Brugg-Windisch

Raum der Stille im Campus: «Er ist zögerlich, aber dennoch gut angelaufen»

Am 6. Januar 2014, dem Dreikönigstag, wurde der Raum der Stille im Campus eröffnet. An der Feier spielte der Gitarrist Marco Friedmann.

Am 6. Januar 2014, dem Dreikönigstag, wurde der Raum der Stille im Campus eröffnet. An der Feier spielte der Gitarrist Marco Friedmann.

Nach fünf Monaten zeigt sich: Im Campus ist der Raum der Stille bei Studierenden und Lehrkräften akzeptiert. Er wird von Einzelpersonen wie von Gruppen genutzt. Auch mehrere interreligiöse Gespräche fanden dort schon statt.

Dreikönigstag: Sinnstiftender hätte dieser Tag für einen besonderen Anlass nicht sein können. Am 6. Januar 2014 wurde der interreligiöse Raum der Stille im Campus Brugg-Windisch eröffnet (die az berichtete). Leicht zu finden ist 6.4D91 – so seine nüchterne Bezeichnung – nicht.

Wer ihn aufsuchen will, muss erst in den 4. Stock fahren, dann um die Ecke biegen – da ist er: ein schmuckloser, mit weissen Stühlen ausgestatteter Raum, dessen Holzboden viel Wärme ausstrahlt. Die grossen Fenster verleiten dazu, auf den Bahnhof Brugg hinunter zu sehen, wo die Züge rastlos ein- und ausfahren.

Der Raum der Stille ist ein Unikum im fast 1000 Zimmer aufweisenden Campus-Koloss. Er ist an 24 Stunden während 7 Tagen in der Woche geöffnet; er ist ein Raum der Begegnung und des Nachdenkens, der von Respekt und Toleranz geprägt sein soll. Offen steht er allen im Campus Studierenden und Lehrpersonen.

«Er wird unterschiedlich genutzt«

Betreut wird der Raum der Stille vom reformierten Pfarrer Christian Bühler und von der katholischen Theologin und Chemikerin Olivia Forrer. Sie bilden das Team der ökumenischen Fachstelle Religion der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).

Welche Erfahrungen haben sie von Januar bis Mai mit dem Raum der Stille gemacht? «Meine Kollegin und ich gehen regelmässig vorbei und stellen immer wieder fest: Er wird ganz unterschiedlich genutzt. Wir treffen einzelne Personen an, die meditieren oder solche, die einfach dasitzen, aber auch kleinere Gruppen von Studierenden.» Bühler stellt sogleich klar: «Der Raum der Stille ist nicht als Aufenthaltsraum gedacht.»

Christian Bühler, ref. Pfarrer: «Meine Kollegin und ich stellen immer wieder fest: Der Raum der Stille wird unterschiedlich genutzt.»

Christian Bühler, ref. Pfarrer: «Meine Kollegin und ich stellen immer wieder fest: Der Raum der Stille wird unterschiedlich genutzt.»

Um den besinnlichen Charakter zu unterstreichen, steht eine Schale mit Sand im Raum, wo zum Beispiel Meditations- und Yogakurse abgehalten werden. Eine Gruppe von 8 bis 10 Teilnehmenden kann der Raum der Stille ohne weiteres aufnehmen – «bei mehr Gästen stossen wir jedoch an Grenzen», sagt Bühler und verweist auf ein weiteres Angebot: «Interreligiöse Gespräche. Die empfinden wir als ungemein spannend.» Bisher wurden diese dreimal durchgeführt; jetzt steht eine längere Pause an.

Danach will das ökumenische Team Bühler/Forrer das Angebot erweitern. Positiv überrascht sind Christian Bühler und Olivia Forrer auch über die Ordnung, vielmehr darüber, dass diese «gar kein Thema war». Konkret: Wer den Raum der Stille nutzt, geht sorgsam mit ihm um, weshalb er stets in tadellosem Zustand ist.

Ist dieser Ort eigentlich akzeptiert? «Ja», bekräftigt Christian Bühler, «das Ganze ist zu Beginn zögerlich, aber gut angelaufen. Heute gehört der interreligiöse Raum einfach zum Campus.» Allerdings dürfte dieser noch mehr gebraucht werden und: «Bei den Mitarbeitenden ist er bekannt, bei den Studierenden dürfte er getrost noch etwas bekannter werden.»

Neugierig gemacht hat der 6.4D91 inzwischen auch das Pfarramt Brugg-Windisch, um nur ein Beispiel zu erwähnen. «Es nimmt fremde Besucher wunder, wie es sich damit verhält», sagt Bühler lächelnd. Wer den Raum der Stille kennenlernen will, kann dies: und zwar am Tag der offenen (Campus-)Tür – am 12. und 13. September.

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