Als der Chauffeur an jenem Freitag im April 2015 den Beton auf der Baustelle an der Fröhlichstrasse in Brugg abgeladen hatte und wieder losfuhr, kam es zum tragischen Unfall. Ein 81-jähriger Mann, der im gleichen Moment mit seinem Rollator an der Vorderseite des Lastwagens vorbeilief, wurde erfasst und kam ums Leben. Der Fahrer, der als zuverlässig und vorsichtig galt und davor noch nie in einen Unfall verwickelt gewesen war, getraute sich danach ein halbes Jahr nicht mehr ans Steuer, wie am Prozess im Juni 2016 bekannt geworden war.

Vor dem Bezirksgericht Brugg musste sich der Italiener verantworten, weil ihn die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung angeklagt hatte. Doch der Chauffeur wurde freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft zog den Entscheid weiter und bekam Recht: Wegen fahrlässiger Tötung verurteilte das Aargauer Obergericht den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu 80 Franken. Dieses Urteil wollte wiederum der Lastwagenfahrer nicht akzeptieren, weshalb sich in letzter Instanz das Bundesgericht in Lausanne mit dem Unfall zu befassen hatte.

Fahrer fordert Freispruch

Er sei von Schuld und Strafe freizusprechen, verlangte der Chauffeur und begründete seine Forderung unter anderem damit, dass der Unfall für ihn weder vorhersehbar noch vermeidbar gewesen sei. Den Vorwurf, er habe sich sorgfaltswidrig verhalten, weist er zurück. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten habe er nicht damit rechnen müsse, dass sich unmittelbar vor seinen Lastwagen mit laufendem Motor eine Person befinde. Ausserdem kritisiert der Beschuldigte, die Aussagen des einzigen Zeugen seien nicht berücksichtigt worden. Ein Kranführer hatte ausgesagt, das Opfer sei rechts auf Höhe der Scheinwerfer im toten Winkel erfasst worden. Eine Einschätzung, die von den Bundesrichtern nicht geteilt wird. Sie verweisen auf den Front- und Rampenspiegel, mit dessen Hilfe der Bereich vor der Führerkabine vollumfänglich einsehbar sei.

Ausserdem habe der 81-Jährige, der sich mithilfe eines Rollators fortbewegt habe, nicht plötzlich und überraschend vor dem Lastwagen auftauchen können. Oder anders gesagt: Der Fussgänger hätte vom Chauffeur rechtzeitig bemerkt werden können. «Ob der Beschwerdeführer nicht in die Spiegel geschaut oder den Verstorbenen trotz Spiegelkontrolle schlichtweg übersehen hat, ist im Hinblick auf den Tatbestand der fahrlässigen Tötung nicht entscheidend», halten die Bundesrichter im am Freitag veröffentlichten Urteil fest und bestätigen den Entscheid des Obergerichts im Hauptpunkt.

Erfolgreich mit seiner Beschwerde war der Beschuldigte hingegen in Bezug auf die Höhe der ausgesprochenen Geldstrafe. Konkret kritisierte er, die Tagessätze seien mit 80 Franken zu hoch. Die Beträge, die sich zwischen 30 und 3000 Franken bewegen können, bemessen sich anhand der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der verurteilten Person. Neben Vermögen und Einkommen ist auch die familiäre Situation ein Faktor bei der Berechnung. Und hier ist ein Fehler passiert: Statt von drei Kindern ging das Obergericht nur von einem Kind aus. Die Bundesrichter heissen die Beschwerde in dieser Hinsicht gut, die Höhe der Geldstrafe muss von der Vorinstanz nochmals neu berechnet werden. Am Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung ändert sich dadurch allerdings nichts.

Bundesgerichtsurteil 6B_1429/2017 vom 21. Dezember 2018