Vor dem Legionärslager bei der Klosterkirche Königsfelden schreit ein römischer Feldherr herum. Exerzieren ist angesagt. In Zweiergruppen marschieren Kinder in römischer Verkleidung, bewaffnet mit Schilden, hinterher. Dann strömen Jugendliche mit schwarzen T-Shirts hinter der Klosterkirche hervor. Laut plappernd, wild gestikulierend. Wahrscheinlich sind sie nervös. Für sie steht ein grosser Abend bevor. Es ist die Premiere von «leise brüllen», dem pädagogischen Kunstprojekt von Tanz & Kunst Königsfelden.

Während sich die Schüler und die Künstler zurückziehen und sich auf die Vorführung vorbereiten, trudeln am Freitagabend im Obergeschoss der Klosterscheune die zum Apéro geladenen Gäste ein. Vom Feuer der Römer draussen zieht etwas Rauch in den Raum. Vertreter aus der regionalen Politik und dem Grossen Rat sind da.

Die Rede von Bildungsdirektor Alex Hürzeler zur Premiere des Kunstprojekts «leise brüllen» in Windisch.

Die Rede von Bildungsdirektor Alex Hürzeler zur Premiere des Kunstprojekts «leise brüllen» in Windisch.

Mit Bildungs- und Kulturminister Alex Hürzeler ist auch die Aargauer Regierung vertreten. In seiner Grussbotschaft lässt es sich Alex Hürzeler nicht nehmen, leise über die Bildungspolitik im Kanton Aargau zu brüllen: «Es soll nicht nur um Finanzen gehen. Pädagogik braucht auch Freiräume.»

Die Rede von Bildungsdirektor Alex Hürzeler zur Premiere des Kunstprojekts «leise brüllen» in Windisch.

Die Rede von Bildungsdirektor Alex Hürzeler zur Premiere des Kunstprojekts «leise brüllen» in Windisch.

Für das Projekt «leise brüllen» findet der Regierungsrat lobende Worte: «Ich bewundere die Ideologie und den Elan, die hinter diesem Projekt stecken.» Zu nennen sei besonders die Leidenschaft von Präsidentin Elisabeth Wernli und der künstlerischen Leiterin Brigitta Luisa Merki. «Nicht zuletzt dank ihrem grossen Engagement zählt Tanz & Kunst Königsfelden inzwischen zu den kulturellen Leuchttürmen unseres Kantons.» Erwähnenswert sei auch der Einsatz der Lehrpersonen, die viel ausserhalb des Unterrichts zum Erfolg des Projekts beigetragen hätten.

Die Rede von Brigitta Luisa Merki, künstlerische Leiterin des Projekts «leise brüllen» in Windisch.

Die Rede von Brigitta Luisa Merki, künstlerische Leiterin des Projekts «leise brüllen» in Windisch.

Fix und fertig

Einen kleinen Einblick in die Entstehung des Projekts und wie viel Arbeit darin steckt, gibt Brigitta Luisa Merki in ihrer Rede: «Ich bin fix und fertig! Die letzten drei Tage haben wir durchgeübt.» Besonders herausfordernd sei das Projekt dieses Mal gewesen, weil auch jüngere Schüler – also Fünftklässler – involviert sind.

Beeinflusst wurden die Proben auch von den Lebenssituationen der Schüler. «Einige mussten beispielsweise schnuppern gehen, während wir probten», erklärt Merki. Es sei zudem nicht einfach gewesen, die Ältesten vom Projekt zu überzeugen. «Die dachten sich: ‹Hier kommen jetzt so komische Künstler. Was wollen die mir schon beibringen?›» Doch die Schüler seien über sich selbst hinausgewachsen, seien selbstsicherer geworden. «Es brauchte gegenseitigen Respekt, um das Projekt zum Gelingen zu bringen. Wir haben gelernt, wie wir miteinander umgehen müssen», sagt Merki und ergänzt: «Es ist wichtig, dass die Bildung und die Kultur nicht nur ideell, sondern auch mit finanziellen Mitteln unterstützt werden.»

Die Kritik zur Premiere lesen Sie morgen im Regionalteil der Schweiz am Sonntag.