Brugg-Windisch
Projekt von Pro Senectute: Was Senioren in Schulen verloren haben

Das Projekt «Generationen im Klassenzimmer» der Pro Senectute holt Rentner zurück in die Schule – Helen Dora erzählt von ihren Erfahrungen: «Man fühlt sich einfach voll im Leben integriert, wenn einen plötzlich wieder Kinder auf der Strasse grüssen.»

Barbara Schlunegger
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Die Schüler schätzen die Mitarbeit der «Hilfslehrer» und den Generationenmix im Klassenzimmer (Symbolbild).

Die Schüler schätzen die Mitarbeit der «Hilfslehrer» und den Generationenmix im Klassenzimmer (Symbolbild).

ZVG

Helen Dora strahlt, wenn sie von «ihren» Viertklässlern erzählt. Die vife 81-Jährige besucht seit letztem Sommer jeden Donnerstagmorgen während zweier Stunden die vierte Primarklasse von Therese Delay im Schulhaus Dohlenzelg in Brugg-Windisch. Dort gestaltet sie den Realienunterricht mit. Dora ist eine von insgesamt 23 Senioren des Bezirks Brugg, die am Projekt «Generationen im Klassenzimmer» teilnehmen. Das Projekt wurde im Kanton Aargau 2013 von der Pro Senectute lanciert.

Wo melden sich interessierte Senioren?

«Generationen im Klassenzimmer» ist ein Projekt der Pro Senectute. Im Kanton Aargau wurde es letztes Jahr eingeführt. Inzwischen sind kantonsweit fast 60 Schulen beteiligt, 5 davon im Bezirk Brugg. Ein Ausstieg ist jederzeit möglich. Mit einer Anmeldung verpflichtet man sich nicht für einen festen Zeitraum. Interessierte Senioren und Seniorinnen melden sich bei der Beratungsstelle des Bezirks Brugg Pro Senectute Aargau:

Yvonne Berglun

Bahnhofstrasse 5

5200 Brugg

Tel.:056 441 06 54

yvonne.berglund@ag.pro-senectute.ch

Besonders für die Schulen Schinznach-Bad und Schinznach-Dorf werden aktuell noch Senioren gesucht. (az)

Dank Kindern voll im Leben

Die Projektidee besteht darin, dass Senioren einen Halbtag pro Woche einen Kindergarten oder eine Primarklasse besuchen und die Lehrkraft unterstützen. Dora zeigt sich hell begeistert von dieser Idee: «Man fühlt sich einfach voll im Leben integriert, wenn einen plötzlich wieder Kinder auf der Strasse grüssen.» Die schulischen Tätigkeiten der Seniorin variieren von Woche zu Woche.

Helen Dora kommt in Kontakt mit Jungen Menschen.

Helen Dora kommt in Kontakt mit Jungen Menschen.

Barbara Schlunegger

Manchmal übernimmt sie die Klasse und führt die Kinder in ein neues Thema ein. Ein anderes Mal begleitet Dora die Schüler bei Gruppenarbeiten und steht der Lehrerin zur Seite. «Es ist eine Möglichkeit, mit der heutigen Jugend in Kontakt zu kommen.»

Die Seniorin fügt an, dass die meisten Menschen in ihrem Alter sich zu wenig zutrauen würden. «Sie haben Angst und wollen sich nicht überwinden», meint die 81-Jährige. Wichtig sei, dass man den Kindern offen entgegentrete und sie «einfach gern» habe. Mehr sei nicht nötig, um sich für das Projekt «Generationen im Klassenzimmer» anzumelden.

Schulstoff hält Gehirn auf Trab

Dora erinnert sich an das erste Thema, in das sie die Primarschüler eingeführt hatte: das Sonnensystem. Die Kinder mussten mithilfe des Computers Fragen zum Thema beantworten. «Als ich zu Hause war, nahmen mich die Antworten selber wunder und ich machte mich im
Internet schlau», meint Dora spitzbübisch. Und fährt fort, dass diese Realienstunden sie geistig in Schuss hielten.

Autoritätsprobleme hätte die Seniorin keinen Augenblick gehabt,
obwohl die Klasse zu zwei Dritteln aus Buben besteht. Eine Bemerkung muss sie am Schluss dann aber doch noch lachend anfügen: «Die heutigen Kinder sind einfach saumässig laut.»

Die 81-Jährige empfiehlt «Generationen im Klassenzimmer» allen älteren Menschen. Es sei jedoch nichts für Senioren, die innerlich schon
ausgestiegen sind und sich der Welt und ihren Veränderungen nicht mehr aussetzen wollen. Das sei nämlich eine wichtige Bedingung. Die
Devise der rüstigen Seniorin ist
eindeutig. Sie schliesst mit den Worten: «Den Couri haben, einfach mal zu machen. Man hat ja nichts zu
verlieren.»