Windisch
Quartierverein beschenkt sich zum 50. Geburtstag mit einem Theaterstück

Der Quartierverein Unterwindisch wurde im vergangenen Jahr 50 Jahre alt. Im Sommer steigt nun das Fest: Dabei feiert sich das Unterdorf selbst mit 100 Spielern: Adrian Meyer schrieb für sie das Theaterstück «Hinz und Kunz».

Elisabeth Feller
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In Unterwindisch wird im Diesellokal bei eisiger Kälte abends für «Hinz und Kunz» geprobt: Hier haben der Spinnereikönig Kunz (links, Marc Fry) und Pfarrer Petermann (Tom Wernli) gerade einen Disput. EF.

In Unterwindisch wird im Diesellokal bei eisiger Kälte abends für «Hinz und Kunz» geprobt: Hier haben der Spinnereikönig Kunz (links, Marc Fry) und Pfarrer Petermann (Tom Wernli) gerade einen Disput. EF.

Wer 50 ist, feiert. Geschenke von Freunden sind willkommen, doch das schönste Geschenk macht man sich selbst. Dies befolgt der Quartierverein Windisch im August. Ein Jahr nach seinem runden Geburtstag im Jahr 2013 beschenkt er sich mit dem bei Adrian Meyer in Auftrag gegebenen Theaterstück «Hinz und Kunz» – eine Redewendung, die als Synonym für «Jedermann» steht.

Hinz und Kunz: Mehr als 100 machen mit

Bei «Hinz und Kunz - Unterwindisch macht Theater» wirken mehr als 100 Personen aus dem Quartier sowie der Region Brugg-Windisch mit. Allein 70 Personen stehen auf den verschiedenen Bühnen und machen beim Schauspiel oder Chor/Musik mit. Adrian Meyer hat das Stück geschrieben und wird es auch inszenieren.

Für die musikalische Gestaltung ist Marc Urech (Musikwerkstatt Windisch/Siggenthaler Jugendorchester) zuständig, für das Bühnenbild Jacqueline Weiss und für das Lichtkonzept Edith Szabò. Die Produktionsleitung haben Christian Bolt (Produktionskoordination, Sponsoring, Kommunikation), Monika Egli (Finanzen, Ticketing) und Dave Roth (Infrastruktur, Delegierter des Quartiervereins) inne.

Aufführungen im August: 8., 9., 10., 15., 16., 17., 22., 23., 24., 29., 30. und 31. Bei grosser Nachfrage wird «Hinz und Kunz» nochmals am 5., 6. und 7. September gespielt.

Der Billett-Vorverkauf beginnt am 1. Juni. Weitere Informationen unter: www.hinz-und-kunz.ch. (AZ)

Genau dieser ist angesprochen, will heissen: Alteingesessene ebenso wie rund 600 Neuzuzüger, die das Kunzareal beleben werden. Die Federführung bei dem, sich bewusst langsam entwickelnden Theaterprojekt liegt beim Verein Hinz und Kunz (siehe Box). «Es war nie unsere Absicht, nur ein grosses Fest auszurichten», sagt Dave Roth, «im Vordergrund stand stets dies: Wir wollen gemeinsam etwas erarbeiten, das nicht zwingend ans Jubiläumsjahr gebunden sein muss.»

Vom Wasser geprägt

Der Quartierverein sagte im September 2013 ja zu einer Theaterproduktion und sprach 10 000 Franken. Damit war der finanzielle Grundstock gelegt (in den noch Sponsorengelder fliessen). Aber wie sollte das Stück beschaffen sein? Man besann sich auf die grosse (Industrie-)Geschichte und begann Geschichten aus dem Unterdorf zusammenzutragen – Theatermann Meyer machte sich daran, ein massgeschneidertes Werk für enthusiastische Laien zu schreiben.

«Von Unterwindisch wusste ich praktisch nichts», bekennt der Autor, «aber das war auch gut». Die unbelastete Neugier liess Meyer 2013 Recherchen im Quartier betreiben; ferner zog er Max Baumanns Ortskunde bei und schliesslich vervollständigten Begegnungen mit Einheimischen das Bild einer «kommunikativen, lebendigen, vom Wasser geprägten, heilen Welt – eines Dorfes im Dorf».

Schliesslich schälten sich für Meyer drei Themen für ein Stück heraus, das Geschichte und Geschichten theatralisch, musikalisch, mittels Performance und Film, als einen Bilderbogen erzählt – und das mit historischen und erfundenen Figuren, die immer wieder in überraschenden Konstellationen aufeinandertreffen.

Teil I, «Idyllen», verweist auf die Schokoladeseiten des Quartiers; Teil II, «Schwemmgut», erinnert an das Hochwasser von 2005; Teil III, «Im Diesellokal», stellt Heinrich Kunz (Spinnerei Kunz), vielmehr eine geplante, heftig diskutierte Büste von ihm vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude, ins Zentrum. Als «roter Faden» fungieren zwei Hostessen.

«Sie werden die Zuschauer als Neuzuzüger und potenzielle Käufer einer Loft im Kunzareal zu Beginn begrüssen», erklärt Adrian Meyer. Keine Bange, alles ist ein Spiel. Eines, das freilich aktive Menschen erfordert.

Der erste Teil ist ein halbstündiger Rundgang, der durchs Quartier führt; der zweite Teil findet auf dem Dieselplatz statt; der dritte Teil wird im Diesellokal aufgeführt. Dort steht eine Tribüne, die Plätze für 135 Zuschauer bietet. Sie werden den Akteuren sicher rauschenden Beifall spenden. Christian Bolt (Produktionsleitung) ist jedenfalls bereits heute überzeugt: «Es wird super.»