Brugg

Rita Nussbaumer: «Ich lernte einen Sackgass-Beruf»

Rita Nussbaumer fühlt sich mit ihrer Praxis Meridiana wohl im Gesundheitszentrum. Von da hat sie einen tollen Ausblick auf den Bruggerberg.

Rita Nussbaumer, Praxis Meridiana

Rita Nussbaumer fühlt sich mit ihrer Praxis Meridiana wohl im Gesundheitszentrum. Von da hat sie einen tollen Ausblick auf den Bruggerberg.

Komplementär-Therapeutin Rita Nussbaumer sagt, wie sie seit 30 Jahren ihrer Berufung folgt und mit Schicksalsschlägen umgegangen ist.

Das Gleichgewicht zu finden, ist für Rita Nussbaumer zentral. Das zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der 56-jährigen Komplementär-Therapeutin. Immer wieder gilt es, die gesunde Balance zwischen Körper und Seele oder zwischen Arbeit und Freizeit aufs Neue auszuloten.

Es ist deshalb auch konsequent, dass Nussbaumer das 30-Jahr-Jubiläum ihrer Praxis im Brugger Gesundheitszentrum am 21. März feiert, wenn Tag und Nacht im Gleichgewicht sind.

Von der Praxis Meridiana im dritten Stock des Gesundheitszentrums ist der Blick frei auf den Bruggerberg. Neben dem Fenster steht der Stamm einer Korkeiche wie eine Skulptur. An zwei Wänden hängen Bilder. Ein Foto zeigt mehrere Mütter mit ihren Kindern, die auf einer Bank sitzend vor einer Buschklinik in Kenia warten. Es ist der Ort, an dem Nussbaumer vor sieben Jahren einen Freiwilligeneinsatz geleistet hat. Das zweite Bild ist ein von der Therapeutin selbst gemaltes, das in seiner Abstraktheit und Farbgebung gut zur ockerfarbenen Wand passt.

Die Ausbildung geheim gehalten

«Ich lernte einen Sackgass-Beruf», beginnt Nussbaumer am weissen Besprechungstisch zu erzählen. Der Beruf der medizinischen Praxisassistentin fand sie zwar vielseitig, aber er bot ihr keine Entwicklungsperspektive. Für die gebürtige Luzernerin, die im Alter von fünf Jahren mit den Eltern und den beiden älteren Geschwistern nach Brugg kam, war deshalb nach der Lehre schnell klar, dass sie ihren beruflichen Horizont erweitern will.

Als sie eine Schule für medizinische Massage in Zürich absolvierte, behielt sie das für sich. Massagen hatten etwas Anrüchiges und Nussbaumer wollte sich nicht von ihrem Weg abbringen lassen. «Meine Eltern habe ich erst informiert, als ich ihnen das Diplom vorlegen konnte. Sie waren danach meine ersten Kunden», fährt Nussbaumer fort. Schrittweise baute sie sich einen Kundenstamm auf und reduzierte ihr Pensum als Arztgehilfin, wie der Beruf damals noch hiess. Daneben liess sie sich zur Heilpraktikerin ausbilden.

Im Alter von 26 Jahren bot sich Rita Nussbaumer die Gelegenheit, zusammen mit ihrem Geschäftspartner Theo Vogel am Hafnerweg 8 eine Praxis zu übernehmen. «Eigentlich war ich damals für den Schritt in die Selbstständigkeit noch zu jung, aber ich wollte diese Chance auf keinen Fall verpassen.» Den beiden war von Anfang an klar, dass sie auf mehrere Standbeine setzen mussten, um davon leben zu können. Neben den Behandlungen bauten sie ein Kurszentrum sowie einen Versandhandel für ätherische Öle auf.

Tod des Geschäftspartners

Theo Vogel war 28 Jahre älter als Rita Nussbaumer und so etwas wie ein Seelenverwandter. «Wir hatten eine gemeinsame Vision und haben uns im Alltag super ergänzt. Nachdem wir von einem Verlag angefragt wurden, haben wir ein Buch über Aromatherapie, die ‹Duftfibel›, herausgegeben.» Zweimal ist das Duo im Schweizer Fernsehen aufgetreten. In der Sendung «Hobbythek» haben sie über ätherische Öle Auskunft gegeben.

