Region Brugg
«Das sind Themen, die auf uns alle zukommen»: Die ehemalige Frau Vizeammann von Habsburg berät jetzt ältere Menschen

Seit Anfang März leitet Renate Trösch die Koordinationsstelle Alter im Brugger Neumarkt. Sie erzählt, was die grösste Herausforderung beim neuen Job für sie ist.

Maja Reznicek
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Renate Trösch übernahm am 3. März die Leitung der Koordinationsstelle Alter Region Brugg.

Renate Trösch übernahm am 3. März die Leitung der Koordinationsstelle Alter Region Brugg.

Bild: Sandra Ardizzone

Um etwas über ihre Hobbys zu erfahren, muss man bei Renate Trösch nicht lange fragen. Fotos von Schneelandschaften sowie Gletschern zieren die Wände ihres Büros im Neumarkt 1 genauso wie ein Bild zweier Westie-Hunde. Vor gut einem Monat trat die wander- und skibegeisterte 53-Jährige hier den Job als Leiterin der Koordinationsstelle Alter Region Brugg an. Sie habe sehr gut angefangen, erzählt die Habsburgerin, «aber wegen der Coronasituation etwas speziell».

Die Koordinationsstelle steht als Anlauf- und Beratungsstelle für Fragen rund um das Thema Alter zur Verfügung, und gibt so auch Auskunft über Kurse und Anlässe für die ältere Bevölkerung. Trösch sagt:

«Aktuell sind fast alle Veranstaltungen abgesagt. Gleichzeitig wollen viele Interessierte lieber für eine Beratung vorbeikommen und greifen weniger zum Telefonhörer.»

Deshalb sei es momentan ruhig. Dafür habe sie Zeit gehabt, sich Akten durchzusehen. Die grösste Herausforderung des neuen Jobs zeigte sich für Trösch bisher darin: «Die Stelle weiter bekannt zu machen, dass noch mehr Menschen davon profitieren können.»

2020 brachte einen Wandel für Trösch mit

Ihre berufliche Karriere begann Renate Trösch im Finanzbereich. Nach der Schnupperlehre bei einer Bank bekam sie eine Ausbildung angeboten. Die 53-Jährige sagt: «Ich wusste nicht genau, was ich wollte, aber das Schnuppern hat mir sehr gut gefallen und die Welt der Finanzen faszinierte mich.» Lange blieb sie der Branche treu. 2011 gründete Renate Trösch gemeinsam mit ihrem Mann die Trösch Hauswartungen GmbH, bei der sie bis heute noch etwa zehn Prozent mitwirkt.

Als ihre drei Kinder älter wurden – mittlerweile sind sie zwischen 22 und 28 Jahre alt –, blieb gemäss der Habsburgerin mehr Zeit für anderes. Es folgten eine langjährige Tätigkeit als Vizeammann von Habsburg, eine Mitarbeit bei der Regionalen Kommission für Altersfragen sowie eine Mitgliedschaft im Verwaltungsrat der Sanavita AG.

2020 brachte jedoch einen Wandel für Renate Trösch mit sich. Dieser sei nicht geplant gewesen, habe sich ergeben: Im Juni gab sie das Amt in Habsburg ab. Trösch sagt:

«Ich dachte, ‹isch guet jetzt›, und wollte Platz machen für jemand Neues.»

Wenige Monate später übernahm sie das Präsidium des Verwaltungsrats der Sanavita AG. Als Vorbereitung darauf schloss Trösch in diesem März das eidgenössische Nachdiplomstudium in Leadership & Management HF bei der Führungsakademie der Handelsschule KV Aarau ab. Und dann kam 2020 auch das Jobangebot als Leiterin der Koordinationsstelle Alter Region Brugg.

Bei der Sanavita AG, Windisch, kam es im September zu einem Führungswechsel: Renate Trösch löste Robert Kamer als Präsident des Verwaltungsrats ab.

Bei der Sanavita AG, Windisch, kam es im September zu einem Führungswechsel: Renate Trösch löste Robert Kamer als Präsident des Verwaltungsrats ab.

