Beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Brugg ist die Zahl der Stellensuchenden von 1518 im Juli 2012 kontinuierlich auf 1909 Ende Januar 2013 angestiegen. «Die saisonale Arbeitslosigkeit steht hier im Vordergrund», sagt Linda Baldinger, Leiterin des RAV Brugg, und weist auf die vielen Lehrabgänger im August hin. Sie macht auf eine weitere Ursache aufmerksam: «Immer mehr Arbeitnehmer haben nur einen befristenden Arbeitsvertrag – dies betrifft insbesondere die Bau- oder Gastronomiebranche, aber auch die Projektarbeit.»

Das Einzugsgebiet des RAV Brugg umfasst rund 40 Gemeinden (Siehe Box unten). Während die Arbeitslosenquote im Januar im Kanton Aargau bei 3,1 Prozent lag, betrug sie in den Bezirken Brugg und Zurzach – dem Haupteinzugsgebiet des RAV Brugg – nur 3 Prozent. Die Kurzarbeit stagnierte im Januar auf tiefem Niveau. Fünf Betriebe aus der Maschinen-, Metall- und Kunststoffindustrie sind aktuell davon betroffen.

Teilt man die Stellensuchenden nach Berufsfeldern auf, fällt auf, dass die Nichtqualifizierten den grössten Anteil ausmachen – gefolgt von Stellensuchenden in den Bereichen Wirtschaft/Verwaltung und Verkehr/Logistik. «Die Personalberater stellen auf der anderen Seite auch immer wieder fest, dass es an gewissen Fachkräften mangelt. So haben wir ganz klar einen Mangel an Elektro- und Sanitärinstallateuren sowie an Elektromechanikern und gelernten Köchen», sagt Baldinger. Auch Informatiker seien sehr gesucht, aber nur solche mit einem anerkannten Abschluss in Informatik. Sogenannte Quereinsteiger im fortgeschrittenen Alter hätten es dagegen schwerer eine geeignete Stelle zu finden, weiss die RAV-Leiterin.

27- bis 45-Jährige sind gefragt

Für die kommenden Monate rechnet Baldinger mit einer leichten Entspannung auf dem Arbeitsmarkt. «Unsere Wirtschaft zeigt sich zum Glück immer noch ziemlich robust», sagt die ehemalige Brugger Einwohnerrätin. Wird die Eröffnung des Campus einen Einfluss auf die Situation auf dem Arbeitsmarkt haben? «Der Campus wird auf die ganze Region ausstrahlen und einen Boom auslösen. Der Einfluss auf die Arbeitslosenquote lässt sich aber derzeit noch nicht abschätzen», so Baldinger.

Der Berufseinstieg für Lehr- und Studienabgänger mag laut Baldinger zwar nicht immer gleich auf Anhieb gelingen, weil die Anforderungen sehr hoch seien, doch früher oder später führe die Stellensuche zum Erfolg. «Am liebsten haben die Arbeitgeber Angestellte im Alter von 27 bis 45 Jahren», sagt Baldinger mit Blick auf eine nach Alter aufgeschlüsselte Tabelle ihrer Klienten. Besonders schwierig verläuft die Stellensuche für ältere Nichtqualifizierte. «Manche Klienten müssen sehr flexibel sein und schlagen sich mit den unterschiedlichsten Zwischenverdienstmöglichkeiten – oft mit Arbeiten auf Abruf – durch», sagt Baldinger.

Es ist Aufgabe der Personalberater, mit den Stellensuchenden zu vereinbaren, wie viele Bewerbungen pro Monat abgeschickt werden sollen. «Die Zahl der Bewerbungen richtet sich nach dem Stellenangebot. Im Normalfall gehen wir von zwei bis drei Bewerbungen pro Woche aus», sagt die RAV-Leiterin. Halten Stellensuchende die Vorgaben oder einen vereinbarten Termin nicht ein, kann der Personalberater Sanktionen anordnen.

Spezielle Massnahmen für 50 plus

Im Hinblick auf die Flexibilisierung des Rentenalters wird die Eingliederung von Stellensuchenden über 50 Jahren immer entscheidender. «Dazu hat der Kanton das Projekt 50 plus lanciert», so Baldinger. «Dieses Thema wird immer wichtiger.» Mit gezielten Massnahmen wie speziellen Standortsbestimmungskursen soll die Flexibilität und Belastbarkeit älterer Stellensuchender erfasst werden.

Seit April 2012 haben alle RAV im Kanton Aargau spezielle Arbeitgeberberater. «Durch den regelmässigen Besuch bei Firmen, entsteht ein Vertrauensverhältnis», sagt Baldinger. Wenn das Profil eines Kandidaten nicht ganz mit den Anforderungen übereinstimmt, kann der Arbeitgeber mittels Einarbeitungszuschüssen unterstützt werden. Der Kriterienkatalog dafür wurde vor kurzem gelockert. Bei über 50-jährigen Arbeitnehmern kann der Zuschuss seither bis zu einem Jahr gewährt werden.

«Grundsätzlich braucht es mehr Akzeptanz bei den Arbeitgebern, auch mal eine ältere Person einzustellen», sagt Baldinger. Diese seien zwar vielleicht weniger schnell, verfügen aber in der Regel, gemäss Baldinger, über mehr Arbeitserfahrung. «Es gehört zu unseren Höhepunkten, wenn eine 60-jährige Sekretärin wieder eine Stelle findet.»