Brugg

Regionalpolizei-Chef über häusliche Gewalt: «Die Menschen melden sich eher bei der Polizei als früher»

Andreas Lüscher ist Chef der Regionalpolizei Brugg.

Andreas Lüscher ist Chef der Regionalpolizei Brugg.

Andreas Lüscher, Chef der Regionalpolizei Brugg, schaut zurück auf ein herausforderndes Jahr und sagt, was sein Korps beschäftigte.

Argovia-Fäscht, slowUp und Convoy to Remember, Jugendfest Brugg und als Tüpfelchen obendrauf das Stadtfest Brugg an zwei Wochenenden: Die Regionalpolizei (Repol) Brugg hat ein herausforderndes Jahr hinter sich, zumal sie bis Mitte Jahr mit weniger Mitarbeitenden zurechtkommen musste. An der Medienkonferenz am Montag erklärte Repol-Chef Andreas Lüscher, was sein Korps in den vergangenen Monaten beschäftigt hat und worauf die Repol im angelaufenen Jahr ein besonderes Augenmerk richten will.

Stetig steigende Fallzahlen gibt es im Bereich häuslicher Gewalt. 107 Fälle waren es im Jahr 2018, im Jahr 2019 waren es 144. Auffällig: In der Stadt Brugg stieg die Zahl der Fälle von 21 auf 44, in Windisch blieb sie stabil bei 31 Fällen, in Birr stieg die Anzahl von 13 auf 15 und in Hausen von 5 auf 12. «Kriselt es in einer Familie oder zwischen einem Paar, dann müssen wir häufig mehrmals ausrücken», erklärte Lüscher. «Das wirkt sich dann entsprechend auf die Zahlen aus.» Dass diese in den letzten Jahren stetig gestiegen sind, habe auch damit zu tun, dass die Bevölkerung sensibilisiert und das Thema häusliche Gewalt enttabuisiert wurde. «Die Menschen schauen nicht mehr weg, sondern melden sich eher bei der Polizei als früher», sagte Lüscher. Das können gemäss dem Repol-Chef die Nachbarn sein, aber auch die betroffenen Personen selber.

Relativ stabil sind die Zahlen bezüglich Einbrüchen im Einzugsgebiet der Repol Brugg. Kantonsweit sinken diese sogar. Insgesamt verzeichnete die Repol Brugg im Jahr 2019 63 Einbrüche im Wohnbereich (2018: 58). Einbrüche in Geschäften oder anderen Bereichen gab es in 48 Fällen (2018: 47). Dass die Anzahl Fälle beispielsweise in der Stadt Brugg von 9 auf 16 stieg, habe damit zu tun, dass ein Einbrecher – wenn er in einem Quartier unterwegs ist – manchmal gleich an mehreren Orten einsteigt, erklärte Lüscher.

Insgesamt verzeichnete die Repol Brugg im Jahr 2019 442 Anzeigen nach Strafgesetzbuch (2018: 383). 390 davon konnten geklärt werden, wobei 260 Fälle vom Betreibungsamt kamen. Anzeigen im Bereich Nebengesetz – darunter fällt beispielsweise das Betäubungsmittelgesetz – wurden 250 getätigt (220).

Friedliches Stadtfest mit wenigen Wegweisungen

Der Repol-Chef hatte aber auch Erfreuliches zu berichten. So zeigte er sich glücklich über die «gute, kollegiale Zusammenarbeit» der Blaulichtorganisatoren am Stadtfest Brugg an zwei Wochenenden Ende August/Anfang September. Seine Mitarbeitenden seien während des Stadtfests und bei den Vorbereitungen gefordert gewesen. «Die Arbeitsbelastung und Präsenzzeit war sehr hoch», sagte er. «Trotzdem lieferten sie eine sehr gute Leistung bei grosser Motivation jedes Einzelnen ab.» Bewährt habe sich auch das Verschieben der Einsatzzentrale ins Kupperhaus.

Es dürfte dem Einsatz der Blaulichtorganisationen zu verdanken sein, dass das Stadtfest sehr friedlich und ohne grosse Probleme verlief – mal abgesehen von vereinzelten Pöbeleien unter Betrunkenen. «Insgesamt mussten zehn Wegweisungen vom Festgelände ausgesprochen werden», ergänzte Andreas ­Lüscher. Eine Person sei zudem mit einer grösseren Menge Betäubungsmittel erwischt worden. Auch diese wurde weggewiesen. Eingreifen musste die Polizei auch vor dem Konzert von Luca Hänni. Der Zugang zur Hofstatt musste zwischenzeitlich gesperrt werden, was für einigen Unmut bei den Fans sorgte. Lüscher bezeichnete das Stadtfest als «herausragendes Ereignis».

Während des Stadtfests Brugg befand sich die Einsatzzentrale der Regionalpolizei Brugg im Kupperhaus.

Während des Stadtfests Brugg befand sich die Einsatzzentrale der Regionalpolizei Brugg im Kupperhaus.

  

Ein belastender Einsatz für die Polizisten

Ein solches war auch – allerdings ein negatives – der Vorfall in der Neumarktpassage, als Mitte August ein Iraker seine vierjährige Tochter mehrmals auf den Boden schleuderte. Das Mädchen musste mit einem dreifachen Schädelbruch mit dem Helikopter ins Spital geflogen werden. «Solche Einsätze sind belastend für unsere Mitarbeitenden», sagte Andreas Lüscher.

Im Ausblick auf das Jahr 2020 kündigte der Repol-Chef an, dass sein Korps wieder verstärkt Präsenz zeigen will. ­Lüscher sprach dabei von «sichtbarer und spürbarer Präsenz». Das sei in einem eher ruhigeren Jahr ohne aussergewöhnliche Anlässe möglich. Weiter kündigte Lüscher an, dass die Repol Brugg per 1.April neu einen Aspiranten ins Korps aufnimmt. Im ersten Jahr wird dieser die Polizeischule in Hitzkirch besuchen, im zweiten Jahr folgt die zweite Ausbildungsphase mit der Arbeit in der Praxis.

Fünf Korps-Mitglieder wurden befördert

Zudem konnten per 1.Januar fünf Mitglieder befördert werden: René Schneider zum Wachtmeister, Lukas Peterhans zum Wachtmeister, Luzia Wehrli zum Wachtmeister mit besonderen Aufgaben, Patrick Dieng zum Korporal und Martin Frey zum Wachtmeister.

Die beförderten Polizisten (v.l.): René Schneider, Lukas Peterhans, Luzia Wehrli, Patrick Dieng, Martin Frey.

Beförderung

Die beförderten Polizisten (v.l.): René Schneider, Lukas Peterhans, Luzia Wehrli, Patrick Dieng, Martin Frey.

Insgesamt besuchten die Mitglieder der Repol Brugg – bestehend aus 22 Polizisten und 3 Verwaltungsmitarbeitenden – 200 Tage Weiterbildung, was ca. 9 Tagen pro Polizist ausmacht. Weitergebildet haben sie sich beispielsweise im Schiessen mit Pistole und Langwaffe, mit dem Boot auf dem Fluss, aber auch im Umgang mit psychisch auffälligen Personen, mit Fahrzeugen mit alternativen Antrieben oder im Bereich Ausweisfälschungen.

Insgesamt ist die Regionalpolizei Brugg für ein Gebiet mit 45962 Einwohnerinnen und Einwohnern in 17 Gemeinden zuständig.

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