«Mein Leben war perfekt», fasst Nussbaumer die damalige Situation zusammen. Doch nach sieben Jahren gemeinsamer Geschäftstätigkeit verstarb Theo Vogel im Februar 1996 völlig überraschen an einer Lungenentzündung.

Das war ein schwerer Schicksalsschlag für Rita Nussbaumer. Ihre Tochter war erst einjährig. Der Mietvertrag für die Praxis, die sich inzwischen an der Schöneggstrasse befand, lief weiter und ihre Kunden wollte sie nicht im Stich lassen. Rückblickend kann sie sich gar nicht mehr richtig erklären, wie sie das alles geschafft hat. Die Freiberuflerin überlegte sich auch, ob sie sich wieder in einer Arztpraxis anstellen lassen soll. «Doch ich hatte so viel in meine Praxis investiert, einen Kundenkreis aufgebaut und gelernt, viel Verantwortung zu tragen. Kurz: Ich war meiner Berufung gefolgt», erzählt die Heilpraktikerin. Wie immer bei wichtigen Schritten im Leben, werden diese mit einem Ritual bekräftigt, damit das Ereignis bewusst wahrgenommen wird. Schliesslich sei ihr Vorname im Wort «Ritual» enthalten, hält sie schmunzelnd fest.

Allmählich kam Nussbaumer wieder zu Kräften. Ab 1997 baute sie sich ein weiteres Standbein auf und war als Dozentin für Klassische Massage und als Wellness-Trainerin an der Migros Klubschule in Zürich tätig. Später kam ihr Sohn zur Welt.Einen weiteren Schicksalsschlag musste die zweifache Mutter verkraften, als es vor sieben Jahren zur Scheidung kam.

Optionen für Nachfolgeregelung

Dass Nussbaumer die Praxis Meridiana nach 30 Jahren am mittlerweile fünften Standort nach wie vor betreiben kann, ist für die Inhaberin ein Grund zum Feiern. «Ich bin stolz auf mich.» Inzwischen hat sie Angestellte, die gewisse Tage sowie die Ferienvertretungen übernehmen. Auch Tochter Rahel ist in diesem Metier tätig und hilft ihrer Mutter aus. «Das ermöglicht mir, unbeschwert zu verreisen», sagt Nussbaumer, die erst vor kurzem von einem zweimonatigen Chile-Aufenthalt zurückgekommen ist.

Die 56-Jährige hat sich immer wieder eine Auszeit genommen oder sich im Ausland weitergebildet: «Die persönliche Entwicklung ist meiner Meinung nach ebenso wichtig wie die fachliche. Das Schöne am Älterwerden ist, dass man abgeklärter ist.» Wie lange sie ihre Praxis noch weiterführen wird, weiss Nussbaumer nicht. Für die Nachfolgeregelung bestehen jedenfalls Optionen.

In den nächsten Jahren will sie sich noch vermehrt einer neuen Richtung widmen. «Ich habe eine neue Ausbildung für mich gefunden, welche mich überzeugt», erzählt die Therapeutin begeistert. Beim Wingwave gehe es um ein hoch wirksames Emotions- und Leistungscoaching. Stressende Gedanken, unangenehme Erinnerungen und blockierende Emotionen können bearbeitet und verändert werden.

Diese Methode basiere auf den neuesten Erkenntnissen der Gehirnforschung. Nussbaumer glaubt «an die Möglichkeiten, die wir noch nicht kennen». Sie ermuntert Leute in ihrem Umfeld, achtsam durch das Leben zu gehen, um eine gute Gesundheit aufrechtzuerhalten und das persönliche Gleichgewicht zu finden.

Jubiläumsanlass Donnerstag, 21. März, ab 17 Uhr im Haus der Medizin, Fröhlichstrasse 5, Brugg. Der Apéro mit Vernissage wird mit Panflötenklängen von Petra Hilfiker umrahmt.

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