Wie Pro-Bözberg-Präsident Otto H. Suhner gleich zu Beginn der von rund 100 Personen besuchten Versammlung in Oberbözberg betonte, bleibt die schonende Waldbewirtschaftung weiterhin ein prioritäres Anliegen des Vereins. Dieser zählt aktuell 1716 Mitglieder und setzt sich seit seiner Gründung vehement für die Erhaltung des zwischen den Zentren Zürich und Basel liegenden Erholungsraums ein.

Mitte 2018 hat Nathalie Detsch die Nachfolge von Martina Bräutigam als Geschäftsführerin übernommen. Nach ihrer Vorstellung und der Behandlung der finanziellen Traktanden stand das Wahlgeschäft auf dem Programm. Nach 17 Jahren Vorstandstätigkeit trat Werner Hunziker zurück. Zudem musste die Versammlung in absentia von der Demission von Vorstandsmitglied Heiner Keller Kenntnis nehmen. Ihre Bestätigung für eine weitere Amtsperiode erhielten Präsident Otto H. Suhner, Vizepräsident Kurt Bräutigam, Aktuar Raphael Haltiner, Kassier Max Stähli und die Mitglieder René Müller, André Lambert und Theo Sonderegger. Für die Ergänzung des Vorstands sind nun neue Kräfte gefragt.

Seit 50 Jahren ohne Ergebnis

Wie in Sachen Tätigkeitsprogramm zu erfahren war, stellt der Verein den traditionellen Anlass zum eidgenössischen Buss- und Bettag vom 15. September unter das Thema «40 Jahre Stiftung Musica Espanola Schweiz/Bözberg». Die Bözberger Pianistin und Stiftungspräsidentin Maria Luisa Cantos wird zusammen mit Amri Alhambra mit Interpretationen auf zwei Konzertflügeln zu hören sein.

Als Gastreferent ging Walter Wildi auf das Thema «Vom KKW zum Tiefenlager» ein. Der Geologe ist Professor an der Universität Genf. In Fachgremien war er wie folgt tätig: 1989 bis 1997 Mitglied der Kommission Nukleare Entsorgung, 1997 bis 2000 Präsident der Eidgenössischen Geologischen Kommission, 1999 bis 2000 Präsident der Expertengruppe Entsorgungskonzepte für radioaktive Abfälle, 2000 bis 2002 Präsident der Fachgruppe Wellenberg des Kantons Nidwalden, 2002 bis 2007 Mitglied der Kommission für die Sicherheit von Atomanlagen, 2009 bis 2012 Beirat nukleare Entsorgung.

Wildi hielt fest, dass man in der Schweiz bereits seit fünf Jahrzehnten mit grossem Aufwand nach einer Lösung für die Endlagerung von radioaktiven Abfällen suche, bisher ohne konkretes Ergebnis. Im Fokus stehen nach wie vor die Standorte Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost (Weinland). Ob es angesichts der technischen Probleme dereinst einmal zu einer dauernden geologischen Endlagerung kommen werde, sei ungewiss. Weltweit werde die zeitlich unbegrenzte Zwischenlagerung praktiziert.

Kosten für Entsorgung steigen

Gemäss Sachplanverfahren wäre jedoch die ursprünglich für die 1990er-Jahre geplant gewesene Inbetriebnahmen der Lager ab 2050 (schwach- und mittelradioaktive Abfälle) und 2016 (hochaktive Abfälle) vorgesehen. Wie der Verein Pro Bözberg hält auch Walter Wildi fest, dass sich ein Standort in der Schweiz allein an dessen Sicherheit orientieren müsse und nicht an der politischen Machbarkeit.

Im Gebiet Bözberg (Jura Ost) wären nach seiner Meinung geologische Nutzungskonflikte und ein Scheitern des Projekts vorprogrammiert. Ein weiteres Problem sind die stetig steigenden Kostenprognosen für die Stilllegung der Kernkraftwerke und der Entsorgung. Während der Aufwand 1983 auf 2 Milliarden Franken geschätzt worden war, liegt man heute bei mehr als 25 Milliarden. (MW)