ist auf den Erhalt der alten Bausubstanz. Je nach Material, das zu entfernen ist, setzt er dem Roboter einen Fräskopf oder eine Drahtbürste auf. Das zur Entsorgung anfallende Material wird mittels einer Wasserpumpe ins Freie befördert. «Wir sind mit dem bisherigen Erfolg sehr zufrieden, auch wenn man nur langsam vorankommt», so Umbricht zur az. Innerhalb der ersten drei Tage sind 10 Meter gereinigt worden.

Grosser Wasserverlust

Die Sanierung der Wasserleitung ist dringend nötig, wie Jürgen Trumm, Leiter Ausgrabungen Vindonissa bei der Kantonsarchäologie, erläutert. Zwischen 400'000 und 600'000 Liter Wasser strömen täglich in die Leitung hinein, doch rund die Hälfte davon geht unterwegs verloren, versickert oder entweicht aus dem Schacht an der und auf die Bergstrasse. In diesem Gebiet und an der Chapfstrasse sind die vor allem durch Wurzeln und Schlamm entstandenen Verengungen, welche den Durchfluss hemmen und versperren, besonders gross.

Bereits im vergangenen Jahr ist die Leitung mittels Kanalfernsehen untersucht worden, sodass man ein klares Schadenbild erhielt. Dankbar ist die Kantonsarchäologie, dass die Arbeiten auch auf privaten Grundstücken ausgeführt werden können aufgrund des Entgegenkommens der Eigentümer.

Erstmals wird für die Kanalreinigung ein Roboter eingesetzt. Geplant ist, nach der Auswertung der ersten Arbeitswoche weitere Abschnitte zu sanieren. Die letzte Reinigung war im Gebiet Oberburg um 1935 durchgeführt worden. Eine umfassende Sanierung hatte der Königsfelder Hofmeister Emanuel Tscharner 1755 ausgeführt.

Unterschutzstellung angestrebt

Die jetzigen Sanierungsmassnahmen wurden dank Sonderbeiträgen von Bund und Kanton möglich. In ersten Schritten erfolgten die Bestandesaufnahme, Kartierung und Untersuchung der Leitung mit baulicher Sanierung von zwei Einstiegsschächten und Einbau von zwei Wassermessstellen. «Wir haben im Rahmen dieses Projektes schon viel erreicht. Als Nächstes wird ein Schutz- und Pflegekonzept erarbeitet, denn das einzigartige Bauwerk – die einzige noch immer Wasser führende Römerleitung nördlich der Alpen – steht noch immer nicht unter Schutz», so Trumm.

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