Brugg

Präsident Zentrum Brugg: «Etwas Dynamik schadet der Stadt nicht»

Locker und unkompliziert: Am Tag nach seiner Wahl posiert Dietrich Berger gut gelaunt in seinem Büro.

Locker und unkompliziert: Am Tag nach seiner Wahl posiert Dietrich Berger gut gelaunt in seinem Büro.

Dietrich Berger ist neuer Präsident des Zentrums Brugg . Er kennt die kommenden Herausforderungen, weiss aber auch welche Chancen es zu nutzen gibt.

Unbestritten ist die Wahl gewesen: Dietrich Berger steht neu an der Spitze des Gewerbevereins Zentrum Brugg. Am Tag nach er Generalversammlung posiert der Geschäftsstellenleiter der Neuen Aargauer Bank (NAB) in Brugg für das Foto in seinem Büro – locker und unkompliziert. Danach nimmt er sich genauso entspannt und bestens gelaunt gut eine Stunde Zeit für ein Gespräch und sagt, warum er sich für dieses Amt überhaupt zur Verfügung stellt. Kommt die Rede auf den Standort Brugg, gerät er in Fahrt. Die Stadt, das wird sofort klar, liegt ihm am Herzen. Bergers Begeisterung ist ansteckend.



Dietrich Berger, welchen Bezug haben Sie als Bankdirektor zum Büezer?
Dietrich Berger: In meiner Funktion bei der NAB in Brugg bin ich seit 15 Jahren nahe am Puls. Auch wenn ich im Privatkunden- und nicht im Firmenkundengeschäft tätig bin, kenne ich viele Unternehmer.

Auch die Begebenheiten?
Die Mechanismen sind mir bestens vertraut. Mit Brugg bin ich schon lange eng verbunden, obwohl ich in Gebenstorf aufgewachsen bin. Bereits als 6-jähriger Bub ging ich hier in die Pfadi. Die Lehre absolvierte ich bei der damaligen GZB, der heutigen Coop Bank. Der derzeit amtierende Stadtrat Willi Däpp vermittelte mir die Buchhaltung im Lateinschulhaus (schmunzelt). Seither hatte ich immer eine Beziehung zu Brugg. Hier habe ich meinen Platz gefunden.

Als Ende des letzten Jahres die Anfrage für das Präsidentenamt kam: Wie lange dauerte die Bedenkzeit für die Kandidatur?
Es war ein Prozess von zwei, drei Wochen. Als Präsident des Tourismusvereins musste ich mir den Wechsel nach fünf Jahren gut überlegen. Ich bin jedoch überzeugt, dass die Amtszeit eines Präsidenten nicht zu lange dauern darf. Das hat mir den Entscheid erleichtert. Beim Zentrum Brugg tut sich ein Feld auf, das spannend ist. Ich bin überzeugt, dass wir in Brugg viel bewegen können. Es ist Potenzial vorhanden. Etwas mehr Dynamik schadet der Stadt aber bestimmt nicht (schmunzelt).

Angst vor der Herausforderung haben Sie keine?
Die Erwartungen sind vorhanden, ein gewisser Druck ist zu spüren. Aber dem bin ich gewachsen (lacht). Mit meinen 50 Jahren bin ich zu jung, um zurückzulehnen. Dafür habe ich zu viel Energie. Ausserdem bin ich jetzt in einem Alter, in dem man mir zuhört. Wenn ich nun zusammen mit guten Leuten etwas auf die Beine stellen kann, macht das Spass. Ich engagiere mich gerne für das Brugger Gewerbe und möchte mich damit auch für die Attraktivität unserer Region einsetzen.

Ist der Aufwand nicht enorm gross?
Ich übernehme dieses Amt nicht, weil ich sonst zu wenig Arbeit hätte. Es funktioniert allerdings nur, weil ich mir gewisse Freiräume schaffen und Aufgaben delegieren kann. Das Zentrum Brugg verfügt über einen erfahrenen Geschäftsführer sowie einen motivierten Vorstand.

Wie werden Sie Ihre Kollegen von Ihren Ideen überzeugen?
Ich versuche, mit Begeisterung zu führen, die Leute mitzureissen. Als Einzelkämpfer kann ich nicht viel erreichen. Natürlich bin ich mir bewusst, dass die Führung eines Vereins und die Führung in einer Bank zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe sind. In einer Freiwilligenorganisation kann ich nicht einfach kommen, den Weg vorgeben und Forderungen stellen. Die Leute wollen abgeholt und angespornt werden. Ich bin mir aber sicher, dass es passen wird. Helfen werden mir meine 10-jährige Erfahrung als Finanzkommissionspräsident an meinem Wohnort Gebenstorf sowie meine 15-jährige Tätigkeit mit den vielen Kontakten im Vorstand des Vereins Tourismus Region Brugg. Ich sehe Parallelen zum Gewerbeverein.

Welche?
Auch hier braucht es eine starke Verbindung zwischen Verein und Öffentlichkeit. Gelernt habe ich, dass die Kommunikation ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist. Ein gutes Beispiel dafür ist der Kultur und Tourismusapéro, der sich schon nach fünf Ausgaben etabliert hat.

Apropos: Welche Baustellen hinterlassen Sie als abtretender Tourismusdirektor?
Im Tourismus haben wir uns auf die Fahne geschrieben, nur ein grösseres Projekt pro Jahr zu realisieren, um unsere Kräfte als Vorstandsmitglieder nicht zu fest zu verzetteln. Das ist uns gelungen. Wir haben in den letzten fünf Jahren viel erreicht, auch was die Wahrnehmung des Vereins in der Öffentlichkeit betrifft. Offen ist der Wohnmobilstellplatz. Ich bin zuversichtlich, dass wir das Vorhaben dieses Jahr noch umsetzen können und habe dem Vorstand versprochen, diese Pendenz zu erledigen.

