Region Brugg
Nach fast zwei Jahren Zwangspause: Ensemble Herbschtrose lockt mit einer neuen Komödie

Am Freitag feiert die Seniorentheatergruppe aus Windisch, Brugg und Umgebung mit dem Stück «wg-wahnsinn.ch» Premiere. Als Dienstälteste steht die 81-jährige Marlies Nauer auf der Bühne.

Maja Reznicek
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Evi (Doris Stahel) trifft im Stück unverhofft auf ihre Online-Liebelei Carlo (Beat Landis).

Evi (Doris Stahel) trifft im Stück unverhofft auf ihre Online-Liebelei Carlo (Beat Landis).

Maja Reznicek

Lilo, Evi und Franz sind nicht mehr ganz jung. Gemeinsam trotzen sie in ihrer Wohngemeinschaft den mehr oder weniger alltäglichen Problemen. Etwa, wie man dem Online-Chatpartner gephotoshopte Profilbilder erklärt oder dem reichen Onkel eine Ehefrau vorgaukelt, damit der einem nicht den Geldhahn abdreht. Doch dann schlägt das Glück in Form eines Lottogewinns bei der WG-Bewohnerschaft ein – und sorgt für so einiges Chaos.

Diese vielversprechende Storyline erweckte die Seniorentheatergruppe Herbschtrose bereits bei der Hauptprobe des Stücks «wg-wahnsinn.ch» mit vollem Einsatz zum Leben.

An der Hauptprobe der 75-minütigen Produktion sitzt schon fast jede Textstelle.

Maja Reznicek

Kein Wunder, gab Regisseurin Piera Wildi-Silvestri am Dienstag nur punktuell Inputs und sagte dann:

«Aber sonst, macht einfach alles wie immer.»

Die sechs Darstellenden des Vereins sind ein eingespieltes Team. Für Vereinspräsidentin und Schauspielerin Marlies Nauer ist es gar die 17. Saison in der Gruppe aus Windisch, Brugg und Umgebung. Seit 2005 ist die heute 81-Jährige Teil des Ensembles. Mit Souffleuse Agathe Wettstein – sie ist in der zweiten Saison bei der «Herbschtrose» dabei – wirkt die Dienstjüngste im Hintergrund mit.

Lilo (Marlies Nauer) schwärmt Franz (Stefan Hintermann) von ihrem «Verlobten» vor, dessen wahre Beweggründe sich später noch herausstellen werden.

Lilo (Marlies Nauer) schwärmt Franz (Stefan Hintermann) von ihrem «Verlobten» vor, dessen wahre Beweggründe sich später noch herausstellen werden.

Maja Reznicek

Seit drei Monaten probt die Gruppe nun als neuste Produktion das Lustspiel in einem Akt von Claudia Gysel.

Vorstellungen mit Maske waren keine Option

Am 7. Januar findet die offizielle Premiere der Komödie im katholischen Kirchgemeindehaus in Windisch statt. Es ist der erste öffentliche Auftritt der «Herbschtrose» nach fast zwei Jahren Zwangspause. Im Zuge des ersten Lockdowns im März 2020 musste die Theatergruppe die Vorführungen des Stücks «D Geischter vom Lindehof» abrupt abbrechen. Marlies Nauer erinnert sich:

«Zehn Spieldaten fielen weg. Nicht mal eine Dernière hatten wir.»

Auch in der Saison 2021 verzichtete das Ensemble auf Auftritte. Deshalb wird «wg-wahnsinn.ch» nun statt im letzten erst in diesem Jahr gezeigt. Bei den Proben für das Stück hätte es zum Glück kaum Einschränkungen durch die Pandemie gegeben. «Wir sind alle geimpft», sagt Nauer.

Nicht immer ist sich die WG-Bewohnerschaft ganz grün. Im Bild: Doris Stahel und Stefan Hintermann.

Nicht immer ist sich die WG-Bewohnerschaft ganz grün. Im Bild: Doris Stahel und Stefan Hintermann.

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Ganz beim Alten ist die Theatergruppe aber noch nicht angekommen: Eigentlich sei angedacht gewesen, die Premiere wie üblich im Windischer Alters- und Pflegezentrum Sanavita zu feiern. Hier hätte das Ensemble aber mit Mundschutz auftreten müssen. Für die Laiendarstellerinnen und -darsteller keine Option, wie die Vereinspräsidentin erklärt: «Durch die Maske geht die ganze Mimik verloren. Ausserdem ist es dann noch schwieriger, von der Bühne aus genug laut zu reden.»

Theater wird auch in Spreitenbach oder Baden aufgeführt

Das neue Stück der «Herbschtrose» wird überregional gezeigt. So tritt der Verein etwa nicht nur in Windisch, Mülligen oder Lupfig auf, sondern ebenfalls in Spreitenbach oder Baden. Laut Website der Theatergruppe kann man sich das Lustspiel an 21 Spieldaten ansehen.

Das sind etwas weniger als in anderen Jahren, wo es durchschnittlich 30 Vorstellungen waren. Marlies Nauer sagt jedoch:

«Der Eindruck täuscht. Insgesamt sind es in dieser Saison 32 Auftritte.»

Nicht jede Institution – die Gruppe spielt häufig für Altersheime oder Seniorentreffen – wünsche aber eine öffentliche Ausschreibung.

Onkel Hermann (Ernst Feller) unterstützt Franz finanziell (Stefan Hintermann, rechts).

Onkel Hermann (Ernst Feller) unterstützt Franz finanziell (Stefan Hintermann, rechts).

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Für die Zuschauerinnen und Zuschauer gelten an den Auftritten die offiziellen Regelungen des Bundesamts für Gesundheit. Eine Anmeldung im Vorfeld ist nicht nötig, da es keine Personenbegrenzung gibt, wie die Schauspielerin sagt. Der Eintritt ist kostenlos.

Gross Werbung für das Stück hätte der Verein noch nicht gemacht, da lange nicht klar gewesen sei, ob 2022 überhaupt wieder Auftritte möglich sind. Marlies Nauer fügt an: «Wir wissen also nicht, wie viele Besucherinnen und Besucher am Freitag kommen werden.» Für ein grosses Publikum bereit sei das Ensemble aber auf jeden Fall.

Theater «wg-wahnsinn.ch» Premiere: 7. Januar, 19.30 Uhr, kath. Kirchgemeindehaus in Windisch. Kollekte. Weitere Daten unter www.herbschtrose.ch.

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