Regionalkonferenz Jura Ost
Wohin mit den radioaktiven Abfällen? Die Oberflächeninfrastruktur für das Tiefenlager steht im Fokus

Die Regionalkonferenz Jura Ost will im Herbst die definitive Stellungnahme verabschieden zur Oberflächeninfrastruktur für ein geologisches Tiefenlager für die radioaktiven Abfälle.

Michael Hunziker
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So kann sich dereinst eine Nebenzugangsanlage für das Tiefenlager für die radioaktiven Abfälle präsentieren.

So kann sich dereinst eine Nebenzugangsanlage für das Tiefenlager für die radioaktiven Abfälle präsentieren.

Visualisierung: zvg/Nagra

Nicht nur was tief im Untergrund geschieht, interessiert. Zur Realisierung und zum Betrieb eines geologischen Tiefenlagers für die radioaktiven Abfälle gehört auch eine Infrastruktur über dem Boden: Oberflächenanlage, Nebenzugangsanlagen, Verpackungsanlage, Bauten für die Erschliessung sowie Ausbruchdeponien.

Intensiv mit dieser Oberflächeninfrastruktur beschäftigt sich seit einer geraumen Zeit die Regionalkonferenz Jura Ost, die als Partizipationsgremium die Interessen der Region vertritt im Sachplanverfahren geologisches Tiefenlager. An der Vollversammlung – diese hat am Donnerstagabend in Form einer Videokonferenz im Beisein von 76 Anwesenden stattgefunden – ist der aktuelle Stand der Stellungnahme erläutert worden.

Beste Bewertung, aber trotzdem kein «gut»

Peter Hirt und Reto Porta wiesen als Vertreter der entsprechenden Fachgruppe auf die bisherigen Arbeitsschritte hin, die im 2019 begannen mit der Genehmigung des Bewertungsinstruments sowie der Verabschiedung der Bewertungskriterien. Die provisorische Stellungnahme ist inzwischen überarbeitet und bereinigt worden.

Der Standort «Aare West» beim Paul Scherrer Institut und beim Park Innovaare in Villigen erhält für die Oberflächenanlage samt Verpackungsanlage für die radioaktiven Abfälle sowie in Kombination mit der Nebenzugangsanlage Schmidberg zwar die beste Bewertung, wird aber nicht als «gut» beurteilt. Gewisse Themen, ging aus den Ausführungen hervor, können auf Grundlage der vorliegenden Daten noch nicht abschliessend beurteilt werden.

Ziel ist es, die definitive Stellungnahme an der nächsten Vollversammlung der Regionalkonferenz Jura Ost am 16. September dieses Jahres zu verabschieden.

Hightech-Standort darf nicht beeinträchtigt werden

Lea Kiefer, Fachspezialistin Rohstoffe und Geologie beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt, stellte die Haltung der Aargauer Regierung vor. Der Regierungsrat wolle, daran habe sich nichts geändert, grundsätzlich kein Tiefenlager im Kanton Aargau, sei aber gewillt, im Findungsprozess konstruktiv mitzuarbeiten, hob sie hervor. Oberste Priorität für den Standortentscheid habe die höchstmögliche Sicherheit.

Nicht unterstützen könne der Regierungsrat Planungen und Tätigkeiten, die den Hightech-Standort beeinträchtigen oder dem Image schaden, fuhr Lea Kiefer fort. Die Stichworte lauten etwa Erschütterungen oder Flächenkonkurrenz mit dem Paul Scherrer Institut und dem Park Innovaare. Auch sei bei potenziellen Oberflächenstandorten, die über dem Grundwasser liegen, die Gefährdungssituation zu betrachten und zu minimieren. Ebenfalls erwähnte Lea Kiefer weitere mögliche Konflikte: Naturschutzgebiet, Fruchtfolgeflächen, Wildtierkorridor.

Bohrkeller vorbereitet für Langzeitbeobachtung

Meinert Rahn, Leiter Geologie beim Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi), erläuterte die Neuauflage der Richtlinien.

Olivier Moser, Projektleiter Regionale Partizipation bei der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), schilderte den aktuellen Stand der Tiefbohrungen, mit denen der Untergrund untersucht wird. Generell seien die Tätigkeiten auf Kurs, es könnten gute Gesteinsproben entnommen werden.

Am Standort «Bözberg 1» in der Nähe der Weiler Ursprung und Vierlinden wird derzeit der Bohrkeller für die Langzeitbeobachtung vorbereitet. Bis Anfang Dezember 2020 wurde gebohrt bis 1037 Meter. Die 120 Meter mächtige Opalinuston-Schicht befindet sich in einer Tiefe ab 530 Metern. Der Bohrplatz «Bözberg 2» unweit der Landwirtschaftsbetriebe Äbertsmatt und Riedacker sei inzwischen geräumt, so Moser. Gebohrt wurde bis Mitte Dezember 2020 bis 829 Meter. Der Opalinuston ist rund 120 Meter mächtig ab einer Tiefe von 450 Meter.

Alles in allem sind in den Standortregionen Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost neun Bohrungen vorgesehen.