Welch verführerischer Duft. Er steigt lieblich in die Nase, regt die Sinne an – das aber nicht etwa so, dass man gleich Bäume ausreissen will, sondern erst einmal verharren – am Frühstückstisch, bei frischen Gipfeli.

Wenn diese doch nur Flügel hätten und sich von selbst einstellen wollten. Das tun sie nie, es sei denn, es gibt einen solch patenten Service wie in Lupfig.

Dort wirken seit dem ersten Advent zehn Schülerinnen und Schüler der 4. Real als Heinzelmännchen in Sachen Gipfeli.

Konkret: Sie nehmen noch am 22. Dezember von 7.30 bis 12 Uhr Gipfeli-Bestellungen auf und liefern diese flugs ins Haus. Zu bekommen ist die ganze Palette, also Butter-, Laugen- und Vollkorngipfeli, wobei jedes Stück 1.30 Franken kostet.

Klassenkasse muss gefüllt werden

Frühaufstehen am Sonntag? Austragen zu Fuss, mit dem Velo oder dem Töffli? Weshalb tun sich das junge Menschen an, die bestimmt anderes im Sinn haben als dies alles?

Urs Fischer, Klassenlehrer der 4. Real Lupfig, lächelt verschmitzt: «Sie tun das, weil ihre Klassenkasse gefüllt sein möchte.»

Geld, unterstreicht Fischer, ist jedoch nur das Eine. Das Andere «ist ein sympathisches Produkt – und das Gipfeli ist grundsätzlich mit positiven Vorstellungen besetzt. Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt: Der Advent ist eine Zeit der Begegnung. Über das Gipfeli kommt es zu Begegnungen zwischen den Schülern und den Kunden.»

Urs Fischer erzählt von einer älteren Dame, die es sehr genossen habe, sich mit den jungen Menschen zu unterhalten.

«Kommt rein», habe sie gesagt und die Gipfeli-Überbringer für einen Schwatz in ihre Wohnung gebeten.

«Vielleicht hat sie sich einsam gefühlt und das Gespräch gesucht?», werweisst Urs Fischer. Wie auch immer, die Aktion kommt in Lupfig, Birr und Scherz – dorthin werden in der Regel zwischen 120 bis 250 Gipfeli geliefert – bestens an.

Die Bestellungen trudeln am Sonntag früh ein, was für jene, die Dienst haben, bedeutet: Wir müssen uns sputen.

Die angelieferten Gipfeli werden in der Hauswirtschaft der Schule, wo mehrere Backofen vorhanden sind, gebacken und danach sofort verteilt: Die Kundinnen und Kunden sollen ihre Gipfeli innerhalb 30 Minuten nach der Bestellung haben.

Kunden sind grosszügig

Eine Neuerfindung ist die Aktion nicht. Urs Fischer, seit anderthalb Jahren als Lehrer in Lupfig tätig, hat sie von seinem früheren Arbeitsort mitgebracht.

Am kommenden, dem letzten Advents-Sonntag werden die Schülerinnen und Schüler der 4. Real Lupfig letztmals in aller Frühe aufstehen, um «Gipfeli im Advent» Realität werden zu lassen.

Dann wird erneut Geld ins Kässeli fliessen. Es ist jetzt schon, dank trinkgeldfreudigen Kunden, ganz schön schwer. Verjubelt wird der Batzen nicht: Er wird für die Klassenreise verwendet. Wohin geht diese? Da darf noch gerätselt werden.

Gipfeli im Advent Bestellungen am Sonntag, 22. Dezember, 7.30 bis 12 Uhr unter Telefon: 056 464 66 02 oder via Mail gipfeli-im-advent@outlook.com