Brugg
Podium zur Verkehrsinfrastruktur warf viele kritische Fragen auf

Markus Bitterli vom überparteilichen Komitee «Region Brugg jetzt» konnte am Mittwochabend über 150 Personen zur Podiumsveranstaltung «Ertrinkt Brugg-Windisch im Verkehr?» im Salzhaus Brugg begrüssen.

Claudia Meier
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Heiss diskutiert: Neuralgischer Verkehrsknoten am Bahnhof Brugg.

Heiss diskutiert: Neuralgischer Verkehrsknoten am Bahnhof Brugg.

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Seit der Einführung der Eisenbahn im Jahr 1856 hat sich Brugg zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt entwickelt. Simone Rangosch, Leiterin der Abteilung Verkehr beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), zeigte das deutliche Wachstum der Region Brugg in den letzten 170 Jahren auf. Im Bezirk Brugg sei bis 2035 mit einem Bevölkerungswachstum von 9 Prozent zu rechnen, so die promovierte Geografin. Früher kam der Strassenverkehr auf der West-Ost-Achse über den Bözberg zum Stocken. Heute sei die Nord-Süd-Achse das Problem. Auf der Zurzacherstrasse verkehren 15000 Fahrzeuge pro Tag. Rangosch betonte den unbedingten Zusammenhang von Siedlungs- und Verkehrsplanung.

Verkehrsmittel gezielt wählen

Der Kanton wolle den öffentlichen, den individuellen motorisierten und den langsamen Verkehr gemeinsam und gleichwertig weiterentwickeln und habe dazu die Gesamtverkehrsstrategie «Mobilität Aargau» konzipiert, erklärte Rangosch. Mit dem Mobilitätsmanagement wolle man die gezielte Wahl des Verkehrsmittels erwirken und von der Autonutzung durch Einzelpersonen wegkommen. Verbesserungen seien mit der geplanten Südwestumfahrung Brugg und der Nordumfahrung Windisch in Sicht. Der neue Bushof Süd führe ebenfalls zu einer Kapazitätserweiterung. «Ein Radweg in der Vorstadt Brugg ist noch etwas, was machen könnte», meinte Rangosch.

Kein Geld fürs «Mausloch»

Die anschliessende Podiumsdiskussion machte deutlich, dass sich Verkehrsstaus in Zukunft nicht vermeiden, sondern höchstens verlagern lassen. Mit einer guten Prise Humor fühlte Gesprächsleiter Peter Belart den Podiumsteilnehmern in Sachen Mobilität und Infrastrukturplanung auf den Zahn. Nationalrat Beat Flach von Auenstein erinnerte an die Nachteile einer vorschnellen Planung: «Eine neue Strasse am falschen Ort lässt sich nicht so schnell entfernen.» Stadtammann Daniel Moser von Brugg und Vizeammann Heinz Wipfli von Windisch signalisierten zwar beide Bereitschaft zur Zusammenarbeit, betonten aber immer wieder den knappen finanziellen Handlungsspielraum. Andreas Wingeier von den SBB räumte ein, dass der Ausbau der Campus-Passage, besser bekannt als «Mausloch», zwar als Projekt beim Agglomerationsfonds angesiedelt sei, aber Brugg mit diesem Problem im Kanton nicht allein sei. «Das Projekt Campus-Passage ist nicht gestorben. Aber die Stadt Brugg kann sich das nicht leisten»,
so Moser. «Sobald es um die Finanzierung geht, ist es wie in der Küche, wenn das Licht angeht. Niemand ist verantwortlich», meinte Wipfli. Verkehrsexperte Ruedi Häfliger appellierte an die zuständigen Stellen, das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht nur bei der Südwestumfahrung, sondern auch bei der Campus-Passage in Betracht zu ziehen. Rangosch räumte ein, es sei eine gute Frage, ob die Kosten von 46,45 Millionen Franken für die Südwestumfahrung und die erwartete Entlastung des Rütenenquartiers sowie von Brugg West gerechtfertigt seien.

Innovative Ideen sind gefragt

Nationalrat Flach rief in Erinnerung: «In den vergangenen 20 Jahren haben wir uns alle verändert. Wir pendeln viermal weiter. Interessanterweise brauchen wir dafür nicht mehr Zeit.»

Stimmen aus dem Publikum forderten, das «Mausloch» als Visitenkarte für Brugg, Windisch, die SBB und den Kanton Aargau aufzuwerten. «Wenn die Passage ein Teil des Velowegs ist, soll sich der Kanton beteiligen.» Andreas Zimmermann, Angebotsplaner von Postauto Nordschweiz, fragte, ob man einzelne Massnahmen nicht vorziehen könne. «Das ist ein Gedanke, den ich mitnehmen werde», sagte Rangosch. Ein Teilnehmer schlug vor, eine S-Bahn-Haltestelle im Industriegebiet zu prüfen. Er ortete bei den Zuständigen eine «grosse Fantasielosigkeit».

Mit der Eröffnung des Campus im Jahr 2013 sind die Bauarbeiten beim Bahnhof nicht abgeschlossen. Die Personenunterführung in der Mitte als Verbindung zum Bushof Süd wird 2014 fertig. Das «Mausloch» kann sich Moser für 2015 vorstellen.

Die orts- und parteiübergreifende Plattform «Region Brugg jetzt» greift seit zehn Jahren brennende Themen auf und diskutiert sie «in einer Art Zukunftswerkstatt». Wenn es durch breite Diskussion gelinge, gewisse Themen anders zu gewichten, seien solche Veranstaltungen absolut sinnvoll, meinte Bitterli abschliessend.

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