Windisch
Psychiatriemuseum: Warum Ruedi F. kegelte – und zeichnete

Ein Rundgang vom Psychiatriemuseum über eine Ausstellung zur denkmalgeschützten Königsfelder Gartenkegelbahn. Eine Kegelbahn-Zeichnung von Patient Ruedi F., der sich als Reporter verstand, lieferte sogar Stoff für einen Kurzkrimi.

Edgar Zimmermann
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Jacqueline Fahrni erläutert die spannungsgeladene Kegelbahn-Zeichnung von Ruedi F. in Königsfelden. NN

Jacqueline Fahrni erläutert die spannungsgeladene Kegelbahn-Zeichnung von Ruedi F. in Königsfelden. NN

Das Psychiatriemuseum Königsfelden lud am Museumstag zu einer besonderen Begegnung ein, einer Begegnung mit Leben und Werk eines 1972 verstorbenen Patienten. Zunächst aber zeigte Otto Buchs, zuständig für die Klinik-Geschichte, anhand eines Schwarz-weiss-Kurzfilmes die um 1940 ausgeübten Freizeitaktivitäten von Patienten und Personal, wobei auch die 1872 erbaute Gartenkegelbahn ins Bild rückte.

Alsdann dislozierten die Besucher in die in der ehemaligen Direktorenwohnung eingerichtete Ausstellung «Fremdgehen». Die Kuratorin Jacqueline Fahrni ging auf die Zeichnungen und die Person von Ruedi F. ein, welcher, 1892 geboren, von 1939 bis 1972 in der damaligen «Irrenanstalt» weilte. Er litt aufgrund von Mangelkrankheiten seit seiner Kindheit an «Schwachsinn» und Schwerhörigkeit.

Ruedi F. verfügte über ein grosses zeichnerisches Talent und verstand sich als Reporter. Da ihm kein Fotoapparat zur Verfügung stand, hielt er Geschehen und Erlebnisse in Zeichnungen fest. Die Ärzte waren begeistert von seinen Werken, und ebenso beeindruckt waren die Besucher bei den gestrigen Rundgängen.

Der Patient zeichnete Szenen wie Hochzeit, Sterben, ein Brandunglück, er malte Flugobjekte, Blumen-Stillleben aber auch magische und mystische Themen – und den Betrieb auf der Gartenkegelbahn. Wie andere Patienten half er bei den täglichen Arbeiten mit. So formulierte er einmal: «Das Essen, mittags die Limonade, am Abend Servelatwurst, das ist gut. Aber die Feldarbeit ist schön.»

Und schön war auch das Kegeln als Freizeitvergnügen und Zeitvertreib. Dies ist auch die Antwort auf den Titel dieses Rundganges: «Warum Ruedi F. kegelt». Da er über kein genügend grosses Zeichnungspapier verfügte, legte er die Kegelbahn in Kurven an – und erreichte damit «viel Spannung und Dynamik», so Fahrni.

Selbstverständlich wurde die unter Denkmalschutz stehende Kegelbahn auch an Ort besichtigt. Wer darauf einmal kegeln möchte, hat Gelegenheit dazu: am 28. Juni zwischen 18 und 23 Uhr. Der Kegelschub wird aufgelockert durch eine Lesung von Susy Schmid, welche einen Kurzkrimi verfasst hat – mit Einbezug des Kegelbahn-Bildes von Ruedi F.