Zurück zum Gewerbeverein: Was werden Sie anders machen als Ihr Vorgänger Benno Meier?
Was wir verändern wollen und was beibehalten werden soll, müssen wir im Vorstand diskutieren. Der Gewerbeverein hat in den letzten Jahren sehr viel sehr Gutes geleistet. Ich persönlich möchte die regelmässigen Anlässe wie die Gewerbeapéros und den Gewerbler-Stamm sicherlich weiterziehen, vielleicht mit Anpassungen da und dort.

Die Mitglieder dürfen, wie Sie sagen, spannende Netzwerkanlässe mit interessanten Themen und guten Kontakten erwarten?
Hier bestehen viele Möglichkeiten, zum Beispiel in der Zusammenarbeit mit der Standortförderung, mit anderen Gewerbevereinen, mit der Stadt. Für mich steht die Grundhaltung «zusammen sind wir stark» im Mittelpunkt. Andererseits wollen wir die Möglichkeiten und Leistungen unseres Gewerbes mit Werbung intensiver gegen aussen vermitteln, um in der Region darauf aufmerksam zu machen. An beiden Richtungen werden wir weiter kontinuierlich arbeiten.

Der Gewerbeverein soll bekannter werden?
Ja. Wichtig ist in erster Linie, dass wir die Leute dazu bringen, nach Brugg zu kommen, dass sie bei Einkäufen, Anschaffungen und Aufträgen an unsere Unternehmungen denken, seien es die Gewerbetreibenden oder Detaillisten.

Immer wieder wird der Wunsch nach einem Baumarkt laut. Was kann der Gewerbeverein Zentrum Brugg in einem solchen Fall unternehmen?
Wir können Anregungen geben, ein Bedürfnis aufzeigen. Aber am Schluss liegt der unternehmerische Entscheid nicht bei uns. Hier spielt die Standortförderung eine bedeutende Rolle, es ist ein Zusammenspiel. Das Hotel-Projekt «Tower» beim Fachhochschul-Campus hat aufgezeigt, wie lange ein solcher Prozess dauern kann, wer mitwirken muss. Um auf den Baumarkt zurückzukommen: Hier stellt sich ebenfalls die Frage, wo ein möglicher Standort sein könnte.

Es sind am Schluss also die kleinen Schritte, die zum Ziel führen?
Man muss vor allem genau hinschauen und es braucht gute Ideen. Wir müssen zusammenstehen und am Einkaufserlebnis Brugg arbeiten, Begegnungsstätten schaffen, die zum Verweilen einladen, für eine attraktive Einkaufsstrasse mit Blumen und Farben und attraktiven Läden sorgen, damit sich die Leute gerne bei uns aufhalten. Da sind alle gefragt: die Ladenbesitzer, die Liegenschaftseigentümer, die Stadt, die Vereine. Vieles passiert tatsächlich im Kleinen und muss nicht zig Tausend Franken kosten.

Kann auf diese Weise ebenfalls die Altstadt belebt werden?
Ein Altstadt-Laden, der die Leute in Scharen anzieht, bleibt kurzfristig wohl eher ein Wunschdenken. Wir müssen deshalb andere Ankerpunkte schaffen. Das kann die Gastronomie sein. Im Sommer muss es am Mittag und am Abend möglich sein, draussen etwas essen und trinken zu können. Mit solchen Anziehungspunkten, bin ich überzeugt, können wir die Altstadt vitalisieren. Die Motivation, etwas verändern zu wollen, muss allerdings von innen kommen. Unter Umständen braucht es Kompromisslösungen und Zugeständnisse von einzelnen Interessengruppen. Wartet man einfach ab, passiert gar nichts. Unsere Altstadt ist wunderschön und hat so viel zu bieten.

Welches sind die weiteren grossen Herausforderungen, die auf den Platz Brugg zukommen?
Speziell der Detailhandel hat mit einschneidenden Veränderungen zu kämpfen. Neben dem Einkaufstourismus aufgrund des tiefen Euros drückt der immer grösser werdende Onlinehandel auf die Umsätze. Wenn dann noch verschiedene Läden über Monate leer stehen, hilft das überhaupt nicht. Es beginnt eine Negativspirale zu drehen, am Schluss bleiben die Leute weg. Da müssen wir handeln und den Dialog suchen, da sind die verschiedenen Exponenten aufgerufen, von der Stadt über die Gewerbler bis zur Neumarktvereinigung.

Stichwort Online-Handel: Wie gehen der Gewerbeverein und das Gewerbe mit dem damit verbundenen Wandel um?
Die höhere Bedeutung des Online-Geschäfts betrifft viele Branchen und damit viele Mitglieder von uns. Chancen sehe ich bei einer durchdachten Vernetzung. Hier können wir die Stärken in der Region ausspielen. Die Vernetzung zwischen Fachhochschule und Gewerbeverein Zentrum findet zum Beispiel mit dem Wirkstoffanlass statt.

Bis wann sollen Sie die ersten Ziele erreichen?
Zuerst gebe ich mir 100 Tage Zeit, mir einen Überblick zu verschaffen und die Mechanismen im Verein und im Vorstand genauer kennenzulernen. Die Strategie-Review, die für 2017 geplant war, möchte ich vorziehen. Damit schaffen wir eine optimale Ausgangslage. Wir werden das Leitbild überprüfen und falls notwendig die Stossrichtungen etwas anpassen. Das mache ich zusammen mit dem Vorstand. Ich habe schon einige Ideen, die ich thematisieren will.

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