Villigen
Protonentherapie im Paul-Scherrer-Institut: Hier wird auf Tumore geschossen

Das Zentrum für Protonentherapie des Paul-Scherrer-Instituts besteht seit 30 Jahren. Seit 1984 sind hier Tausende Patienten behandelt worden. Die Krebs-Behandlung ist ein Motor für die Forschung.

Claudia Meier
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Mit der Gantry 2 können bewegte Tumore am Patienten hoch präzise bestrahlt werden,Paul-Scherrer-Institut.

Mit der Gantry 2 können bewegte Tumore am Patienten hoch präzise bestrahlt werden,Paul-Scherrer-Institut.

Feststimmung am Montagmorgen im Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen. «Wir sind hier, um bahnbrechende Technologien zu entwickeln und der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein», sagt PSI-Direktor Joël Mesot und erzählt, dass vor mehr als 30 Jahren erstmals Augentumore mit Protonen bestrahlt wurden. Rund zehn Prozent der weltweit mit Protonen therapierten Patienten mit einem Augentumor wurden bisher am PSI behandelt.

In Villigen wurde für die Protonentherapie von tiefliegenden Tumoren 1996 ein erster Gantry in Betrieb genommen. Mit dem Anspruch, schneller und präziser zu werden, entstand nun Gantry 2. Der Kanton Aargau habe dieses Projekt mit 20 Millionen Franken unterstützt, so Mesot. «Der Gantry 2 ist ein wunderbares Beispiel wie die Grundlagenforschung – in diesem Fall die Teilchenphysik – dazu beitragen kann, gesellschaftlich relevante Probleme zu lösen», sagt der Direktor stolz.

Regierungsrat Roland Brogli: «Die Krebsdiagnose ist nicht mehr automatisch ein Todesurteil, sonst würde auch ich heute nicht vor Ihnen stehen.»

Regierungsrat Roland Brogli: «Die Krebsdiagnose ist nicht mehr automatisch ein Todesurteil, sonst würde auch ich heute nicht vor Ihnen stehen.»

Aargauer Zeitung

Stolz dürfe auch der ganze Kanton Aargau sein, dass er mit dem Hightech-Aushängeschild PSI das grösste Forschungszentrum für Natur- und Ingenieurwissenschaften in der Schweiz mit einer weltweiten Ausstrahlung beherbergen dürfe, hält Landammann Roland Brogli in seiner Grussbotschaft fest.

«Der Aargau ist ein Hightech-Kanton aus Überzeugung – weil wir wissen, dass nur jene Standorte langfristig erfolgreich sind, die sich um den Erfolg bemühen und sich Neuem gegenüber aufgeschlossen zeigen», fährt der Landammann fort. Der Kanton beteilige sich finanziell noch an einer weiteren Grossanlage des PSI – dem Röntgenlaser Swissfel, der 2016 in Betrieb genommen werde, so der Regierungsvertreter weiter.

Kanton Zürich unterstützt Gantry 3

Am Zentrum für Protonentherapie des PSI sind seit 1984 Tausende Patienten behandelt worden. Brogli betont: «Die Krebsdiagnose ist nicht mehr automatisch ein Todesurteil, sonst würde auch ich heute nicht vor Ihnen stehen.» In diesem Sinne wünscht der Kantonsvertreter den Forscherinnen und Mitarbeitenden «Gut Schuss!» sowie viel Treffsicherheit beim Beschiessen der Tumore.

Protonentherapie: Gantry 2 für die Bestrahlung bewegter Tumore

In Zukunft können an der Gantry 2 auch Tumore hoch präzise bestrahlt werden, die sich während der Bestrahlung bewegen (Lungen- oder Brusttumore). Mit dieser Apparatur wird der Protonenstrahl bei vorgegebener eingestellter Energie mit Ablenkungsmagneten zweidimensional in den Tumor geführt und eine Schicht bestrahlt. In Bruchteilen einer Sekunde kann die Energie geändert und so die nächste Tiefenschicht im Tumor behandelt werden. Auf diese Weise wird er dreidimensional «abgescannt». Aufgrund der grossen Geschwindigkeit von Strahlablenkung und Energieänderung kann der Tumor innert kürzester mehrmals bestrahlt werden und die Gesamtbestrahlungszeit bleibt kurz. Das mehrmalige «Abscannen» des Tumorvolumens ermöglicht eine homogene Dosisverteilung, auch bei Bewegungen des Tumors während der Bestrahlung. (AZ)

Mit den einzigartigen Grossforschungsanlagen habe das PSI die Behandlungskapazität erhöhen können, führt CVP-Nationalrätin Ruth Humbel in ihrer Botschaft aus. Als Politikerin setze sie sich seit Jahren für ein nationales Protonentherapie-Zentrum ein. Zentral sei dabei die Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken, den Kantonsspitälern und den onkologischen Zentren. Bei Forschern sei das PSI in Villigen als begehrten Arbeitsplatz bekannt.

«Weltweit sind mehr als 40 Anlagen für Protonentherapie in Betrieb und rund 115 000 Patienten wurden bisher behandelt», räumt Martin Jermann, ehemaliger Stabschef PSI ein. 50 weitere Projekte seien derzeit in Planung oder im Bau. Den Entscheid für die Weiterentwicklung von Gantry 1 habe die PSI-Direktion im Jahr 2000 gefällt.

Nun ist Gantry 2 in Betrieb. Der Kanton Zürich hat bereits einen Förderbeitrag von 20 Millionen Franken für den Bau von Gantry 3 gesprochen. Läuft alles nach Plan, wird dort der Patientenbetrieb im dritten Quartal 2016 starten.