Ist es ein Brief an die Geliebte? Oder einer an die beste Freundin? War die Botschaft in seinem Innern eine gute? Oder überbrachte er schlimme Nachrichten? Und wer war diese Madame de Meuron in Colombier (NE), an die er adressiert ist?

Es sind Fragen, die heute niemand mehr beantworten kann. Der Brief wird sein Geheimnis nicht lüften. Experten können lediglich Vermutungen anstellen. So glaubt Christian Holling von der Rölli-Schär AG, dem Auktionshaus für Briefmarken in Luzern: «Der Brief wurde wohl von einem Kurgast in Schinznach-Bad versendet.» Zu 90 Prozent dürfte sich dies so zugetragen haben, ergänzt Holling. Und klar ist auch: Madame de Meuron war nicht eine Berühmtheit ihrer Zeit.

Zu jener Zeit war Schinznach-Bad als «Armenbad» bekannt. Es waren weniger die gut betuchten Leute, die sich da eine Kur leisten konnten. Möglich also, dass ein Kurgast aus der Romandie diesen Brief in seine Heimat geschickt hat.

Privater Stempel falsch platziert

Was er aber bekannt gibt und was ihn besonders macht, ist nicht sein Inhalt, sondern die Stempel auf seinem Couvert. Gleich zwei zieren die Vorderseite. Zum einen handelt es sich um einen Stempel von Schinznach-Bad. Es ist ein privater Poststempel (oval) und daher einer, der nicht direkt auf die Briefmarke gehört hätte, sondern einfach auf den Brief. Damals verfügte Schinznach-Bad über einen privaten Poststempel. Eigentlich hätte die Marke in Brugg abgestempelt werden müssen, da dort die Post weitergeleitet wurde. Da die Briefmarke aber bereits abgestempelt war, wurde der Durchgangsstempel von Brugg daneben platziert.

Die Postablage Schinznach-Bad wurde später mit dem Postbüro Birrenlauf zusammengelegt. 1938 nahm die Gemeinde Birrenlauf offiziell den Namen Schinznach-Bad an.

Der Brief, der aus einer privaten Sammlung stammt, ist vom 4. bis 6. Februar an der 55. Internationalen Rölli Briefmarken Auktion ausgestellt. An dieser Auktion soll dieser kleinformatige Brief auch versteigert werden. Der Startpreis dafür liegt bei 300 Franken.