Brugg

«Probier einfach mal»: Im Malort in Lauffohr darf nach Lust und Laune gemalt werden

Dieses Mädchen ist vertieft ins Malen. 18 Farben und verschiedene Pinsel stehen zur Verfügung.

Dieses Mädchen ist vertieft ins Malen. 18 Farben und verschiedene Pinsel stehen zur Verfügung.

Es ist keine Maltherapie, kein Malkurs und auch kein Ausdrucksmalen. Was im Malort in Lauffohr angeboten wird, ist ein Malspiel: Ein freies, entspanntes Malen nach Lust und Laune, ohne Ablenkung und ohne dass die Bilder in irgendeiner Form gewertet werden.

Man hat die Möglichkeit, zu sich zu kommen, ohne Ansprüche von Aussen. «Wenn man dem ganzen schon ein Etikett geben muss, dann am ehesten ‹meditierendes Malen›: Ich konzentriere mich auf das, was ich gerade mache», präzisieren es die ehemalige Oberstufenlehrerin Karin Cagnazzo sowie die Schulsozialarbeiterin und Pflegefachfrau Kathrin Spicher, die den Malort seit gut einem Jahr im Keller ihres Hauses in Lauffohr führen.

Es ist neben dem von Elsbeth Fröhlich und Anne-Gret Maurer geführten Malort Hofstatt und Sandra Zendels Malatelier Farbenmeer der dritte dieser Art in Brugg und der erste ausserhalb des Stadtzentrums. Die beiden Damen aus Lauffohr malen seit einigen Jahren regelmässig bei Sandra Zendel.

2017 beschlossen sie, das Malspiel auch im Aussenquartier anzubieten. Dafür gingen sie im Juli 2016 nach Paris und liessen sich von Arno Stern ausbilden – dem 94-jährigen Pädagogen, der solche Malorte weltweit initiiert hat.

Eine universelle Ausdrucksform

Die Regeln dort sind klar: Die Bilder werden nicht kommentiert und bleiben im jeweiligen Malort geschützt aufbewahrt. Der Malort an sich ist simpel eingerichtet, ohne ablenkende Fenster nach draussen. Und ein sorgfältiger Umgang mit dem Material und den Mitmenschen ist Pflicht.

Regelmässiges Malspielen fördert offenbar Konzentration und Ausdauer, wirkt entspannend und gibt Energie. Dabei soll man frei von innen her das malen, was gerade gemalt werden will. «Wenn mir Kinder manchmal sagen: ‹Ich weiss nicht, was ich malen soll›, dann antworte ich: Der Pinsel weiss es. Probier einfach mal», sagt Karin Cagnazzo.

Kathrin Spicher und Karin Cagnazzo (v. l.) führen den Malort in Brugg-Lauffohr.

Kathrin Spicher und Karin Cagnazzo (v. l.) führen den Malort in Brugg-Lauffohr.

Gemäss Arno Stern ist Malen eine innere Gabe jedes Menschen. Wenn diese frei malen, dann entstünden weltweit stets die gleichen Zeichen, hat er erforscht. Malen sei eine universelle Ausdrucksform, die unter anderem wegen der Schule und ihrer Leistungsorientierung zunehmend verloren gegangen ist.

Gerade Kinder seien oft sehr bemüht, etwas darzustellen, was etwa Mami oder Papi gefallen soll. «Das ist zwar okay, aber es ist auch wichtig, dass sich die Kinder etwas davon lösen», sagt Kathrin Spicher. Man dürfe durchaus sehr schöne Bilder malen wollen. Aber es gehe nicht darum, unter Druck Kunstwerke herzustellen.

18 Farben stehen schön an einem langen, farbigen Palettentisch angereiht, zu jeder Farbe liegen drei Pinsel unterschiedlicher Dicke bei. «Vegane Pinsel», wie Karin Cagnazzo humorvoll anfügt. Das Malspiel findet regelmässig am Mittwochnachmittag für alle während 90 Minuten statt, wobei auch Eltern mit ihren Kindern willkommen sind. Pausen zwischendurch sind auch erlaubt.

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