Brugg
Rinikersteig saniert: Steine können sich jetzt nicht mehr lösen

Am Rinikersteig in Brugg ist die Trockensteinmauer saniert worden. Einsturzgefährdete Abschnitte wurden neu aufgebaut.

Michael Hunziker
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Die Trockensteinmauer ist wieder stabil, die Strasse wieder sicher.zvg

Die Trockensteinmauer ist wieder stabil, die Strasse wieder sicher.zvg

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Mehr Sicherheit für Fussgänger und Velofahrer, mehr Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten: Am Rinikersteig in Brugg ist die Trockensteinmauer erneuert worden. Projektleiter Philipp Schuppli von der creaNatira GmbH aus Aarau spricht von einer ungewöhnlichen Sanierung, da nicht die ganze Mauer auf einmal neu aufgebaut wurde, sondern nur bestimmte Abschnitte, die einsturzgefährdet waren.

Die alte Trockensteinmauer entlang der steilen Quartierstrasse geriet immer mehr in Schräglage, in jüngster Vergangenheit haben sich einzelne Steine gelöst. Der Grund: Der Bruggerberg drückte, eine sogenannte Hintermauerung für Stabilität und Halt fehlte, das Sickerwasser konnte nur ungenügend abgeleitet werden.

Schlingnatter versteckt sich

Bei der Sanierung wurden nun die schwächsten Stellen berücksichtigt. Die Mauer erhielt eine geschichtete Hintermauerung sowie einen hangseitigen Anzug. «Damit können sich keine Steine mehr lösen, und die Mauer übernimmt wieder ihre Funktion als traditionelle Stützmauer sowie als Lebensraum für wärmebedürftige Pflanzen- und Tierarten», führt Projektleiter Schuppli aus.

Der Bruggerberg, fügt er an, gehört zu den letzten Rückzugsgebieten der im Mittelland und Jura sehr selten gewordenen Schlingnatter. «Diese absolut harmlose kleine Schlange versteckt sich gerne in den tiefen Spalten von Trockensteinmauern.» Beim Abbau habe entsprechend vorsichtig vorgegangen werden müssen, damit die Tiere vor den heranrückenden Arbeitern fliehen konnten.

«Ökologisch gesehen ist es bedeutsam, dass wir für die neue Mauer auch Steine der alten Mauer wiederverwenden konnten», fährt Schuppli fort. «Dies ist für Flechten, Moose und weitere unscheinbare Mauerbewohner von grossem Wert.» Denn alte Steine, so der Projektleiter, beherbergen oft einen ganzen Mikrokosmos für Kleinstlebewesen. «Mit der Wiederverwendung von einem Teil der Frontsteine können sich diese Pflanzen und Kleinstlebewesen rascher wieder über die neuen Steine ausbreiten.»

Die Bauarbeiten wurden ab letztem November in gestaffelte Einsätze unterteilt, konnten so kurz wie möglich gehalten werden und verliefen ohne Zwischenfall, fasst Schuppli zusammen. Eine besondere Herausforderung sei es gewesen, während der Bauphase die Sicherheit sowohl für die Arbeiter als auch die Velofahrer – die auf der Rinikerstrasse teilweise in hohem Tempo unterwegs sind – zu gewährleisten. Um Schwierigkeiten zu vermeiden, seien die Anwohner laufend über die Eingriffe informiert worden.

Sämtliche Tätigkeiten an der Trockensteinmauer – die historische Länge dürfte vermutlich rund 125 Meter betragen – sowie im angrenzenden Wald am Rinikersteig erfolgten im Rahmen eines Projekts zur Aufwertung und Vernetzung der trockenwarmen, steilen Weiden am Bruggerberg. Finanziert werden die Aufwertungen vom Bundesamt für Umwelt, von der Stadt Brugg sowie durch private Spender im Rahmen eines Crowdfundings. Hinzu kommen Eigenleistungen vonseiten Pro Natura Aargau.

Die Arbeiten sind nicht zu Ende

Die Sanierung der Mauer erfolgte äusserst kosteneffizient und wurde mit einem Budget von rund 18 000 Franken ausgeführt, stellt Schuppli fest. Im Einsatz standen auch Zivildienstleistende. Weitere Massnahmen wie die Planung, das Auflichten von Waldrand und Hecke, das Aufschichten von Kleinstrukturen sowie das Erstellen von Steinlinsen in der Umgebung kosteten noch einmal 22'000 Franken.

Die Tätigkeiten am Bruggerberg sind noch nicht abgeschlossen, bis Ende Jahr werden insgesamt rund 60'000 Franken in den Erhalt und die verbesserte Vernetzung dieser Lebensräume investiert, führt der Projektleiter aus. Anders ausgedrückt: Pro Natura bleibe aktiv. Die im Rahmen des Gesamtprojekts wichtige Nachpflege und Beweidung dieser Flächen seien weitere laufende Eigenleistungen. «Unser Ziel ist die Sicherung und Aufwertung dieser letzten Refugien für heute selten gewordene Tier- und Pflanzenarten», sagt Schuppli. «Mit der Stadt Brugg haben wir hierfür eine wichtige Partnerin, die ihre Verantwortung wahrnimmt.»

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