Habsburg

Pro Natura will das neue Erdloch von Habsburg zugänglich machen

Zuerst traten Anzeichen einer Senke auf, Anfang dieses Jahres ist dann der deutliche Bodeneinsturz festzustellen gewesen: Im Landwirtschaftsland am Dorfrand von Habsburg hat sich eine sogenannte Doline gebildet (wir berichteten).

Im Untergrund des betroffenen Grundstücks an der Unteren Lättenstrasse befindet sich wasserlösliches Gestein, konkret: ein Gipskeuper. Über die Jahre entstanden Hohlräume, die schliesslich einstürzten. Es bildete sich ein Trichter und schliesslich ein 6 Meter tiefes Loch. Pro Natura Aargau hat nun das Ziel, dieses erlebbar und zugänglich zu machen. «Dolinen gehören zu den geologischen Spuren in unserer Landschaft – wie Felsaufschlüsse in Steinbrüchen, an denen die Gebirgsfaltung sichtbar ist, oder wie die berühmten Helliker Löcher», sagt Geschäftsführer Johannes Jenny. «Es sind Orte, an denen geologische Vorgänge ablesbar sind.»

Boden ist nicht immer fest

Darüber hinaus, fährt Jenny fort, seien Dolinen, Erdrutsche und Einsturzlöcher auch eine Bereicherung des Reliefs. Gefördert werde die Vielfalt der Lebensräume für Tiere und Pflanzen. «Pro Natura hat also allen Grund, sich für die Erhaltung solch interessanter Geotope einzusetzen», steht für den Geschäftsführer fest. Anders gesagt: Die Naturschutzorganisation möchte den Interessierten die Möglichkeit geben, «am Ort des Geschehens Geologie zu erfahren». Angesprochen seien in erster Linie Schulklassen. Diese Idee stamme übrigens von einem Enkel des heutigen Landbesitzers, sagt Jenny. «Denn eine Exkursion, das wissen wir alle, bleibt länger in Erinnerung als 100 gebüffelte Buchseiten!»

Die Besucher werden laut dem Geschäftsführer sehen, wie sich die Erde auftun kann, «dass also fester Boden unter den Füssen nicht immer so fest sein muss». Die Gipsschicht, fährt er fort, wird nach und nach ausgewaschen und es werden mit Sicherheit auch in Zukunft solche Dolinen entstehen. «Das Kribblige daran ist, dass auch die besten Geologen nicht voraussagen können, wann dies passiert.»

Inzwischen ist die jüngste Doline mit einem Zaun und einer Holzabdeckung gesichert. Später will Pro Natura den mobilen Beobachtungsturm, der derzeit noch einen tiefen Einblick in die Löcher von Hellikon ermöglicht, nach Habsburg verschieben.

Auch die Vegetation ist interessant

Die Brugger Firma Daetwiler AG wird sich gemäss Jenny «die Sache anschauen und einen möglichst kostengünstigen Transport ermöglichen». In der Folge werde ein noch festerer Zaun und eventuell sogar eine Abdeckung mit Gitter nötig sein. «Wichtig ist uns, dass die Anwohner nicht gestört werden», hebt Jenny hervor. Die künftigen Besucher sollen nicht durchs Quartier fahren, sondern vom Parkplatz beim Schiessstand aus den Spaziergang zur Doline antreten. «Allerdings erwarten wir keinesfalls eine Völkerwanderung», ergänzt der Geschäftsführer. Zudem werde der mobile Turm später wieder in ein anderes Pro-Natura-Schutzgebiet verlegt.

Die Naturschutzorganisation beabsichtigt übrigens, die betroffene Parzelle zu übernehmen. Diese wird dann weiter bewirtschaftet. «Es soll aber keine Düngung mehr erfolgen, damit sich die Pflanzen magerer, trockener Standorte ausbreiten», führt Jenny aus und fügt an: «Ebenso interessant ist die Entwicklung der Vegetation im Trichter der Doline selbst. Die Verhältnisse werden voraussichtlich eine Abfolge von Algen, Moosen und schliesslich Farnen ermöglichen. Wir sind gespannt!»

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