Brugg

Reihe «Philosophie-Erlebnisse» startet erfolgreich

Malu Strauss (rechts) diskutiert mit Teilnehmerinnen in der Stadtkirche Brugg über das Schenken.

Malu Strauss (rechts) diskutiert mit Teilnehmerinnen in der Stadtkirche Brugg über das Schenken.

Malu Strauss bringt in ihrem ausgebuchten Stadtrundgang den Menschen die Philosophie des Schenkens näher.

Rund zwanzig Menschen versammelten sich am Donnerstagabend in Brugg, um über das Schenken zu philosophieren. Der Anlass war ein philosophischer Stadtrundgang, organisiert von Malu Strauss. Es ist die erste Veranstaltung ihrer Reihe «Philosophie-Erlebnisse». Die Erlebnis-Exkursionen haben den Zweck, den Menschen die Philosophie alltagstauglich näherzubringen. Als ehemalige Gymnasiallehrerin weiss Malu Strauss gut, wie sie Wissen vermitteln und motivieren kann.

Philosophie ist ein alltäglich nützbares Werkzeug

In zwei Etappen werden an diesem Abend die philosophischen, aber auch die alltäglichen Tätigkeiten im Brauchtum des Schenkens aufgezeigt. Als alltäglich nutzbares Werkzeug nimmt die Philosophie einen zentralen Standpunkt ein in Malu Strauss’ Motivation. Die Philosophie aus dem Elfenbeinturm zu führen, ist ihr Ansporn. Deshalb gründete sie ihre Reihe «Philosophie-Erlebnisse».

«Man muss der Philosophie mehr Raum bieten», etwas so Essenzielles sollte nicht nur ein Nischendasein leben, meint sie. Mit Philosophie-Erlebnisse verleiht sie der Philosophie eine zweite Bühne, neben dem Schulzimmer oder dem Vorlesungssaal.

«So eine Bescherung! Die heutige Exkursion ist ausgebucht», teilte sie zu Beginn mit. Vor der Postfiliale Brugg wurden den Teilnehmern kleine Christbaumkugeln mit Fragen zum Thema Schenken verteilt. Sie sollten zum Denken und später auch zum Diskutieren anregen.

Ein Geschenk ist nie uneigennützig

In der Post ging man der Frage nach, wie ein Brief vom Briefkasten aus das Verteilzentrum der Post erreichte. Tanja Hartmann, Detailhandelsfachfrau bei der Post Brugg, übernahm für diesen Abschnitt der Tour den Lead und geleitete die Gruppe in die – für die Öffentlichkeit verschlossenen – Räume der Post. Sie erzählte vom zunehmenden Paketversand, der sich besonders am Black Friday und in der Adventszeit zuspitzt. Doch auch die abnehmende Zahl der verschickten Briefe erlebt in der Adventszeit ein kurzes Hoch. Ein Grossteil der Pakete und Briefe dürfte auch als Geschenk gemeint sein.

Geschenke können viele Formen und Typen einnehmen. Eine Form ist beispielsweise ein Büchergutschein. Anhand von diesem Beispiel erzählte Malu Strauss von verschiedensten philosophischen Gedanken über das Brauchtum des Schenkens. So zeigt zum Beispiel die Art des Geschenks die Beziehung zwischen zwei Menschen auf. Gewisse Menschen freuen sich darüber, andere stören sich daran. Sie erklärte, mit dem Schenken wollten die Menschen immer etwas erreichen. Es sei nie uneigennützig. Schenken ohne Gegenerwarten, das sei eine unmögliche Möglichkeit.

Malu Strauss erzählte ohne grossen intellektuellen Kauderwelsch, sondern gezielt gut verständlich, auch für Menschen, die sich sonst nicht gross mit Philosophie auseinandersetzen.

Nach der Exkursion in die Post übernahm Rolf Zaugg das Zepter. Der Pfarrer ging der Gruppe voran zur zweiten Etappe an diesem Abend: die reformierte Stadtkirche Brugg und deren Chor.

Eine wertvolle Diskussion nahm ihren Lauf

Im Kirchenchor waren Stühle kreisförmig aufgestellt, so sass jeder auf Augenhöhe der anderen. Rolf Zaugg blickte auf die Vergangenheit kirchlicher Brauchtümer zurück und erkannte darin vielfach das Schenken: Beispielsweise symbolisiert der Adventskranz das Schenken von Licht. Er sprach auch die traditionelle Brugger Weihnachtsfeier an, wo Spenden gesammelt werden und dann als Geschenk an Kinder aus armen Verhältnissen gehen.

Abschliessend diskutierte die Runde, angeregt durch die interessanten Inputs aus der Post und der Stadtkirche, über ihr Verhältnis zum Schenken und über sinnvolle Geschenke. Fragen wurden auf- und wieder verworfen; die Diskussion entwickelte sich fortwährend weiter. Ein wertvolles philosophisches Gespräch nahm seinen Lauf. Die Veranstaltung endete mit einem Geschenk an ein Kinderheim. Malu Strauss sammelte unter den Teilnehmenden eine Kollekte.

Im nächsten Jahr geht es ins Hospiz und zu den Vögeln

Wer in Zukunft selber mit Malu Strauss in die Tiefen der Philosophie eintauchen will, der wird im Internet auf «warum.space» verschiedene Veranstaltungen finden. Ihr Kursblock an der Volkshochschule im ersten Quartal 2020 wäre zum Beispiel eine Möglichkeit. Noch sind freie Plätze verfügbar.

Oder die nächsten Veranstaltungen von Philoso- ­phie-Erlebnisse im PSI, im Brugger Hospiz oder auf einem philo­sophisch-ornithologischen Spazier­gang in Riniken. Diese Anlässe finden auch 2020 statt.

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