Pro Bözberg
«Wir müssen sicher sein, dass das, was wir bauen, die Menschen schützt»: Wie das Ensi die Wahl des Tiefenlager-Standorts prüft

An der 19. Mitgliederversammlung des Vereins Pro Bözberg lauschten rund 50 Personen dem Referat von Felix Altorfer. Der Physiker ist Leiter Aufsichtsbereich Entsorgung beim Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi).

Dieter Minder
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Physiker Felix Altorfer sprach an der 19. Mitgliederversammlung.

Physiker Felix Altorfer sprach an der 19. Mitgliederversammlung.

Dieter Minder

Wird das Gebiet Jura Ost, in dessen Kern der Bözberg liegt, zum Tiefen- lager für radioaktive Abfälle? Diesem Thema war das Hauptreferat an der Mitgliederversammlung von Pro Bözberg gewidmet. Das sei kein Projekt für Hektiker, sondern ein Projekt, das über mehrere Generationen laufe, führte Felix Altorfer aus. Er ist Leiter Aufsichtsbereich Entsorgung beim Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi).

Altorfer gab zu bedenken, dass ein Tiefenlager auf sehr lange Zeit ausgerichtet sei. Während einer Million Jahre dürften die gelagerten Stoffe nicht an die Oberfläche kommen. Anhand von zwei Beispielen erwähnte er, wie schnell sich die Situation ändern könne. So wies er auf die mehrfache Vergletscherung der Region in den letzten 500'000 Jahren hin. Die Daten sind im Projekt «Eiszeiten und Klimawandel» des Mammutmuseums Niederweningen enthalten.

Rund 50 Personen waren am Mittwoch anwesend.

Rund 50 Personen waren am Mittwoch anwesend.

Dieter Minder

Die gesellschaftlichen Veränderungen erläuterte Altorfer anhand von Britannien: Als die Römer vor rund 2000 Jahren dort waren, gab es dort etwa Strassen, Steinhäuser und eine gut gehende Wirtschaft. Dann zogen die Römer ihre Legionen zurück, die Geldwirtschaft fiel zusammen. Innert einer Generation wechselte die Gesellschaft komplett, die bestehenden Anlagen wurden nicht mehr unterhalten, die Menschen lebten in Holz- oder Grubenhäusern.

Daraus ergibt sich, dass Prognosen für ein Tiefenlager schwierig sind. «Wir müssen alle Einflüsse berücksichtigen», sagte Altorfer.

Internationale Erfahrungen müssen in Schweizer Tiefenlagerprojekt einfliessen

Das Beispiel Britannien zeige, dass man nicht annehmen darf, dass sich künftige Gesellschaften um ein Tiefelanger kümmern: «Deshalb muss es versiegelt werden.» Die Stoffe dürften nicht mehr an die Oberfläche kommen und allenfalls die Menschen schädigen. Der Referent sagt:

«Wir müssen sicher sein, dass das, was wir bauen, die Menschen schützt.»

Die Entwicklungen im Ausland müssen, so der Referent, genau beobachtet werden. Dabei wies er auf Finnland hin, das eine Vorreiterrolle einnehme. Die internationalen Erfahrungen müssen in das Tiefenlagerprojekt der Schweiz einfliessen.

Begleitet wurde die Versammlung vom Jodlerklub Effingen.

Begleitet wurde die Versammlung vom Jodlerklub Effingen.

Dieter Minder

Mehrfach betonte er, dass das Ensi die technische Machbarkeit behandelt. Es müsse gute Daten liefern, damit die politischen Gremien entscheiden könnten. Als eine offene Frage bezeichnete er die Wechselwirkungen an den Grenzen verschiedener Materialien im Erdinnern. Was dort passiert, könne man nur mit Experimenten erforschen. Dagegen gäbe es bei den Transport- und Verpackungsanlagen für die Abfälle bereits heute gute Erfahrungen. Altorfer forderte auf, immer wieder Fragen zu stellen.

Fragen zum Projekt Tiefenlager zu stellen, sieht Pro Bözberg als eine seiner wichtigen Aufgaben an. Für den Verein steht die Sicherheit an oberster Stelle und er wendet sich gegen eine Sankt-Florians-Politik:

«Keine politischen Machbarkeitsüberlegungen.»

Neue Lagerkonzepte und Technologien müssten in das Projekt einfliessen, fordert er.

«Wir brauchen einen Viertel mehr Wald im Aargau»

Für Pro Bözberg ist das Tiefenlager für radioaktive Abfälle ein wichtiges Thema. Immer mehr Gewicht erhält sein Kernthema Waldbewirtschaftung. Neue Forschungsergebnisse zeigten, dass die Vergrösserung der Waldflächen zu den wirksamsten Instrumenten gegen die Klimaerwärmung zählt, führte Pro-Bözberg-Präsident Otto Suhner aus.

Der Kohlenstoffgehalt in der Atmosphäre könne auf vorindustrielle Werte gesenkt werden, wenn die globale Waldfläche um 25 Prozent vergrössert werde, deshalb sagt Suhner: «Wir brauchen einen Viertel mehr Wald im Aargau.» Das heisse rund 12'000 Hektaren Wald, was zirka 4,3 Millionen Bäumen entspricht.

Otto Suhner und Felix Altorfer im Gespräch.

Otto Suhner und Felix Altorfer im Gespräch.

Dieter Minder

Anhand der Situation auf dem Bözberg erläuterte er die Entwicklung und mögliche Massnahmen. Vorgaben über die Bewirtschaftung und den Schutz des Waldes gibt es auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene sowie in der Vereinbarung des Juraparks. Pro Bözberg verlangt, dass diese respektiert und eingehalten werden. Dabei ist sich der Vorstand bewusst:

«Es ist unmöglich, Staub aufzuwirbeln, ohne dass einige Leute husten.»

Zur 19. Mitgliederversammlung von Pro Bözberg waren rund 50 Personen nach Oberbözberg gekommen. Annette Schütz, Bözberg, und Jürg Wüest, Effingen, wurden neu in den Vorstand aufgenommen. Nathalie Detsch wurde als Geschäftsführerin verabschiedet, ihre Aufgabe übernimmt Giuseppina Benedetto. Umrahmt wurde die Versammlung vom Jodlerklub Effingen.

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