Brugg

Reinigungsfirmen sind gefordert

Desinfektionsaufträge nehmen in der Krise zu.

Desinfektionsaufträge nehmen in der Krise zu.

Dank Zusatzaufträgen können sich Unternehmen aus den Regionen Brugg und Freiamt über Wasser halten.

Wer dachte, Reinigungsfirmen hätten während der Corona­krise alle Hände voll zu tun, der irrt. Insbesondere Firmen, die sich auf die Reinigung von Privathaushalten spezialisiert haben, verzeichnen deutliche Einbussen. «Etwa 60 Prozent der Aufträge wurden bis auf weiteres storniert», sagt Ricardo de ­Sousa von Sousa-Reinigung in Dottikon. Hauptgründe seien Kunden, die selber zu einer Risikogruppe gehören, sich in Qua­rantäne befinden oder sich in der aktuellen Situation unwohl dabei fühlen, fremde Menschen in die Wohnung zu lassen.

Auch viele Kosmetikstudios und Therapiepraxen hätten ihre Aufträge storniert. Lediglich im Bereich Bau-, Büro- und Industriereinigung konnten aufgrund der Pandemie mehr Aufträge generiert werden. Dies reicht allerdings nicht aus, um die entstandene Lücke zu decken. Der Kundenstamm der Sousa-Reinigung besteht zur Hälfte aus Firmen- und Privatkunden.

Mauro Salmini, Geschäftsführer der Brugger Salmini-Reinigung, bestätigt diesen Trend «Wir haben viel weniger Aufträge. Vor allem ältere Kunden sagen ab. Neukunden melden sich gar nicht.» Die Auslastung liege noch bei 50 bis 60 Prozent. Etwas entspannter sieht die Lage bei der Rohr AG in Hausen aus. «Unsere Hauptkunden sind Geschäftskunden, die weiterhin unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen», sagt Geschäftsführer Christoph Ackermann.

Dank Desinfektionsaufträgen können einige Unternehmen Einbussen in anderen Bereichen teilweise kompensieren. «Wir haben Aufträge für Interventionsdesinfektionen erhalten. Diese werden durchgeführt, nachdem positiv getestete Menschen in den Räumlichkeiten waren. Punktuell erhöhen wir auch die Reinigungsfrequenz und desinfizieren präventiv alle Griffstellen», sagt Ackermann.

Auch Ricardo de Sousa hat Zusatzaufträge, insbesondere Desinfektionen von Waschstellen auf Baustellen sowie in Büro- und Industriegebäuden. Biland Services in Birmenstorf hat zusätzlich das Amtshaus der Stadt Baden zur Desinfektionsreinigung erhalten.

Massnahmen schützen Mitarbeiter und Kunden

«Unser höchstes Anliegen ist der Schutz der Mitarbeiter und dadurch der Kunden», sagt Christoph Ackermann. Nebst den vom BAG definierten Hygiene- und Abstandsregeln führte die Rohr AG zusätzliche Massnahmen ein. So fahren Mitar­beiter jetzt mit mehreren Geschäftsautos zu Kunden. Auch die Sousa-Reinigung hat rea­giert: «Wir haben unsere Teams stark verkleinert. Bei Symptomen kann so gezielt das einzelne Team in Quarantäne gehen.» Auf Kundenkontakt wird möglichst verzichtet. Zur Beschaffung von Desinfektionsmitteln sagt Ackermann von der Rohr AG, dass sie derzeit sehr anspruchsvoll und volatil im Bezug auf Mengen und Preise sei.

Um Kurzarbeit zu vermeiden, wird versucht, das Personal in anderen Bereichen einzusetzen. «Wir können nur mit Kurzarbeit überleben», sagt Mauro Salmini. Wie die sich die Zukunft für die Reinigungsbranche aussieht, kann derzeit niemand sagen. «Wir sind jedoch zuversichtlich, dass wir gerade wegen der gesteigerten Nachfrage nach Desinfektionen die Ausfälle teilweise innerhalb unseres Betriebes ausgleichen können», sagt Christoph Ackermann. Ricardo de Sousa fügt an: «Im Vergleich mit anderen Branchen stehen wir noch gut da, aber sollte es bis Ende Jahr oder noch länger gehen, wären wir gezwungen Stellen abzubauen.»

Die Krise biete aber auch Vorteile. «Gezwungenermassen befassen wir uns jetzt mit Themen der Digitalisierung. Dadurch wandelt sich die Unternehmenskultur in eine positive Richtung», sagt Ackermann. «Unsere Tätigkeit wird ernster genommen und das Thema Hygiene bekommt einen neuen Stellenwert», sagt de Sousa.

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