Villigen
Regierungsrat Roland Brogli: «Wir machen ab und zu das Kalb»

Am 5. Martini-Treff in der Trotte dreht sich alles um das Thema Landwirtschaft. Rund 200 regionale Vertreter aus Wirtschaft und Politik liefern sich ein Stelldichein. Diskutiert wird über Pferde-Lasagna, weisse Socken und Direktzahlungen.

Claudia Meier (Text) und Michael Hunziker (Fotos)
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«Der Regierungsrat des Kantons Aargau steht zu seiner Landwirtschaft», sagt Landwirtschaftsdirektor Roland Brogli in der Trotte Villigen.

«Der Regierungsrat des Kantons Aargau steht zu seiner Landwirtschaft», sagt Landwirtschaftsdirektor Roland Brogli in der Trotte Villigen.

Michael Hunziker

«Wir stehen allen auf die Füsse», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, an der von David Kaufmann moderierten Podiumsdiskussion. Auf die Füsse stehen sich am 5. Martini-Treff ab und zu auch die über 200 geladenen Gäste in der Trotte Villigen. Das rustikale Ambiente und die naturbelassenen Wände passen zum diesjährigen Thema Landwirtschaft. Organisator und Leiter der KMU Region Brugg, Paul Stalder, ist selber ein Bauernsohn und übrigens nicht verwandt mit Sara Stalder.

Nicolas Senn sorgt am Hackbrett für die musikalische Umrahmung
10 Bilder
Podium mit Renzo Blumenthal, Sara Stalder, David Kaufmann, Roland Brogli und Markus Ritter
Renzo Blumenthal und Sara Stalder im Gespräch mit David Kaufmann
Regierungsrat Roland Brogli freut sich, dass die Gewerbetreibenden den Dialog mit der Landwirtschaft suchen
Organisator Paul Stalder von KMU Region Brugg begrüsst die Gäste
Hackbrettvirtuose Nicolas Senn in seinem Element
David Kaufmann nimmt Roland Brogli und Markus Ritter ins Kreuzverhör
Die Trotte Villigen bietet einen stimmungsvollen Rahmen für das Treffen
Aufmerksam lauschen die über 200 Gäste in der Trotte Villigen den Ausführungen der Podiumsteilnehmer
Das Image der Landwirtschaft sei top, sagt Bauernverbandspräsident Markus Ritter

Nicolas Senn sorgt am Hackbrett für die musikalische Umrahmung

Michael Hunziker

Der Martini-Treff ist ein Anlass, den sich die regionalen Vertreter aus Wirtschaft und Politik jeweils schon zu Jahresbeginn fett in der Agenda anstreichen. Gross ist deshalb die Vorfreude und lang der Abend.

Weisse Socken

«Ich trage heute Socken, die zum Aargau passen», sagt Hackbrettvirtuose Nicolas Senn aus Gais (AR) in seiner Begrüssung und spielt auf seine weissen Socken an. Das Thema Landwirtschaft betrifft alle. «Von Brugg aus haben wir unsere Image-Kampagne aufgezogen. Damit wollen wir Emotionen wecken», schwärmt Markus Ritter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbands mit Sitz in Brugg, in seinem breiten Ostschweizer Dialekt. Regierungsrat Roland Brogli gesteht später: «Wir machen ab und zu das Kalb. Im Regierungsrat kommt es auf die Zusammensetzung an. Auch zu Hause ist es oft lustig.»

Kein Blatt vor den Mund nimmt Moderator David Kaufmann und richtet seine Frage an Renzo Blumenthal: «Wohin bist du mit den Direktzahlungen in die Ferien gefahren?» Ferien sind für den ehemaligen Mister Schweiz zur Zeit ein Fremdwort. Grosse Sprünge seien dieses Jahr nicht möglich gewesen, kontert Blumenthal.

Galopp im Parlament

Die Diskussion dreht sich um Finanzen, Gesetze, die noch nicht optimale Zusammenarbeit mit dem Gewerbe und die Qualität der Lebensmittel. «Die Pferde-Lasagne-Geschichte hat beim Lebensmittelgesetz im Parlament einen Galopp ausgelöst», sagt Sara Stalder.

Nicht mit Fleisch sondern mit Gemüse war Gemeinderätin Heidi Ammon aus Windisch während eines Jahres in der Westschweiz beschäftigt: «Ich verkaufte jeweils am Mittwoch und Samstag Gemüse auf dem Markt in Lausanne.» Zu später Stunde geht der Sauerstoff in der Trotte langsam aus. Wie hat Regierungsrat Brogli auf dem Podium doch gesagt? «Wir haben eine so komplexe Gesellschaft, dass wir bald ersticken.»