Windisch

Rainer Bressler thematisiert schwieriges Verhältnis zum Vater in seinem Buch «Schattenkämpfe»

Das Buch «Schattenkämpfe» hat der Autor selber korrigiert.

Das Buch «Schattenkämpfe» hat der Autor selber korrigiert.

Autor Rainer Bressler wohnte als Arztsohn im Areal der geschlossenen Klinik Königsfelden. Das hat ihn geprägt. Sein neues Buch thematisiert das schwierige Verhältnis zum Vater

Geschlechtertrennung an der Bezirksschule Brugg, Dorfjugend in Windisch, Kinobesuch im «Excelsior», Gartenwirtschaft des Restaurants Habsburg und Sternenzirkel in der Brugger Altstadt: Alle diese Puzzleteile verarbeitet der in Windisch aufgewachsene Schriftsteller Rainer Bressler in seinem satirischen Roman genauso wie sein schwieriges und belastendes Verhältnis zu seinem Vater. Dieser war nämlich 1937 aus Nazideutschland in die Schweiz emigriert und hatte später als Arzt der psychiatrischen Klinik Königsfelden Wohnsitzpflicht im geschlossenen Areal.

Sohn Rainer Bressler wurde 1945 geboren und lebt heute in Zürich. Das Anfang August dieses Jahres im Verlag Books on Demand erschienene 256 Seiten umfassende Buch «Schattenkämpfe» ist auch ein Porträt des Vaters. Der Aargau, Königsfelden und die Region Brugg/Windisch spielen dabei im Hintergrund der Geschichte eine gewichtige Rolle.

Der Sohn hat primär die Funktion des Stammhalters

Der ebenfalls 1945 in Windisch geborene Andreas Pritzker findet den Buchtitel «Schattenkämpfe» passend gewählt, wie er in einer Rezension schreibt. Denn tatsächlich hätten die beschriebenen Kämpfe, auch wenn sie sich in der realen Welt äusserten, ihre Ursachen in den Vorstellungen der Protagonisten. Der Werdegang des Vaters wird im ersten Teil des Romans vorgestellt. Nach seiner Anstellung als Psychiater in Königsfelden findet er zwar seine Liebe im Aargau, muss aber lange Zeit um seine Existenz bangen wegen seiner Stellung als Flüchtling. Da sich der Vater weiter­hin als Deutscher fühlt, weil er der Vorstellung des Landes der Dichter und Denker verbunden ist, wird er vom schweizerischen Umfeld oft mit Misstrauen betrachtet. Gleichzeitig ist er charmant und ausdrucksstark, was bei ihm zu einer inneren Zerrissenheit führt.

Nach der Geburt von Rainer bahnt sich der Konflikt an. Der Vater sieht seinen Sohn primär in der Funktion des Stammhalters und nicht als Mensch mit einer eigenen Persönlichkeit. Die Beziehung der beiden ist begleitet von Schwierigkeiten. Der Sohn weicht zwar dem Streit nicht aus, gestaltet sein Leben aber möglichst unabhängig vom Vater, den er hasst. Erst kurz vor dem Tod des Vaters und danach bahnt sich eine Versöhnung an. Mit der Aufarbeitung des grossen dokumentarischen Nachlasses erkennt der Sohn, dass sein vermeintlicher Hass auf den Vater die verkappte Sehnsucht nach der Liebe des Vaters war.

Rainer Bressler schrieb in den Jahren 1980 bis 1993 Hörspiele, die von Radio DRS produziert und ausgestrahlt wurden.

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