Bild: zvg
(1. September 2020)

Ihre Stelle hat zehn Prozent weniger inne als bei der Vorgängerin

An einem gemeinsamen Anlass fragte die Stellenleiterin der Pro Senectute Aargau, Yvonne Berglund, Renate Trösch an, ob sie nicht Interesse an dem Job in Brugg hätte. Trösch führt aus:

«Ich fand die Idee spannend. Lange standen bei mir die Zahlen im Vordergrund, bei dieser Stelle ist es aber der Mensch.»

Bereits im Gemeinderat setzte sie sich mit den Themen Alter und Gesundheitswesen auseinander, fand diese interessant. Abgesehen davon: «Ältere Leute geben so viel zurück.» Trotzdem habe sie zuerst nochmals «darüber schlafen» müssen.

Dorothée Birchmeier, ehemalige Leiterin der Koordinationsstelle Alter Region Brugg.

Dorothée Birchmeier, ehemalige Leiterin der Koordinationsstelle Alter Region Brugg.

Bild: Alex Spichale (20. Januar 2021)

Nun hat Renate Trösch die Leitungsstelle inne, an deren Schaffung sie selbst im Habsburger Gemeinderat beteiligt war. Sie fügt an: «Es ist spannend, nun auf der anderen Seite zu stehen.» Im Gegensatz zur Vorgängerin Dorothée Birchmeier wird Trösch statt 60 nur 50 Prozent vor Ort sein. Den Rest der Zeit übernimmt eine Mitarbeiterin der Pro Senectute.

Als ihre Hauptaufgabe bei der Koordinationsstelle Alter Region Brugg sieht Renate Trösch, älteren Menschen und deren Angehörigen einen Durchblick im «Dschungel der Angebote» zu geben. Auch Organisationen, Institutionen und Vereinen stehe sie mit Rat und Tat zur Seite. Momentan berät die 53-Jährige drei bis vier Personen pro Woche telefonisch. Sie erklärt:

«Manchmal ist mit dem Zuhören schon viel geholfen.»

Man müsse sich jedoch von den teilweise schweren Schicksalen abgrenzen können.

Diese Themen liegen ihr besonders am Herzen

Die nächsten Projekte der Koordinationsstelle kann Renate Trösch noch nicht genau definieren. Es sei vom weiteren Verlauf der Coronakrise abhängig und davon, was die ältere Bevölkerung dementsprechend benötige. Trösch sagt:

«Nach der Pandemie geht es sicher darum, dass wir die Leute wieder ‹rausholen› und die sozialen Kontakte wieder fördern.»

Nur wenige Veranstaltungen der verschiedenen Organisationen wie beispielsweise Bike-Touren können aktuell stattfinden, dafür sei die Nachfrage nach Unterstützung im Onlinebereich gross.

Renate Trösch, neue Leiterin der Koordinationsstelle Alter Region Brugg.

Renate Trösch, neue Leiterin der Koordinationsstelle Alter Region Brugg.

Bild: Sandra Ardizzone

Momentan fokussiert sich Trösch aber auf die Überarbeitung des Altersleitbilds in Zusammenarbeit mit den acht beteiligten Gemeinden Birr, Birrhard, Brugg, Habsburg, Hausen, Lupfig, Mülligen und Windisch. Ziel sei es, die Dienstleistung der Anlauf- und Beratungsstelle für die Bevölkerung ebenso wie für die Organisationen zu optimieren.

Thematisch gesehen, liegt der Habsburgerin in ihrer Funktion die Unterstützung pflegender Angehöriger, der Erhalt des sozialen Umfelds und das Wohnen im Alter (beispielsweise das selbstbestimmte Wohnen) am Herzen. Sie wisse durch ihre Arbeit bei der Sanavita AG, wie gut es Menschen in Pflegezentren haben können, verstehe gleichzeitig jedoch den Wunsch, in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Trösch erklärt:

«Das sind Themen, die auf uns alle zukommen. Und da macht man sich schon Gedanken für sich selbst und die eigene Zukunft.»

Fix geplant hat Renate Trösch ihre Zukunft aber noch nicht. Wenn die Pension einmal komme, wolle sie vor allem reisen und Neues entdecken.

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