Brugg

Raus aus den Regalen, rein in die Umzugskartons

Ab ins «Rössli». Annemarie Euler (v.l.) und Heidi Vögtlin packen an. MCE

Ab ins «Rössli». Annemarie Euler (v.l.) und Heidi Vögtlin packen an. MCE

Nach langer und aufwändiger Suche nach einer neuen Unterkunft hat die Brockenstube einen neuen Standort gefunden. Dank der neuen Bleibe im «Rössli» kann das Brocki ein bedeutendes Jubiläum feiern.

Im Brocki der Brugger Altstadt heisst es in diesen Tagen: anpacken, ausräumen, aussortieren, verpacken und wieder einräumen. Nach 42 Jahren an der Hauptsrasse 12 zieht das Brocki des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenvereins Brugg nun sieben Hausnummern an der gleichen Strasse weiter aufwärts.

Der Anbau wird abgerissen

Knapp drei Monate vor dem 100-Jahr Jubiläum der Brockenstube, erreichte Anfang Herbst 2011 das Brocki die ernüchternde Meldung, dass der Anbau der Alten Post abgebrochen wird. Somit müsse auch das Brocki raus. Damals stand das einzige gemeinnützige Brockenhaus der Region kurz vor dem aus. «Nach dieser Mitteilung suchten wir vom gemeinnützigen Frauenverein unermüdlich nach einer neuen Unterkunft», sagt Annemarie Euler, Leiterin der Brockenstube. «Wir schalteten Inserate, telefonierten, fragten überall an – nichts klappte.» Die Stadt konnte auch nicht helfen.

Annemarie Euler, Leiterin vom Brocki Brugg, über die Züglete

Annemarie Euler, Leiterin vom Brocki Brugg, über die Züglete

«Es war schwer eine Unterkunft zu finden. Wir sind auf einen zentralen Standort angewiesen, sonst erzielt das Brocki nicht den erhofften Umsatz, und wir können weniger Geld an gemeinnützige Projekte beisteuern.» Die Laufkundschaft sei es, die den grössten Umsatz bringe. Auch die az berichtete über die verzweifelte Suche nach einem neuen Standort.

«Nach dem Bericht in der Zeitung hat sich schnell was getan. Uns wurden darauf gleich zwei Unterkünfte angeboten», sagt die Leiterin. Sie hätten sich für das obere Stockwerk im «Rössli» entschieden. Die Räumlichkeiten seien zwar kleiner aber unweit vom jetzigen Standort und somit immer noch sehr zentral.

Der Frauenverein hats geschafft

Eines sei für Euler von vornherein klar gewesen: «Das Brocki überlebte sogar die Kriegszeit. Es wäre trist, wenn es jetzt zu Ende gegangen wäre. Die Frauen haben es bis jetzt geschafft, dann schaffen wir es auch das Geschäft am Leben zu halten», erzählt Euler von den Gedanken, die sie in den aussichtslosen Zeiten ermutigten.

Euler und ihr 25-köpfiges Team sind mit Herzblut im Brocki engagiert. Sie haben Freude an der Gesellschaft und geniessen es gleichzeitig etwas bewirken zu können. Das Brockenhaus sei ihnen ans Herz gewachsen. «Wir führen hier nicht nur einen Selbstbedienungsladen, hier wird ‹gschwätzt›, und es werden Kontakte geknüpft», betont sie. Euler schätze den Umgang mit den gebrauchten Sachen, schliesslich stecke hinter den meisten Gegenständen eine grosse Geschichte. «Vor allem aber wollen wir ein Gegenpol zu der Gesellschaft sein, die alles wegschmeisst».

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