Brugg/Windisch

Pro Vindonissa: Das römische Erbe in der Region soll noch bewusster gemacht werden

Co-Präsident Dave Roth bedauert, dass Besucher an der Tür klingeln müssen, um ins Vindonissa-Museum in Brugg zu gelangen.

An der Jahresversammlung der Gesellschaft Pro Vindonissa in Brugg gab es gute Nachrichten vom Legionärspfad.

Letztes Jahr waren mit dem Rücktritt von Präsident Walter Tschudin die Weichen auf eine Doppelspitze der Gesellschaft Pro Vindonissa (GPV) gestellt worden, bestehend aus Dave Roth und Sabine Deschler-Erb, schon zu Tschudins Zeiten dessen Stellvertreterin. Roth bringt sein engmaschiges lokales Netzwerk mit ein, Deschler-Erb als Mitarbeiterin der Uni Basel die Verbindung zu Hochschule und Wissenschaft, insbesondere zur ebenfalls in Basel befindlichen Vindonissa-Professur. Roth hielt sich nach eigenen Angaben das erste Jahr über noch zurück. «Mit dem Ende meiner Präsidentschaft vom Einwohnerrat Windisch Ende Monat starte ich dann richtig durch.»

Den aktuell rund 500 Mitglieder zählenden Verein «moderner aufstellen» wolle sie, sagte Sabine Deschler-Erb. Die Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie «Freunde Vindonissapark» auszubauen, nannte Dave Roth als eines seiner Ziele. Er sagte: «Generell finde ich, dass das Vindonissa-Museum zu geschlossen wirkt.»

Wer das Museum besuchen wolle, müsse an der Tür klingeln. Roth weiss, dass dies aus Sicherheitsgründen so ist, findet es aber dennoch schade. «So wie es beim Stadtfest war, offen und frei zugänglich, das ist für mich das Ideal.»

122, Jahresversammlung der Gesellschaft Pro Vindonissa in Brugg. Der aktuelle GPV-Vorstand (hintere Reihe von links): Manuela Weber, Georg Matter, Hannes Flück, Andrew Lawrence, Pirmin Koch, Rahel Göldi, Jared Hevi; (vorne von links): Dave Roth, Kathi Zimmermann, Sabine Deschler-Erb. Es fehlt Christian Vogt.

Der GPV-Vorstand (hinten v. l.): Manuela Weber, Georg Matter, Hannes Flück, Andrew Lawrence, Pirmin Koch, Rahel Göldi, Jared Hevi; (vorne v. l.): Dave Roth, Kathi Zimmermann, Sabine Deschler-Erb. Es fehlt Christian Vogt.

122, Jahresversammlung der Gesellschaft Pro Vindonissa in Brugg. Der aktuelle GPV-Vorstand (hintere Reihe von links): Manuela Weber, Georg Matter, Hannes Flück, Andrew Lawrence, Pirmin Koch, Rahel Göldi, Jared Hevi; (vorne von links): Dave Roth, Kathi Zimmermann, Sabine Deschler-Erb. Es fehlt Christian Vogt.

Die Legionärsunterkünfte bleiben weitere 20 Jahre

2600 Gäste hätten beim Stadtfest das Vindonissa-Museum besucht, berichtete dessen Leiterin Rahel Göldi. Hinzu kämen die 8000 regulären Besucher, die bis zum Stichtag 30. September gezählt worden seien. 40 000 Besucher nannte Rahel Göldi für den Legionärspfad. An den Geschichtsvermittlungs-Angeboten hätten 12 000 teilgenommen. 4000 haben ihrem Bericht zufolge in den beim Kloster Königsfelden errichteten Legionärsunterkünften übernachtet.

Das können sie auch in Zukunft tun. Denn in 2019 wurde der Windischer Legionärspfad nach zehn Jahren aus dem Projekt-Status entlassen und in feste Organisationsstrukturen überführt. «Wir werden jetzt nicht mehr mit Swisslosfonds-Geldern finanziert, sondern aus dem regulären Haushalt des Kantons», führte Göldi aus.

Auch das Personal habe jetzt keine Projekt-Stellen mehr, sondern reguläre. Eine «zweite gute Nachricht» sei 2019 aus dem Gemeindehaus Windisch gekommen, so die Museumsleiterin: die Verlängerung der Bewilligung für die Legionärsunterkünfte um weitere 20 Jahre.

Rahel Göldi streifte zahlreiche Aktionen und Anlässe, die dieses Jahr durchgeführt wurden und die zum Ziel hatten, den Zugang zum römischen Erbe und zur Archäologie zu öffnen. Roth dankte ihr und ihrem Team für die geleistete Arbeit und meinte: «Für uns Ehrenamtliche wäre es unmöglich, ein solches Programm auf die Beine zu stellen.»

Aktuelle Ausgrabung auf dem Klinikareal

Auch um Ausgrabungen kann sich die 1897 als «Antiquarische Gesellschaft von Brugg und Umgebung» gegründete GPV heute nicht mehr selbst kümmern. Das übernehmen die Profis der Kantonsarchäologie Aargau. Jürgen Trumm, wissenschaftlicher Leiter Ausgrabungen, zufolge können er und seine Kollegen aber auf die Pionierarbeit der Gründerväter bauen.

Diese hätten noch auf der grünen Wiese graben können. «Heute aber graben wir nur noch in Bauzonen», berichtete der Archäologe. Trumm streifte die Projekte in Gebenstorf, wo ein römischer Steinkeller freigelegt wurde, in Hausen (Wasserleitung) und Windisch (römische Basilica).

«Mithilfe der Ausgrabung auf dem Areal der PDAG können wir jetzt die Frühzeit des Römerlagers Vindonissa besser verstehen», informierte Jürgen Trumm die GPV-Mitglieder. Diese können am Donnerstag, 24. Oktober, bei einem Vereinsanlass die Ausgrabungsstätten auf dem Klinikgelände selbst in Augenschein nehmen.

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