Brugg

Profitieren wird nicht nur der «Glögglifrosch»

Die Sanierung der Bruchsteinmauer verlangt viel Kraft und Schweiss.roger wetli

Bruchsteinmauer

Die Sanierung der Bruchsteinmauer verlangt viel Kraft und Schweiss.roger wetli

Zurzeit wird eine alte Trockensteinmauer renoviert. Damit wird Kulturgut erhalten und Lebensraum für Tiere und Pflanzen geschützt.

Etwas schief und instabil sieht sie aus, die Bruchsteinmauer in Kirchbözberg. Einzelne Teile sind herausgebrochen, andere bereits im Ansatz wieder aufgeschichtet. Überall sieht man, wie sich Wurzeln um das Mauerwerk schlingen. Mittendrin schwitzen zwei Männer. Sie graben das alte Mauerwerk weg, nivellieren das Fundament, schichten den vorderen Abschnitt wieder schön auf und füllen den hinteren Teil mit Steinen.

Altes Kulturgut wird erhalten

«Bis im letzten Jahr konnte man die Mauer nicht mehr sehen», erzählt der Unterbözberger Gemeinderat Urs Vollenweider, Leiter des Ressorts Natur und Umwelt. «Über der Mauer wuchs eine Hecke, die das Kulturgut überwucherte.» Der Landbesitzer sprach die Gemeinde an, da einzelne Steine bereits ins darunter liegende Feld gerollt waren. Verantwortlich für die Hecke und die Bruchsteinmauer ist die Gemeinde. «Es handelte sich hier um einen klassischen Widerspruch», so Vollenweider. «Denn eigentlich ist für die Natur beides von Wert: Hecke und Bruchsteinmauer.»

Die Wurzeln der Heckenpflanzen würden aber in die Mauerritzen wachsen, und die Mauer sprengen. Zusammen mit Ulysses Witzig, Geschäftsführer der Pro Natura Aargau-Tochterfirma creaNatira, fand man eine Lösung: Die 70 Meter lange Mauer wird nur auf 50 Meter saniert. Am südwestlichen Ende wird sie auf 20 Meter vollständig abgebrochen und die Hecke umgepflanzt.

Den Kröten reicht eingestürtze Mauer

«Mit der Sanierung erhalten wir ein altes Kulturgut», so Witzig. «Bruchsteinmauern waren in dieser Region lange sehr verbreitet.» Damit die Mauer hält, verwenden der Landschaftsgärtner Philipp Merkli und der Zivildienstleistende Tobias Fessler weder Mörtel oder Beton noch neue Steine. Die Mauer wird mit dem alten Material neu aufgeschichtet. Wo nötig, werden die Steine behauen. Dabei entstehen Ritzen, in denen sich verschiedene Tiere verkriechen können. In Unterbözberg gilt ein besonderes Augenmerk der als «Glögglifrosch» bekannten Geburtshelferkröte. «Diese Kröten ‹glöggeln› im Frühling aus den Spalten nach Weibchen», erklärt Ulysses Witzig. «Nach der Paarung schnürt sich das Männchen die Eier um den Hinterleib, trägt sie ein paar Wochen mit sich und entlässt schliesslich die Kaulquappen in einen Teich.»

Gemeinderat Urs Vollenweider ergänzt: «Den Kröten würde zwar auch die eingestürzte Mauer genügen. Mit unserer Arbeit verbinden wir aber Kulturgut- und Umweltschutz.» Der Start der Arbeiten wurde extra so gewählt, dass möglichst wenige Tiere Schaden nehmen. Weil die Arbeiten von Hand ausgeführt werden, können die Tiere rechtzeitig wegkriechen. So auch ein Feuersalamander kurz vor dem Pressetermin.

«Eine gute und nachhaltige Sache»

Die Sanierung der Mauer dauert etwa einen Monat und kostet rund 15000 Franken. Finanziert wird sie durch den Kanton und die Gemeinde. «Das Budget deckt in etwa unsere Selbstkosten», so Witzig. «Für uns stehen aber die gute Sache und die Nachhaltigkeit im Vordergrund.» Nach der Renovierung sollte die Mauer wieder 100 Jahre lang halten. Vorausgesetzt, dass nicht wieder Bäume und Sträucher hineinwachsen. Dafür, dass dies nicht geschieht, wird der Landwirt sorgen.

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