Atommüll
Regionalkonferenz Jura Ost ist für Anlage in Villigen

Nun sind die Würfel gefallen: Die Mitglieder der Regionalkonferenz empfehlen das Areal in Villigen als bestgeeignet für eine Oberflächenanlage. Die Empfehlung aus regionaler Sicht ist an mehrere Bedingungen geknüpft.

Claudia Meier
Drucken
Teilen
Leo Grünenfelder, Vorsitzender der Fachgruppe Oberflächenanlagen, erläutert an der RegionalkonferenzJura Ost den Arbeitsprozess. CM

Leo Grünenfelder, Vorsitzender der Fachgruppe Oberflächenanlagen, erläutert an der RegionalkonferenzJura Ost den Arbeitsprozess. CM

Claudia Meier

«Es ist eine unserer Hauptaufgaben, hier Stellung zu nehmen», sagte Co-Präsident Ueli Müller am Donnerstagabend an der 8. Regionalkonferenz Jura Ost im Brugger Salzhaus. Es ging darum, den Schlussbericht «Bewertung der Standortarealvorschläge durch die Regionalkonferenz Jura Ost» definitiv zu verabschieden (die az berichtete). «Ein Ja zum Schlussbericht bedeutet nicht ein Ja zum geologischen Tiefenlager Jura Ost», stellte Müller klar.

Nach einer kurzen Diskussion wurde der Bericht mit 52 Ja zu 18 Nein bei 3 Enthaltungen gutgeheissen. Die Empfehlung aus regionaler Sicht lautet somit: Sollte das geologische Tiefenlager für radioaktive Abfälle im Bözberg gebaut werden, würde eine Oberflächenanlage am Standort JO-3+ auf dem Gemeindegebiet von Villigen am meisten Vorteile und am wenigsten Nachteile aufweisen.

Die Empfehlung ist an Bedingungen geknüpft: Erstens darf der Bau und der Betrieb der Oberflächenanlage am Standort JO-3+ die Forschungstätigkeit des Paul Scherer Instituts (PSI) «nicht in unzumutbarer Weise einschränken». Zweitens: Sollte sich der Standort im Laufe der weiteren Abklärungen aus sicherheits- oder bautechnischen Gründen doch als ungeeignet erweisen, will die Region Jura Ost – zu welchem Zeitpunkt auch immer – erneut konsultiert werden. Zudem werde die Nagra angehalten, bei den nachfolgenden Planungen zu prüfen, ob durch eine Zusammenarbeit mit dem Zwilag Synergien genutzt werden könnten, heisst es im Schlussbericht.

Es sei «grobfahrlässig den Schlussbericht anzunehmen, bevor nicht alle Fragen beantwortet sind», sagte ein Mitglied vor der Abstimmung. Ein Anderer kritisierte, dass die Bewertung kein signifikantes Resultat hervorbrachte. Alle sechs Standortvorschläge lägen auf einer Skala von 1 bis 4 mit Werten zwischen 2.9 und 3.2 sehr nahe beieinander.

Zwei Mitglieder des Vereins «Kein Atommüll im Bözberg» (Kaib) beantragten die Offenlegung der Interessenbindungen aller stimmberechtigten Mitglieder der Regionalkonferenz. «Wir sind diese Transparenz der Öffentlichkeit schuldig», sagte Kaib-Mitglied Rita Boeck. Die Konferenz sei kein politisches Organ lautete ein Argument dagegen. Der Antrag wurde schliesslich mit 39 Nein- zu 25 Ja-Stimmen bei 9 Enthaltungen abgelehnt.

Aktuelle Nachrichten