Brugg

Proben für den Ernstfall: Zivilschützer zeigen den Kampftanz

Das Übungszenario: Ein Schulhaus und ein Altersheim müssen wegen einer geplatzten Gasleitung evakuiert und vom Zivilschutz betreut werden. Bei einer Übung der Betreuer standen Kinder und ältere Menschen im Mittelpunkt.

Man stelle sich die Situation einmal vor: Um 10 Uhr morgens platzt in unmittelbarer Nähe eines Primarschulhauses eine Gasleitung. Da es sich um eine grosse Schule mit 200 Kindern handelt und sich neben dem Schulhaus ein Altersheim befindet, ist die Feuerwehr mit der Evakuation beider Gebäude und der Betreuung aller Personen schnell überfordert.

Für einen solchen Fall probte ein Betreuungszug des Zivilschutzes Brugg Region, im Rahmen eines Wiederholungskurses, gestern in der Turnhalle der Bezirksschule Hallwyler. Angenommen die Evakuation ist geglückt, ist es die Aufgabe des Betreuungszuges, eine Betreuungszone aufzubauen und in diesem Fall, Kinder und betagte Menschen zu betreuen.

Am Montag war zuerst das Kader, sprich die Gruppen- und Zugführer, eingerückt und hat die Übung theoretisch geplant. Die am Dienstag nachgerückten Truppen hatten dann in ersten Trockenübungen alles auf- und abgebaut. In einem Aufruf in der Zeitung hat die Zivilschutzorganisation Brugg Region nach freiwilligen Statisten für die Übung am Mittwoch gesucht.

Zeitvertreib in der Turnhalle: Ein Zivilschützer versucht, den Kindern Capoeira beizubringen.

Zeitvertreib in der Turnhalle: Ein Zivilschützer versucht, den Kindern Capoeira beizubringen.

Nicht nur Betreuung als Ziel

Wer am Übungstag die Turnhalle betritt, wird am Eingang von zwei Herren vom Zivilschutz nach dem Namen gefragt. Dieser wird dann auf einer Kontrollliste festgehalten und beim Verlassen wieder gestrichen. In der Halle ist es laut, denn wo man hinschaut, tummeln sich Kinder, die ausgelassen mit den Zivilschützern spielen.

Damit den Kleinen die Wartezeit nicht zu Kopf steigt, wurde eine Kinderspielecke mit Turngeräten und Matratzen sowie eine Mal- und Spielecke eingerichtet, wo sich die Kinder unter Betreuung austoben können. An drei Tischreihen in der Hallenmitte sitzen die älteren Personen. Sie jassen mit den Zivilschützern, lösen Kreuzworträtsel oder unterhalten sich. Falls jemand Ruhe oder Schlaf benötigt, steht ein mit hohen Stellwänden separierter Ruheraum zur Verfügung.

Natürlich ist ein Ziel der Übung die organisierte und betreute Unterbringung betroffener Personen. Es gibt aber noch andere Absichten, wie der stellvertretende Kommandant Pascal Schwarz erklärt: «Wir wollen auch herausfinden, wer von den Zivilschützern für welche Aufgabe am ehesten geeignet ist und für welche eher nicht.» Ausserdem sei es wichtig, dass die Truppen sich gegenseitig kennenlernen.

Reaktionen sind am schönsten

Vor dem Mittag tummeln sich rund vierzig Kinder und fünfzehn Erwachsene in der Turnhalle. Ein Mann in Uniform zeigt den Kindern wie Capoeira, ein brasilianischer Kampftanz, funktioniert. Die Kids versuchen eifrig, seine Bewegungen nachzumachen. An den Holztischen in der Mitte der Halle sind ein paar Zivilschützer mit Senioren in ein Kartenspiel vertieft.

Ein einzelner Zivilschützer sitzt über eine Stunde mit einem Mann zusammen und löst mit ihm Kreuzworträtsel. Für Abwechslung sorgt die warme Mahlzeit, zu der sich am Mittag alle an den Tischen versammeln. Am schönsten sei, wenn die Menschen dankbar sind, so Pascal Schwarz: «Wir waren einmal in einem Altersheim und haben mit den Leuten eine Mail an ihre Enkel geschrieben. Sie waren sehr dankbar, es war rührend.»

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