Brugg

Pro Natura will das Grundstück «Schnägg» kaufen und auszonen lassen

Das Grundstück «Schnägg» am Bruggerberg wird samt Rebhaus versteigert. zVg

Das Grundstück «Schnägg» am Bruggerberg wird samt Rebhaus versteigert. zVg

Am Bruggerberg wird eine Parzelle versteigert. Pro Natura erwägt den Kauf und hat eine Sammelaktion gestartet.

Schlingnattern, Zauneidechsen und Haselmäuse – ihr Zuhause ist der Bruggerberg. Zusammen mit vielen anderen tierischen Bewohnern leben sie auf den Flächen am Waldrand entlang dem Hansfluhsteig. Dort soll jetzt das fast unbebaute Grundstück «Schnägg» auf der Parzelle 109 samt Rebhaus öffentlich versteigert werden.

Der Naturschutzorganisation Pro Natura Aargau ist das ein Dorn im Auge: «Diese Parzelle gehört schlicht nicht in die Bauzone», wird Pro-Natura-Geschäftsführer Johannes Jenny in einer Medienmitteilung zitiert. Deshalb hat sich der Verein mit einem öffentlichen Schreiben an die Stadt Brugg gewendet und fordert darin die Auszonung der Parzelle. Stattdessen soll der «Schnägg» zur Naturschutzzone erklärt werden.

Lässt sich die Stadt auf diesen Handel nicht ein, plant Pro Natura, die Liegenschaft selbst zu kaufen: Der Mindestverkaufspreis beläuft sich auf 95 000 Franken. Dafür hat die Aargauer Naturschutzorganisation eine Sammelaktion gestartet und hofft nun auf Unterstützung aus der Bevölkerung.

Bruggerberg ist einmalig

«Die Spendenaktion ist erst gerade angelaufen, aber wir haben schon viele positive Rückmeldungen erhalten», sagt Matthias Betsche, Präsident Pro Natura Aargau. Der Bruggerberg sei einmalig, da es sich um einen der trockensten und wärmsten Südhänge des Aargaus handelt, der vielen verschiedenen Tierarten Lebensraum bietet. «Dieser Lebensraum lässt sich nicht einfach ersetzen, wenn er einmal überbaut ist», so Betsche.

Der kleinen Bauparzelle am Bruggerberg wohnt viel Symbolkraft inne: Sie vereint die Anliegen der Doppelinitiative zu Biodiversität und Landschaft von Pro Natura. Darin fordert die Naturschutzorganisation mehr Schutzgebiete und mehr Gelder für die breitflächige Förderung von Biodiversität sowie strengere Regeln beim Bauen ausserhalb der Bauzone. Daher hofft der Verein auf einen finanziellen Zustupf vonseiten der Stadt Brugg, sollte ein Kauf der Liegenschaft nötig werden. «Allerdings wollen wir das Grundstück nicht kaufen müssen, sondern hoffen, dass die Stadt das Gebiet zur Naturschutzzone erklärt», sagt Matthias Betsche. Schliesslich gilt der Hansfluhsteig auch gemäss der Brugger Bauverwaltung als schützenswert. Ein Abstellplatz oder eine Garage könnten nicht gebaut werden. Auch der Mindestabstand zum Waldrand, der eingehalten werden muss, schränkt mögliche Bauvorhaben ein. Doch schlussendlich zählt die Parzelle noch immer zum Bauland und kann bebaut werden.

«Der Antrag der Pro Natura wurde erst vor kurzem bei der Stadt eingereicht. Der Stadtrat wird sich der Fragestellung annehmen», sagt Bigna Lüthy, Stadtplanerin von Brugg. Die Gesamtrevision der Nutzungsplanung sei allerdings weit fortgeschritten und befinde sich im Moment in der politischen Diskussion im Einwohnerrat. «Der Einwohnerrat hat über Rückweisungsanträge noch die Möglichkeit, auf die Gesamtrevision der Nutzungsplanung Einfluss zu nehmen», so Lüthy.

Rückhalt von der Bevölkerung

Ob das Unterfangen von der Stadt unterstützt wird, bleibt offen. Was aber hat Pro Natura vor, sollte auch mit einer Sammelaktion nicht genug Geld für den Kauf der Parzelle zusammenkommen? «Wir müssten uns dann politisch weiter für die Auszonung dieser Bauparzelle einsetzen», erklärt Betsche. Sollte jemand anderes das Grundstück ersteigern, könnte der Verein nur noch über die Nutzungsplanungsrevision Einfluss nehmen. Er sei jedoch zuversichtlich, dass das Anliegen auf Rückhalt in der Bevölkerung stösst und genug Geld für den Kauf gesammelt werden kann.

Würde der «Schnägg» dann Pro Natura gehören, ginge der Kampf für eine Naturschutzzone weiter. Betsche: «Nur so kann die Artenvielfalt und die Biodiversität gesichert werden.»

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