Bezirksgericht Brugg
Rasen, drängeln, rechts überholen – Schuld sollen die Polizisten gewesen sein

Mit «Pyros» und Ratten im Kofferraum war er unterwegs. Er hat rechts überholt und das das erst noch zu schnell und betrunken. Der 30-jährige Autofahrer wurde verurteilt, er erhob Einsprache. Darum sass er vor dem Bezirksgericht.

Louis Probst
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Der Beschuldigte war auf der Autobahn A3 durch seine Fahrweise einer Polizeistreife in einem Zivilfahrzeug aufgefallen. (Symbolbild)

Der Beschuldigte war auf der Autobahn A3 durch seine Fahrweise einer Polizeistreife in einem Zivilfahrzeug aufgefallen. (Symbolbild)

AZ-Archiv

«Klar habe ich einen Fehler gemacht», sagte der junge Mann vor Gericht. «Ich habe mich provozieren lassen.» Beschuldigt wurde der gut 30 Jahre alte Schweizer, in angetrunkenem Zustand ein Motorfahrzeug gelenkt, auf der Autobahn rechts überholt, einen ungenügenden Abstand eingehalten und die Höchstgeschwindigkeit missachtet zu haben. Vorgeworfen wurde ihm zudem eine Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über explosionsgefährliche Stoffe.

Der Beschuldigte war auf der Autobahn A3 durch seine Fahrweise einer Polizeistreife in einem Zivilfahrzeug aufgefallen. Bei der Kontrolle nahm die Polizei eine Alkoholmessung vor, die einen Wert von 0,5 Promillen ergab. Im Auto war die Polizei zudem auf verbotene pyrotechnische Gegenstände wie Knall- und Rauchpetarden gestossen.

Der Mann war danach zu einer unbedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 100 Franken sowie einer Busse von 1250 Franken verurteilt worden. Weil er Einsprache erhob, hatte er sich vor Bezirksgericht zu verantworten.

«Die haben mich gejagt»

Der Beschuldigte hatte die ihm zur Last gelegten Tatbestände zwar schriftlich anerkannt. Vor Gericht versuchte er jedoch, diese zu relativieren. «Die Alkoholmessung könnte stimmen oder auch nicht», meinte er. «Ich konnte nicht ins Spital, um mich stechen zu lassen, denn ich hatte 100 lebende Ratten im Kofferraum für meine Schlangen.»

Auch den Vorwurf des ungenügenden Abstandhaltens wollte er nicht mehr anerkennen. Und zur Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit um 38 Kilometer pro Stunde erklärte er: «Die haben mich gejagt.» Wobei er mit «die» die Polizisten in ihrem zivilen Fahrzeug meinte.

«Ragetli» nicht fürs Stadion

Auf die Frage von Gerichtspräsidentin Roth nach dem Verwendungszweck der «Pyros», versicherte der Beschuldigte – seinem Kapuzenpulli nach zu schliessen Sympathisant eines Zürcher Fussballklubs – schliesslich: «Nein, ich wollte die ‹Ragetli› nicht ins Stadion mitnehmen. Ich dachte, sie für den 1. August, für Neujahr oder so etwas zu verwenden. Ich habe sie erhalten, mitgenommen und mir nichts dabei gedacht.»

Der junge Mann bekannte sich «teilweise schuldig», bat aber um einen Freispruch, «dort wo er sich unschuldig fühle» und stellte fest: «Die Busse muss heruntergesetzt werden.» Er zeigte sich bereit, gemeinnützige Arbeit zu leisten.

Die Gerichtspräsidentin sprach ihn aber schuldig und verurteilte ihn zu einer unbedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen und einer Busse von 1250 Franken. Die Höhe der Tagessätze wird noch festgelegt.

«Das Urteil stellt auf die Anerkennung der Tatbestände durch den Beschuldigten ab», erklärte die Gerichtspräsidentin. «Es gibt keine Hinweise, dass es bei der Beweisaufnahme nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Die schwersten Vorwürfe betreffen das Rechtsüberholen und den ungenügenden Abstand. Die Strafe ist dem Verschulden angemessen.»