Bözen
Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes: «Wir müssen uns um unser Land kümmern»

Zum 8. Mal lud das Forum Botia in die «Post» ein. Gleich fünf Schwerpunkte zum Thema «Welches sind die grössten Herausforderungen, mit denen die Schweiz und die Wirtschaft konfrontiert sind?» standen auf dem Programm.

Carolin Frei
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Hans Peter Joss (l.), Mitinitiant Forum Botia, mit dem Referenten Valentin Vogt.

Hans Peter Joss (l.), Mitinitiant Forum Botia, mit dem Referenten Valentin Vogt.

Carolin Frei

Kein einfacher Stoff, dessen sich Referent Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, in einer knappen Stunde annehmen wollte. Gleich fünf Schwerpunkte zum Thema «Welches sind die grössten Herausforderungen, mit denen die Schweiz und die Wirtschaft konfrontiert sind?» standen auf dem Programm. Darunter die Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative (MEI). Ziel der Wirtschaft müsse sein, die bilateralen Verträge zu erhalten und das Forschungsprogramm Horizon 2020 zu sichern. Das 3-stufige Konzept des Nationalrats als Basis für das weitere Vorgehen bei der MEI werde grundsätzlich begrüsst, sagte Vogt, studierter Ökonom. Auch der starke Franken war Thema. «Die SNB hatte keine andere Wahl, als im Januar 2015 den Mindestkurs aufzuheben», betonte der 56-Jährige. Durch diese Aufhebung würden 20 000 Stellen wegfallen. Trotzdem sei die Konjunktur robuster als noch 2011.

Ein weiterer Punkt: die grosse demografische Herausforderung der umlagefinanzierten AHV. 1948 kamen auf einen Rentner 6,5 Erwerbstätige, 2007 waren es knapp vier, 2035 werden es noch zwei sein. Dem könnte unter anderem mit einer Flexibilisierung des Rentenalters oder einem neuen Umwandlungssatz von 6 Prozent anstelle von 6,8 Prozent entgegengetreten werden.

Auch die Umwelt- und Energiepolitik kam aufs Tapet. «Wir haben kein Energieproblem, sondern ein globales CO2-Problem», hielt Vogt fest. Zugleich gälte es jedoch, die Sicherung der Stromversorgung als prioritäres Ziel zu behandeln. Etwa durch eine internationale Vernetzung sowie eine Öffnung des Strommarkts zur Sicherung der Versorgung. Bei der Fragerunde sinnierte Hans Peter Joss vom Forum Botia darüber, ob die Babyboomer Schmarotzer seien. Vogt verneinte und betonte, das AHV-Thema dürfe nicht zu einem «Alt gegen Jung» ausarten. Auch der Einwand von einem Besucher, bei einer Globalisierung gäbe es immer Verlierer und Gewinner, konnte Vogt entschärfen. Wichtig sei immer, wie man mit damit umgehe. «1860 war die Schweiz noch das Armenhaus Europas.»

Am Schluss der Fragerunde gab er den Gästen noch mit auf den Weg: «Wir müssen uns selber um unser Land kümmern, uns mehr einbringen, überall.»

Umfrage: Welches sind die grössten Herausforderungen, mit denen Sie zurzeit wirtschaftlich konfrontiert sind?

Dagmar Weber, 46, Urdorf «Die Unsicherheit in der Wirtschaft bekommen wir als IT-Firma gut zu spüren. Bei digitalen Produkten übt die Kundschaft im Moment grosse Zurückhaltung. Zudem sind die Fachkräfte in unserem Umfeld leider Mangelware.»
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Urs Strub, 74, Ahead executive consulting, Zug «Ich unterstütze als Senior Advisor Menschen bei ihrer beruflichen Umorientierung - dies ist je länger, je wichtiger. Gerade Menschen über 40 sind häufig von Umstrukturierungen oder sogenannten Nachfolgeregelungen betroffen.»
Peter Trachsel, 70, Hausen «Eine grosse Herausforderung ist für mich, den Leuten die Wichtigkeit der AHV vor Augen zu führen. Altersvorsorge beginnt mit 25 Jahren. Ich biete deshalb Seminare und Kurse für junge Menschen an. Die Anlässe sind gut besucht.»
Erhard Burri, 67, Stiftung Auffanggesellschaft BVG, Zürich «Die Komplexität ist nach wie vor eine grosse Herausforderung. Viele liquide Mittel müssen für die Begünstigten zur Verfügung gestellt werden. Deshalb kann das Geld nicht lange angelegt werden.»
Reto Pfister, 37, Landwirt, Bözen «Aktuell ist die Landwirtschaft nicht so stark betroffen. Doch wenn die Wirtschaft kränkelt, spüren wir das schnell. Wirtschaftliche Veränderungen können wir Landwirte nicht sofort auffangen. Wir müssen längerfristig planen.»

Dagmar Weber, 46, Urdorf «Die Unsicherheit in der Wirtschaft bekommen wir als IT-Firma gut zu spüren. Bei digitalen Produkten übt die Kundschaft im Moment grosse Zurückhaltung. Zudem sind die Fachkräfte in unserem Umfeld leider Mangelware.»

Carolin Frei